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50 Millionen in 30 Tagen - Geld einsammeln für ein Elektroauto | BR24

© Regina Kirschner/BR

Sono Motors braucht Kapital für das erste "solar-elektrische" Auto

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50 Millionen in 30 Tagen - Geld einsammeln für ein Elektroauto

Sono Motors will sein Elektroauto Sion per Crowdfunding finanzieren. Immer wieder greifen Start-Ups auf diese Art der Finanzierung zurück, statt auf große Investoren zu setzen. Die Münchner brauchen allerdings die 50 Millionen schon bis Jahresende.

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50 Millionen Euro bis Jahresende: Darum bittet das Münchner Startup Sono Motors die Community – per Crowdfunding, auch Schwarmfinanzierung genannt. Die Firma braucht das Geld für ihr Solar-Elektro-Auto Sion, das 2021 vom Band rollen soll. Mit 25.000 Euro sollen die Kunden in Vorleistung gehen. Sonst sei der Sion, in Gefahr, sagen die Firmengründer Laurin Hahn und Jona Christians. Immerhin handele es sich um das “erste solar-elektrische Auto“, das sich in der Sonne selbst auflade,

Crowdfunding: Im Insolvenzfall droht Sono Motors der Totalverlust

Das Risiko für die Kunden sei zunächst gering, versichert Sono Motors. Erst wenn das 50 Millionen-Euro-Ziel bis Jahresende erreicht wird, wird das Geld auch abgerufen.

Wer dann tatsächlich 25.000 Euro vorab für das Elektroauto bezahlen will, sollte sich das aber gut überlegen, rät Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern. Denn: Im schlimmsten Fall, im Insolvenzfall, könne das komplette Geld weg sein:

"Sie finanzieren ja das Produkt, das es noch nicht gibt, vor. Und wenn das Projekt scheitert - im Insolvenzfall - dann werden Sie als Gläubiger zwar versuchen ihr Geld zurückzubekommen. Die Chancen sind dann aber gering." Sascha Straub, Verbraucherzentrale Bayern

Verbraucherzentrale: Keine vorschnellen Entscheidungen

Verbraucherexperte Straub rät den Kunden, mit Herz und Verstand zu entscheiden und sich zu fragen: "Überwiegt für mich der Gedanke: Ja, ich möchte, dass es dieses Produkt gibt und ich möchte an dieser Idee teilhaben?" Dann müsse man sich aber auch eines gewissen Risikos bewusst sein.

Wichtig ist laut Verbraucherzentrale daher, genau zu überprüfen:

1. Glaube ich an die Projektidee? Kann das funktionieren?

2. Überzeugen mich die Gründer? Stehen sie wirklich hinter der Sache und sind vertrauenswürdig? Und:

3. Kann ich zur Not auf das Geld verzichten?

Wenn nicht, sollte man lieber die Finger davon lassen, sagt Finanzexperte Straub.

Kredite für Startups: Banken in der Pflicht

Grundsätzlich sieht Straub die Banken in der Pflicht. Die müssten eine gründerfreundlichere Geschäftspolitik betreiben. Schließlich hätten sie gute Möglichkeiten, günstige Kredite zu vergeben. Trotzdem ist die Kreditquote in Deutschland immer noch zu niedrig, kritisiert Straub. Die Folge: Startups haben es trotz vieler Förderprogramme weiterhin schwer hierzulande. "Ein Armutszeugnis für die Banken", findet Straub.

Acht von zehn Startups scheitern

Das Problem: Investitionen in Startups sind risikoreich, so Finanzexperte Peter Barkow vom Analysehaus Barkow: "Startups haben in der Regel noch kein fertiges Produkt, kein festes Team, keine Kunden und noch keinen Umsatz. Entsprechend hoch ist natürlich das Ausfallrisiko." Im Schnitt scheitern acht von zehn Startups, belegen Statistiken.

Dennoch habe sich die Situation für junge Firmen in den vergangenen Jahren verbessert, meint Barkow. Es gebe immer mehr Finanzinvestoren, die sich für Startups interessieren. Wenn es um hohe Summen geht, sind deutsche Investoren allerdings dünn gesät, sagt der Finanzexperte. Mehr Chancen hätten die Startups dann bei großen, internationalen Investoren.

Sono Motors: Crowdfunding-Kampagne als letzte Chance?

Das hat auch die Münchner Firma Sono Motors so erlebt. Einige internationale Investoren seien an der Produktion des Solar-Autos Sion durchaus interessiert gewesen, erklären die Firmengründer Laurin Hahn und Jona Christians. Allerdings seien die ausländischen Geldgeber nur an schnellen Gewinnen interessiert gewesen und daran, das Patent zu klauen. Es bleibe daher nun die Crowdfunding-Kampagne als letzte Chance, erklärt Sono Motors. Aber 50 Millionen in nur 30 Tagen? Das hat bisher keine Kampagne geschafft, sagt Finanzexperte Peter Barkow.

"Also Crowdfunding für Startups sind in Deutschland in der Regel unter eine Million. 50 Millionen sind ungewöhnlich und bislang wahrscheinlich einmalig." Peter Barkow, Finanzexperte

Und selbst, wenn die 50 Millionen Euro bis zum Jahresende zusammenkommen, ist das noch keine Garantie für die Serienreife des Sion. Insgesamt braucht die Firma nach eigenen Angaben nicht nur 50, sondern 250 Millionen Euro. Die Gründer wollen daher weiter nach vertrauenswürdigen Investoren suchen, damit Anfang 2022, wie geplant, die ersten Elektroautos an die Kunden ausgeliefert werden können.