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AirBnB-Vermieter im Visier der Steuerfahnder

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Airbnb-Vermieter im Visier der Steuerfahnder

Die Daten registrierter deutscher Airbnb-Vermieter liegen seit September 2020 deutschen Steuerfahndern vor. Die Folge eines Gerichtsurteils in Irland: Alarmstufe Rot für alle, die solche Einkünfte bislang nicht versteuerten.

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Von
  • Jürgen Seitz

Auf der Online-Plattform Airbnb können private und gewerbliche Vermieter ihr "Zuhause" vermieten. Von der Gründung im Jahr 2008 bis zum April 2020 wurden laut Angaben des Unternehmens mehr als 500 Millionen Übernachtungen über den Vermittler airbnb gebucht. Schon lange versuchen die deutschen Steuerbehörden an die Namen von Vermietern zu gelangen. Im September 2020 haben sie in Irland, dem Unternehmenssitz von Airbnb, ein Gerichtsurteil zur Herausgabe der Namen erstritten.

Mancher Gelegenheitsvermieter dachte nicht an Steuerpflicht

Grundsätzlich müssen auch solche Mieteinnahmen in der Anlage "V" zur Einkommensteuererklärung ("V" für Vermietung) angegeben werden. Doch mancher Gelegenheitsvermieter hat sich gar keine Gedanken über eine etwaige Versteuerung der Einnahmen gemacht. Das kann nun zum Verhängnis werden, sagt Steueranwalt Christopher Arendt aus München. Seine Durchschnittsmandanten in Airbnb-Fällen sind zwischen 35 und 45 Jahren alt und unterscheiden sich deutlich von Dauervermietern. Viele hatten einen WG-Hintergrund oder ein Interesse daran, neue - häufig auch internationale - Bekanntschaften zu machen. Teilweise wurden Zimmer oder aber auch die ganze Wohnung vermietet, wenn man selber verreiste.

Wenn ihnen dann vom Finanzamt vorgerechnet wird, wie viel Geld sie pro Jahr mit Aibnb Vermietung verdient haben, sind sie selbst überrascht - die wenigsten haben da einen Überblick. Dr. Christopher Arendt, ACCONSIS Rechtsanwälte

Steuerverwaltung prüft bereits die Jahre 2012-2014

Die übergebenen Daten werden nun von der Steuerfahndung Hamburg noch ausgewertet und von dort aus nach und nach in ganz Deutschland an die lokalen Finanzämter weitergeleitet. Im Fokus stehen offenbar zunächst die Steuerjahre 2012 bis 2014, bei denen die 10-jährige Verjährungsfrist absehbar endet. Die Finanzbehörden in Nordrhein-Westfalen und Bayern wollten sich auf Anfrage des BR dazu "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht weiter äußern.

Wettlauf mit dem Finanzamt hat begonnen

Die lokalen Finanzämter werden nun die eingereichten Steuererklärungen der letzten Jahre sichten und können so abgleichen, ob die Vermietung über Airbnb falsch oder eventuell sogar überhaupt nicht angegeben wurde. Steueranwalt Ahrendt bringt auf den Punkt, was das für Betroffene bedeutet: Sie müssen jetzt schneller sein als das Finanzamt. Das bedeutet: Sie sollten handeln, bevor ein Schreiben der Behörde im eigenen Briefkasten landet.

Denn eine wirksame Selbstanzeige sichert die eigene Straffreiheit oder sorgt mindestens für Strafmilderung, sollte das Finanzamt bereits Bescheid wissen. In der Selbstanzeige müssen die Einnahmen aus Vermietungen durch Airbnb mindestens für die letzten zehn Jahre vollständig offengelegt und korrigiert werden.

Steuerstrafrechtliche Folgen nicht zu unterschätzen

Im ungünstigsten Fall droht ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung, was mindestens mit einer Geld-, im schlimmsten Fall sogar mit einer Freiheitsstrafe (evtl. auf Bewährung) enden kann. Bereits mit einer Geldstrafe ab 90 Tagessätzen ist man aktenkundig "vorbestraft".

Grund zur Panik besteht dennoch nicht, denn die Finanzverwaltung braucht Zeit, um die großen Datenmengen zu sichten und zu verarbeiten. Wer in den letzten Jahren Einnahmen für Vermietungen über die Plattform Airbnb erzielt und diese nicht beim Finanzamt angezeigt hat, sollte nun zeitnah handeln und sich im Zweifel fachkundigen Rat einholen.

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