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Ärzteverbände klagen gegen neue Digital-Infrastruktur | BR24

© picture-alliance/dpa

Ein symbolisch mit einem Schloss gesicherter Datenträger zusammen mit einer Krankenkassenkarte

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Ärzteverbände klagen gegen neue Digital-Infrastruktur

Ärzte sind aufgefordert, sich einen sogenannten Konnektor zuzulegen. Mit Hilfe dieser Technik soll es möglich werden, Rezepte online auszustellen oder einzusehen, welche Medikamente andere Kollegen schon verordnet haben. Dagegen regt sich Widerstand.

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Viele Vorteile für die Patienten biete das neue Datennetz für das Gesundheitsweisen, verspricht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von der CDU. So soll es beispielsweise möglich werden, Rezepte nicht mehr auf Papier, sondern online auszustellen. Aber die Verbindung mit dem neuen Netz ist holprig – das war eine der ersten Erfahrungen, die Oliver Abbushi gemacht hat, als er in seiner Hausarztpraxis in Oberhaching bei München einen sogenannten Konnektor installiert hat, die Technik, die den Datenaustausch möglich macht.

Konnektor ermöglicht Austausch von Patientendaten

Neben der Erstellung von Onlinerezepten soll der Konnektor auch dazu befähigen, Behandlungsdaten von Patienten auszutauschen. Damit könnten Doppeluntersuchungen vermieden werden, so wirbt Gesundheitsminister Jens Spahn für das Projekt. Gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten könnten frühzeitig erkannt und vermieden werden.

Gerät soll falsche Medikamentierung vermeiden helfen

Allgemeinarzt Siegfried Jedamzik aus Ingolstadt hat schon vor fast einem Jahr einen Konnektor in seiner Praxis installiert. Er leitet die bayerische Telemedizin-Allianz.

"Dass wir die ganzen Krankenhauseinweisungen, die aufgrund von Arzneimittel-Unverträglichkeiten passieren, dass wir die endlich wegbekommen. Dass Todesfälle, die wir haben, wegen Arzneimittel-Interaktionen, dass die weg sind." Siegfried Jedamzik, Allgemeinarzt

Sorge um den Datenschutz

Der Oberhachinger Hausarzt Oliver Abbushi ist da etwas zurückhaltender. Auch er hofft zwar, dass das neue Datennetz tatsächlich irgendwann mal Vorteile bringt. Zunächst aber fragt er sich, ob die Daten wirklich sicher sind:

"Als meine Akten noch in unserem Keller waren, da konnte ich sagen, okay, hier im Haus ist alles, da geht nichts raus, ich weiß was los ist, und ich kann dem Patienten das zusichern." Oliver Abbushi, Hausarzt

Ärzteverbände gehen vor Gericht

Noch weit skeptischer beim Thema Datensicherheit ist der Allgemeinarzt Werner Baumgärtner aus Stuttgart, der auch den Ärzteverbund Medi leitet: Er lehnt es ab, die Konnektoren zu installieren. Seine Organisation will deswegen gemeinsam mit einigen anderen Ärzteverbänden gegen die entsprechende gesetzliche Verpflichtung vor Gericht gehen.

"Das ist veraltete Technik, die große Sicherheitsprobleme hat, ungeklärte Sicherheitsfragen hat, und das alles könnte man deutlich günstiger machen, und man könnte es auch sicherer machen, gerade für die Patienten." Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender Ärzteverbund Medi

Bundesregierung droht mit Abzug von Honoraren

Die Bundesregierung droht Ärzten, die ihre Praxen nicht an das neue Datennetz anschließen, Abzüge vom Honorar an. Das sei aber juristisch nicht haltbar, glaubt Baumgärtner. Und er geht in die Gegenoffensive: Die neue Technik sei mitunter so instabil, dass sie die Ärzte jetzt schon Geld koste, sagt er.

"Wir haben Praxen, die hatten hunderte von Abstürzen ihrer Systeme nach der Installation des Konnektors, die zum Teil gar nicht mehr behoben werden konnten. Und diese ganze Arbeit, die muss ja irgendjemand bezahlen, und das wollen wir einklagen." Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender Ärzteverbund Medi

100.000 Ärzte haben neuen Konnektor bereits installiert

Insgesamt etwa 170.000 Praxen von Ärzten und Zahnärzten seien verpflichtet, die neuen Konnektoren zu installieren, heißt es vom Ärzteverband Medi. Rund 70.000 hätten das aber noch nicht getan – ihnen stünden rund 100.000 Ärzte gegenüber, die den Apparat bereits an ihr Computersystem angeschlossen haben. Oliver Abbushi, der einer von ihnen ist, stellt dabei eines klar: Aus Begeisterung für die neue Technik habe er diese Entscheidung nicht getroffen, sondern vor allem, weil er dazu verpflichtet worden sei.

"Heute muss ich mich auf die Vorgaben verlassen und hoffen, dass das alles seine Richtigkeit hat. Ich muss auf die Behörden vertrauen, dass das sicher ist, ich kann es selber nicht mehr überprüfen." Oliver Abbushi, Hausarzt