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70 Jahre Adidas: Ein Stück Wirtschaftsgeschichte | BR24

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Adidas feiert 70-jähriges Firmenbestehen.

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70 Jahre Adidas: Ein Stück Wirtschaftsgeschichte

Von Tüfteleien in einer Waschküche in Herzogenaurach zum Weltunternehmen: Adidas feiert 70 Jahre Firmenbestehen und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die nicht immer nur von Erfolgen geprägt war.

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In den Anfängen betritt die Firma der Dassler-Brüder Adolf und Rudolf 1924 den Markt noch unter dem Namen „Gebrüder Dassler Schuhfabrik“. Adi tüftelt Tag ein Tag aus - zunächst in der heimischen Waschküche - an neuen Schuhprodukten für Profisportler und sucht den Kontakt zu erfolgreichen Athleten.

Die Gefahren für Adi Dassler im Dritten Reich

„Jedem Athleten das bestmögliche Produkt für seinen Sport bieten.“ Das ist von Beginn an die Philosophie Adi Dasslers. Um diese zu vertreten, pflegt er stets einen engen Kontakt zu vielen Top-Athleten. So auch zum afro-amerikanischen Leichtathleten Jesse Owens, der 1936 mit Dasslers Schuhwerk vier Goldmedaillen bei den Olympischen Sommerspielen in Berlin gewinnt - vor den Augen Adolf Hitlers. Das ist zwar zum einen ein großer Erfolg für Dassler und seinen neuen, mit Spikes versehenen Schuh. Auf der anderen Seite geht der Unternehmer gleichzeitig ein großes Risiko ein, einen schwarzen Sportler zu Zeiten des Dritten Reichs sportlich auszustatten und so zu dessen Sieg beizutragen. Doch aufgrund der internationalen Bekanntheit der Marke und der NSDAP-Mitgliedschaft Dasslers, kommt die Firma noch einmal glimpflich davon.

Ein Bruderstreit mit weitreichenden Folgen

Als Rudi aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrt kommt es jedoch zum Bruderstreit. Die beiden Gründer gehen von nun an getrennte Wege. Adi gründet 1949 die „Adi Dassler adidas Schuhfabrik“, deren Kurzname "adidas" sich aus seinem Vor- und Nachnamen zusammensetzt. Sein Bruder Rudolf wird zu einem seiner größten Konkurrenten und wird mit Puma erfolgreich. Beide haben ihren Sitz im mittelfränkischen Städtchen Herzogenaurach.

Ein Wunder, das zum Durchbruch führte

Die Gründung von Adidas ist eine Art Neustart für den zu diesem Zeitpunkt 49-jährigen Innovateur Adi Dassler, der in Herzogenaurach mit 47 Mitarbeitern den Grundstein für den späteren Erfolg legt.

Ein früher Meilenstein in der Geschichte von Adidas ist gleichzeitig ein geschichtliches Großereignis in der deutschen Sporthistorie: das Wunder von Bern, 1954. Die deutsche Nationalmannschaft läuft mit Dasslers neuestem Fußballschuhmodell auf. Es ist leichter als alle anderen auf dem Markt und wartet mit einer wegweisenden Innovation auf, die heute im Fußball längst Standard ist: auswechselbare Schraubstollen, mit denen die deutschen Athleten einen besseren Halt bei schwierigen Bodenverhältnissen haben. Deutschland gewinnt letztendlich den WM-Titel. Für Adidas ein Riesen-Triumph und gleichzeitig der Durchbruch.

Wie Adidas mit "Franz Beckenbauer" Mode machte

Gestartet als Schuhfabrik, drängt Adidas in den 60er-Jahren in neue Märkte und macht den Auftakt mit seinem ersten Trainingsanzug, der den prominenten Namen "Franz Beckenbauer" trägt. Der erste Nadelstich des Herzogenauracher Unternehmens in der Bekleidungsindustrie. Es folgen weitere Sportartikel, darunter auch der WM-Fußball für das Turnier im Jahr 1970, der durch sein Design im Schwarz-Weiß-Fernsehen besser zu erkennen ist als seine Vorgänger. Seitdem stellt Adidas alle vier Jahre den WM-Ball.

