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Die Luftfahrtbranche geht davon aus, dass sich in den kommenden Jahren die Reisegewohnheiten deutlich ändern werden – auch aus Klimaschutzgründen. Die Flugzeugbauer müssen sich mit ihren Entwicklungen schon heute darauf einstellen.

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Airbus: Flugzeuge werden kleiner und nachhaltiger

Die Luftfahrtbranche geht davon aus, dass sich in den kommenden Jahren die Reisegewohnheiten deutlich ändern werden – auch aus Klimaschutzgründen. Die Flugzeugbauer müssen sich schon heute darauf einstellen.

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Von
  • Stephan Lina

Die Corona-Pandemie hat die Luftfahrt in die größte Krise ihrer Geschichte gestürzt. Auch der europäische Flugzeugbauer Airbus kämpft mit den Folgen. Darüber hinaus erwartet der Konzern, dass sich die Branche in den kommenden Jahren deutlich verändern wird. Airbus-Finanzchef Dominik Asam sagte im B5 Interview der Woche, auf mittlere Sicht würden wohl zunehmend kleinere Flugzeuge mit großer Reichweite gefragt sein. Außerdem müsse das Fliegen nachhaltiger werden, etwa durch den Einsatz von Wasserstoff.

Angst vor Flugscham beeinflusst Airbus-Entwicklungen

Auch wenn die internationale Luftfahrt vor Beginn der Corona-Krise noch Rekord-Zahlen erwartet hatte – frei von Konflikten war die Branche auch vor der Pandemie nicht. Stichwort Flugscham: Vor allem in westlichen Ländern verschärfte sich die Diskussion darüber, wie man Flugreisen klimafreundlicher gestalten könnte.

Eine Debatte, die derzeit öffentlich kaum stattfinde, wohl aber in der Industrie, so Airbus-Finanzchef Dominik Asam. Der Konzern arbeite an verschiedenen Konzepten. Denn angesichts der Klimaziele für die kommenden Jahrzehnte werde es nicht ausreichen, die heutigen Triebwerke effizienter zu machen und Kerosin mit geringerem Rohöl-Anteil einzusetzen. Der Konzern werde darüber hinaus auch Flugzeuge bauen müssen, die "am Ende des Tages" CO2-neutral fliegen. "Dafür haben wir die sogenannte Zero-E-Roadmap aufgebaut und arbeiten jetzt an Themen wie Wasserstoff, um eben bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts auch Produkte anbieten zu können." Airbus wolle dabei Innovationsführer sein, so Asam, und der erste Anbieter, der so ein Flugzeug baut.

Auch Investoren drängen auf klimaschonendes Fliegen

Das seien übrigens Fragen, die nicht nur von Klimaschützern an Airbus herangetragen würden, sondern auch von den Investoren. Also den Gesprächspartnern, mit denen Dominik Asam als Finanzvorstand am häufigsten zu tun hat. Umgekehrt ist Asam der Manager, der letztendlich dafür verantwortlich ist, wie genau Airbus seine milliardenschweren Budgets für Forschung und Entwicklung einsetzt.

Kleinere Flugzeuge mit großen Reichweiten

Und dort sieht Asam zwei große Trends. Zum einen das nachhaltige Fliegen. Und zum anderen die Abkehr von Riesenjets wie dem Airbus A380 hin zu kleineren Maschinen, die dank effizienter Triebwerke weite Strecken schaffen. Der Konzern geht davon aus, dass der Flugbetrieb nach der Corona-Pandemie erst mal mit kleineren Flugzeugen wieder losgehen wird, da zuerst der regionale Flugverkehr wieder starte. Das sehe man heute schon.

Der internationale Flugverkehr werde dagegen noch dauern. Aber auch dort seien zunehmend kleinere Maschinen gefragt. Airbus hat hier den A 321 XLR entwickelt. Ein Kürzel, das übersetzt für extra-weite Langstrecken steht und das neue Flugzeug dank vieler Vorbestellungen schon vor dem Erstflug zum Bestseller gemacht hat.

Airbus rechnet auch wieder mit hartem Wettbewerb

Der große Konkurrent Boeing aus den USA hat derzeit keine vergleichbare Maschine in der Entwicklungs-Pipeline, kämpft außerdem mit den Folgen des Debakels um die 737Max. Das heiße aber nicht, dass Airbus nun auf Dauer unangefochtener Marktführer bleiben werde, sagt Dominik Asam.

"Wir haben unseren Auftragsbestand relativ gut durch die Krise retten können. Das spricht dafür, dass wir gute Chancen haben, unsere Marktanteile auch in Zukunft hochzuhalten." Aber das Unternehmen gehe davon aus, dass Boeing aufholen werde, wenn die 737Max wieder ausgeliefert werde. "Wir haben das Glück, dass bei uns derartige Themen im Moment nicht auftreten. Wir sind lieferfähig."

Warten auf ein Ende der Reiseeinschränkungen

Wichtig sei nun, dass weltweit die Impfkampagnen Fahrt aufnehmen und Erfolge zeigen. Dann würden wohl auch viele Reise-Restriktionen wieder aufgehoben, die derzeit die Luftfahrt-Branche ausbremsen. Das zeigt sich in den USA. Dort berichten Fluggesellschaften wie Delta oder United schon wieder von Buchungen wie vor der Corona-Krise.

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