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Abschied von der Steinkohle Das Gold von gestern | BR24

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Der Steinkohlebergbau in Deutschland wird heute endgültig eingestellt. Das letzte aktive Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop beendet zur Stunde mit einem Festakt die Förderung, wie bereits 2007 beschlossen. Damit geht nach 200 Jahren eine Ära zu Ende.

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Abschied von der Steinkohle Das Gold von gestern

Wohlstand, Wärme und Wohlbehagen dank Koks und Kohle - nach dem Krieg ist das Ruhrgebiet der Energielieferant der Nation. Der Bergbau ist ein gefragter Arbeitgeber. Doch dann kommt die Krise. Ein Rückblick.

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Nach dem Krieg ist Kohle knapp. Der Bedarf ist riesig, in den Fabriken sowie bei der Bevölkerung. Den Ruhr-Zechen wurde damals jede Tonne Kohle aus den Händen gerissen. "Alle Leute wissen, dass man die Kohle unbedingt braucht. Alle wissen, Europa muss wieder aufgebaut werden - und das geht nur mit Kohle", sagt der Wirtschaftshistoriker Franz-Josef Brüggemeier rückblickend. Das Ruhrgebiet wird das größte Kohlerevier Europas, der Energielieferant der Nation. Die Stahlindustrie, die Chemieindustrie, die Eisenbahn, fast jede Fabrik braucht die Steinkohle für ihre Energie.

Der Bergbau ist zu dieser Zeit ein gefragter Arbeitgeber, trotz der harten und oft lebensgefährlichen Tätigkeit unter Tage. Die große Zeit der deutschen Steinkohle hat Werner Korean noch miterlebt. "Ich war 1946 der erste Knappe nach dem Krieg der seine Prüfung gemacht hat - mit 16 Jahren. "

600.000 Menschen in 170 Zechen

Die Zechen zahlen Spitzenlöhne. 1957 arbeiten an der Ruhr an der Saar und im Aachener Revier insgesamt mehr als 600.000 Menschen auf über 170 Zechen. Kohle und Koks lieferten Wärme und Wohlbehagen.Doch die Branche überschätzt die Nachfrage. Heizöl wird für die Kunden immer billiger. Gleichzeitig steigt die Bundesbahn um von Dampfloks auf Diesel und Elektroantrieb. Schon Ende der 1950er-Jahre arbeitet fast jede zweite Zeche an der Ruhr nicht mehr kostendeckend. Wer kann, kündigt. Denn wer jung ist, findet im Wirtschaftswunderland leicht einen neuen Job.

Gründung der Ruhrkohle AG

Doch die Krise bleibt. Um die aufgebrachten Bergarbeiter schließlich zu befrieden, vereinbaren Politik, Gewerkschaft und Zechenbetreiber 1968 die Gründung der Ruhrkohle AG - eine Einheitsgesellschaft, die faktisch ein Rationalisierungkartell ist. Der deutsche Bergbau soll sich gesundschrumpfen. Doch die Probleme bleiben.An der Ruhr liegt die Kohle über 1000 Meter tief. Das macht die Förderung extrem teuer. Importkohle kostet nur etwa die Hälfte. Nur dank milliardenschwerer Subventionen des Staates kann der heimische Bergbau überleben. Milliarden fließen in den Bergbau. Vor einer radikalen Subventionskürzung schreckt die Politik lange zurück. 1997 kämpfen Tausende Bergarbeiter um ihren Job. Das Ende des deutschen Bergbaus kommt trotzdem - aber langsam und sozialverträglich. 2007 beschließen Politik, Ruhrkohle und Gewerkschaften die Subventionen auslaufen zu lassen.Es ist eine Errungenschaft der Gewerkschaft. Den damals noch 33.000 Bergleuten wird zugesagt dass es keine Kündigungen gibt. Schließt eine Zeche, wechseln die Kumpel auf eine andere Anlage - so lange, bis sie mit 49 Jahren in Vorruhestand gehen können. Insgesamt, so rechnet man damals aus, sind dafür genau elf Jahre und weitere 15 Milliarden Euro nötig. Und so kommt man auf das Jahr 2018.