Charakteristisch für die Marke Adidas sind von Beginn an bis heute die drei Streifen. Pünktlich zur Olympiade 1972 stellt der Konzern ein neues Logo vor, das bis heute eindeutigen Wiedererkennungswert hat: das Dreiblatt.

Prestige dank Profisportler

Dassler pflegt weiterhin enge Kontakt zu Profisportlern, die er geschickt als Markenbotschafter für Adidas einsetzt. Von der argentinischen Nationalmannschaft über Kunstturnerin Nadia Comaneci bis hin zu Bergsteiger-Legende Reinhold Messner schenken ihm Top-Athleten aus der ganzen Welt ihr Vertrauen und feiern große Erfolge.

Seiner Zeit voraus: der technologische Vorbote von Adidas

1978 stirbt Adi Dassler. Sein Erbe übernehmen Frau Käthe und Sohn Horst, die weiter an immer neuen Innovationen für die Sportwelt arbeiten. So ist der „Micropacer“ 1984 ein technologischer Vorbote für Sportarmbänder und Co.: Der Schuh enthält einen Mini-Computer, der Sportler mit diversen Leistungsdaten versorgt.

"my adidas": neue Wege dank US-Hip Hop

Prägend für die weitere Entwicklung von Adidas ist das Jahr 1986. Die US-Hip-Hopper von „Run DMC“ verhelfen der Marke mit ihrem Song „my adidas“ zu noch einmal mehr Beliebtheit. Daraufhin gehen Adidas und die Musiker eine Kooperation ein. Ab diesem Zeitpunkt spielt Streetfashion eine wesentliche Rolle im Herzogenauracher Unternehmenskurs. Die Zusammenarbeit des Konzerns mit den Künstlern ist der Startschuss für zahlreiche weitere Gemeinschaftsprojekte mit weltbekannten Musikern und Entertainern.

Krise in den 90ern: das Aus für Adidas?

Als 1987 Horst Dassler überraschend stirbt, gerät das Unternehmen zusehends ins Straucheln. Wechselnde Geschäftsführungen schreiben rote Zahlen und sorgen für Rekordverluste. Die Firma steht kurz vor dem Ruin. 1993 sorgt der neue Geschäftsführer Robert Louis-Dreyfus für die schier unmöglich scheinende Kehrtwende. Er stellt den Fokus von Adidas neu ein: weg vom Vertrieb, hin zum Marketing-Unternehmen. Zwei Jahre später folgt der Gang an die Börse.

Adidas bekennt sich mit "World of Sports" zu seinen Wurzeln

Mit dem neuen Hauptsitz „World of Sports“ bleibt Adidas 1998 seinen Wurzeln treu und verbleibt am Standort Herzogenaurach. Anfang der 2000er-Jahre gibt es einen neuen Mann an der Führungsspitze: Herbert Hainer wird neuer CEO und setzt noch mehr auf Innovation. Es folgen Umsatzrekorde.

"Creating the New": Adidas verfolgt Fünfjahresplan

Seit 2015 verfolgt das Unternehmen den Fünfjahresplan "Creating the New". Im Rahmen dieses Plans will sich der Konzern seinen Kunden weiter annähern. Nach 15 Jahren im Amt, wird Geschäftsführer Hainer 2016 vom Dänen Kasper Rorsted abgelöst. Die drei Eckpfeiler der strategischen Ausrichtung, die auch der neue Mann an der Adidas-Spitze vorantreibt, sind "Schnelligkeit", "Städte" und "Open Source". Entscheidungsprozesse sollen demnach schnell vorangetrieben werden. Als besonders wichtig wurden zudem die Städte New York, Los Angeles, Schanghai, Tokio, London und Paris eingestuft.

Außerdem will Adidas laut eigener Aussage das erste Sportartikelunternehmen sein, das Sportler, Konsumenten und Partner dazu einlädt, Teil seiner Marken zu sein. Der Fokus soll auch in den nächsten Jahren auf den Kernkompetenzen Schuhe und Bekleidung liegen.

© BR

Heute feiert das von Adolf Dassler gegründete Weltunternehmen Adidas seinen 70. Geburtstag.