BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

6 von 5 Sternen: Wie Fake-Tests den Verbraucher täuschen | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst | Andrea Warnecke

Positive Kundenrezension für einen Schuh; Berlin auf einer Website eines Bekleidungsanbieters.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

6 von 5 Sternen: Wie Fake-Tests den Verbraucher täuschen

Für Verbraucher ist es sehr schwer zu erkennen, ob Produkt-Bewertungen im Internet echt oder gefälscht sind. Viele Online-Händler bieten Produkte als getestet an, doch das ist selten der Fall. Verbraucherzentralen gehen nun gerichtlich dagegen vor.

Per Mail sharen
Von
  • Walter Kittel
  • Jörn Sawatzki

Unabhängige Produktinformation, objektive Verbraucherberatung oder neutrale Verkaufsberatung ... mit solchen Versprechen werben Testseiten im Internet. Dabei finden wirkliche Tests oft gar nicht statt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband ist dagegen bereits gerichtlich erfolgreich vorgegangen. Demnach dürfen Produktvergleiche nicht mehr als Tests ausgegeben werden, wenn die bewerteten Produkte gar nicht einzeln geprüft wurden.

Es funktioniert ganz einfach: wer eine beliebige Testseite im Internet anklickt, findet dort Unmengen an Elektronik- oder Haushaltsartikeln, die angeblich getestet wurden. Von Smartphones bis zu Akkuschraubern. Marken, Preise und Bewertungen sind übersichtlich aufgelistet. Ganz oben stehen die Artikel mit den besten Noten. Doch Orientierung entsteht damit nur scheinbar, kritisiert Kerstin Hoppe vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Gute Testergebnisse dank Algorithmen

Der Verband hat viele Seiten abgemahnt, weil der Verbraucher tatsächlich in die Irre geführt wird. So werden Produkte als getestet deklariert, doch wenn man auf der Seite weitersucht, wird darauf verwiesen, dass die Produkte gar nicht in die Hand genommen wurden. Stattdessen hat man im Internet recherchiert und die Ergebnisse beruhen auf Herstellerangaben, erklärt Hoppe.

Einige Testseiten berufen sich auf mathematische Algorithmen und die Auswertung von Kundenmeinungen sowie Kundenbewertungen. Manche Testseiten geben an, sie würden Produkte ähnlich wie die Stiftung Warentest tatsächlich prüfen.

"Wir können mit unseren Abmahnungen eigentlich immer nur für mehr Transparenz sorgen. Das ist ja hier schon der Fall, dass Online-Händler nicht mehr sagen, wir sind die Stiftung Warentest und testen die Produkte. Sondern es ist die neue Art Warentest. Und da kann der Verbraucher ja auch mal nachschauen, was darunter zu verstehen ist." Kerstin Hoppe

Aufgeklärte Verbraucher sollten wissen, dass es den meisten Testseiten nur um eine Verkaufsmasche und Werbung für bestimmte Produkte geht. Die Verantwortlichen sind oft nicht greifbar.

Das Mittel der Abmahnung stößt aber auf Grenzen. Wenn verantwortliche Anbieter ins Ausland wie auf die Seychellen verschwinden, läuft eine Abmahnung größtenteils ins Leere. Oder untergetauchte Online-Händler geben Unterlassungserklärungen ab oder lassen sich in langwierigen Verfahren verklagen. Nichtsdestotrotz lassen sich die Verbraucherzentralen nicht von ihrem Ziel abbringen.

Bis zu 150.000 Euro - echte Testarbeit hat ihren Preis

Ärgerlich sind die vermeintlichen Testseiten auch für die Stiftung Warentest. Denn an deren Erfolg versuchen sie anzuknüpfen: Mit der Vergabe von Noten, die Nachkommastellen enthalten und Bezeichnungen wie "sehr gut" oder "befriedigend". Doch oft sind das nur leere Worthülsen. Wirkliche Tests erfordern einen erheblichen Aufwand, den sich unseriöse Anbieter einfach sparen, erklärt Heike van Laak von der Stiftung Warentest.

"Man muss sich einfach vor Augen halten, dass seriöse Testarbeit einfach teuer ist. Uns kostet ein Test im Schnitt 50.000 Euro. Das kann aber auch schon mal hoch gehen bis zu 150.000 Euro. Und das muss natürlich refinanziert werden, gerade, wenn man wie wir anzeigenfrei ist. Und das Geld, das die Verbraucher bezahlen, wird dann wieder genommen, um neue Tests zu machen. Wir sind ja gemeinnützig und dürfen hier keinen Gewinn anhäufen." Heike van Laak, Stiftung Warentest

Testergebnisse nur aus Kundenbewertungen im Internet zu beziehen, ist auch deshalb unseriös, weil solche Bewertungen gekauft werden können. Die Stiftung Warentest hat sich angesehen, wie einfach es ist, Bewertungen zu kaufen. Zehn Euro kann eine einzige Bewertung kosten, zehn Bewertungen 99 Euro. Aus diesem Geschäftsmodell schlagen viele Agenturen, die sich genau darauf spezialisiert haben, Profit.

Mit getarnten Mitarbeitern gegen den Test-Schwindel

Es kann vorkommen, dass Testergebnisse verfälscht und geschönt werden, um bestimmten Herstellern und Produkten einen Vorteil und besseren Absatz zu ermöglichen. Das haben getarnte Mitarbeiter der Stiftung Warentest feststellen müssen, die von solchen Agenturen extra dafür engagiert wurden.

So berichten getarnte Tester, dass sie in einem Fall nur ein Foto eines Produkts als Vorlage bekommen hatten. Damit sollten sie es dann bewerten. In einem anderen Fall sollten sie sich ein Produkt einfach nur vorstellen und dazu eine Rezension schreiben. In sehr vielen Fällen wurden sie aufgefordert, das mit mindestens vier oder fünf Sternen zu tun.

Verbraucher sollten wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie beliebigen Testergebnissen vertrauen. Um auf keine Fake-Bewertungen rein zu fallen, raten Experten dazu, auf mögliche Hinweise wie übertriebene Sprache und wiederkehrende Muster zu achten. Verbraucher und Kunden sollten möglichst viele verschiedene Bewertungen lesen und sich aufmerksam mit den Hinweisen befassen, die manche Portale über die Verfasser der einzelnen Bewertungen machen. Auch sollten Verbraucher mehrere Portale vergleichen, genau lesen und sich nicht nur an den Sternchen-Bewertungen orientieren.

© Walter Kittel, BR

Vorsicht vor falschen Produkttests

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!