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Christian Wiedenmann steht neben seinem VW Tiguan
© BR/Andreas Wenleder
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Christian Wiedenmann steht neben seinem VW Tiguan

Christian Wiedenmann öffnet seine Garage im Regensburger Stadtteil Stadtamhof. Durch das offene Garagentor sind die Umrisse eines Geländewagens zu sehen. Abgedeckt mit einer dunkelblauen Plane. Darunter ein nagelneuer VW Tiguan. Ein Auto bei dem Wiedenmann noch immer ins Schwärmen kommt.

"Ich war begeistert. So ein Auto mit über 180 PS, 5,5 Liter - das ist ein Traum. Ich würde es auch heute noch nutzen."

Doch gefahren ist er mit dem VW fast überhaupt nicht. Seit dem Bekanntwerden des Abgasskandals steht der Tiguan. Seinen VW-Händler hat er verklagt. Das Auto will er zurückgeben, den Kaufpreis will er dafür aber auch zurück. Für die gefahrenen 4.600 Kilometer würde er sogar einen Abzug akzeptieren.

"Ich nutze es nicht. Und ich werde es auch weiterhin nicht nutzen, bis ich vor Gericht zu meinem Recht komme und das Auto an VW zurückgeben darf. Und wenn es noch drei oder vier Jahre dauert. Das ist mir egal."

Lange Wartezeit bis zum Gerichtstermin

Lange musste Wiedenmann mit seiner Klage auf einen Gerichtstermin warten. Letzte Woche - nach Monaten - war es dann soweit. Doch vor dem Regensburger Landgericht musste der KfZ-Sachverständige einen Rückschlag hinnehmen. Der Richter lies in der Verhandlung klar durchblicken, dass er die Klage des Regensburgers abweisen wird.

Zwei Drittel der Gerichtsentscheidungen für Kläger

Die Begründung überzeugt Wiedenmanns Anwalt nicht. Insgesamt rund zehn Kunden vertritt Gernot Brammer derzeit, die gegen VW und Händler des Konzerns geklagt haben. Er will den Fall in die nächste Instanz bringen und das Urteil so nicht akzeptieren.

"Das Urteil liegt noch nicht vor. Wir werden unabhängig davon auch in Berufung gehen, weil ich das Urteil für absolut falsch halte. Der Richter hat es ja praktisch schon begründet in der mündlichen Verhandlung.

Brammer werde für Wiedenmann auch die Klage gegen VW direkt erheben. Der Optimismus könnte berechtigt sein, denn oft bekommen vor Gericht die Kunden recht. Der ADAC listet auf seiner Website eine Übersicht über Klagen gegen VW und seine Händler auf. Zwei Drittel der Gerichtsentscheidungen gaben den Autokäufern recht. Nur in einem Drittel der aufgezählten Fälle siegte der Konzern und die Händler. Wiedenmann will deshalb weiterkämpfen. Ein Software-Update ist für den KfZ-Sachverständigen jedenfalls keine Alternative.

"Wenn man sich das durchliest: Der Einspritzdruck wird um zehn Prozent erhöht. Ich erkläre jedem Laien: Nimm einen Gartenschlauch, lasse hundert Liter Wasser in der Minute durch und dann erhöhe es um zehn Prozent. Über kurz oder lange zerreißt der Schlauch und dann geht etwas kaputt."

KfZ-Zulassung wird entzogen

Da er das Softwareupdate nicht aufspielen lassen will, wird sein VW bald die Zulassung verlieren. In wenigen Tagen läuft eine Frist der Stadt Regensburg aus. Dann wird Wiedenmann, wie rund zehn anderen Kunden des VW-Konzerns, die Zulassung entzogen. Wiedemann wird die Frist verstreichen lassen. Das Auto fährt er eh nicht mehr. Aufgeben wird er auch deshalb nicht.

"Und wenn es das Letzte ist was ich tue. Ich ziehe das durch!"