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Ablehnen oder annehmen? Frist im VW-Vergleich läuft | BR24

© BR/Tobias Brunner

Nach der Musterfeststellungsklage gegen VW können Betroffene nun über einen Vergleich entscheiden: Bis zu 6.257 Euro beträgt die Entschädigung. Vielen ist das zu wenig, sie werden das Angebot aber wohl trotzdem annehmen - um endlich Ruhe zu haben.

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Ablehnen oder annehmen? Frist im VW-Vergleich läuft

Nach der Musterfeststellungsklage gegen VW können Betroffene nun über einen Vergleich entscheiden: Bis zu 6.257 Euro beträgt die Entschädigung. Vielen ist das zu wenig, sie werden das Angebot aber wohl trotzdem annehmen - um endlich Ruhe zu haben.

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Wenn Birgit Geiger vor ihre Haustür ging, konnte sie dort jahrzehntelang vor allem Autos einer Marke sehen: die von Volkswagen. "Für uns gab es immer nur den VW-Konzern", erzählt die 57-Jährige. "Aber dann haben sie uns das Kraut ausgeschüttet." Und deshalb sind bis auf ein Fahrzeug inzwischen alle VWs verkauft.

Was Birgit Geiger meint, ist der Dieselskandal – und besonders der Umgang von VW mit Kunden, die durch die manipulierte Abgasreinigung geschädigt wurden. Die Putzbrunnerin hat sich deshalb vergangenes Jahr der Musterfeststellungsklage des Verbraucherzentrale Bundesverband angeschlossen (vzbv). Seit dem 20. März liegt ihr - wie allen anderen Beteiligten - das Angebot vor, das vzbv und VW in einem Vergleich ausgehandelt haben.

VW rechnet mit insgesamt 830 Millionen Euro für Vergleich

2.874 Euro Entschädigung würde Geiger für ihren acht Jahre alten Audi A3 noch bekommen – für sie "ein Witz". Insgesamt bietet der Autokonzern den Kunden je nach Modell und Alter zwischen 1.350 und 6.257 Euro an. Die Gesamtsumme soll sich auf rund 830 Millionen Euro belaufen.

Für den Diesel-Vergleich hat VW eine eigene Website eingerichtet, auf der Betroffene ihre individuelle Summe erfahren. Von den etwa 260.000 Berechtigten haben sich laut dem Unternehmen dort bislang etwa 200.000 registriert. Das bedeutet aber noch nicht, dass alle das Angebot auch annehmen werden. Bis zum 20. April haben sie noch Zeit, um sich zu entscheiden.

Vergleich abgelehnt? Eigene Klage gegen VW ist möglich

Auch Birgit Geiger ist noch unentschlossen. Einerseits würde sie gerne eine größere Entschädigung bekommen. Aber: "Ich möchte mittlerweile auch einfach meine Ruhe von VW haben."

Falls sie sich gegen den Vergleich entscheidet, könnte sie selbst noch einmal vor Gericht ziehen, eine Rechtsschutzversicherung dafür hätte sie inzwischen. Innerhalb von sechs Monaten müsste sie das Verfahren auf den Weg bringen, danach sind alle Wege erschöpft.

Lohnt sich eine eigene Klage gegen Volkswagen?

Interessant für alle künftigen Kläger dürfte sein, wie der Bundesgerichtshof (BGH) in den kommenden Monaten urteilt. Gleich vier Verfahren stehen dort kurz vor dem Abschluss – und ein höchstrichterliches Urteil fehlt bisher immer noch im Dieselskandal. Liegt dieses vor, werden sich wohl in Zukunft viele Gerichte daran orientieren.

"Allerdings weiß niemand, welche Linie der BGH vorgeben wird", sagt Markus Schäpe, Chef-Jurist des ADAC. Für die Geschädigten ist es also gerade wie ein Pokerspiel: Lohnt es sich, ein eigenes Verfahren anzustoßen oder fährt man am Ende mit dem Vergleich doch besser? Das Dilemma: Die BGH-Urteile fallen alle erst nach dem Ende der Vergleichsfrist.

Von vielen Betroffenen ist zu hören, dass sie das Angebot wohl zähneknirschend annehmen werden. Für Birgit Geiger ist klar: Einen Wagen aus dem Volkswagen-Konzern wird sie sich bestimmt nicht mehr kaufen.

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