Für viele ist es das erste Traumauto im Leben und sein Anblick lässt bei Erwachsenen Erinnerungen an die Kindheit aufleben: das Bobby Car.

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50 Jahre Bobby Car: Ein Rutschauto für Generationen

50 Jahre Bobby Car: Ein Rutschauto für Generationen

Am 2. Februar 1972 ist das Bobby Car erstmals vorgestellt worden. Damals ahnte noch keiner, wie die Erfindung eines Fürther Spieleherstellers die Kinderwelt erobern würde. Im Gegenteil: Viele fanden das Bobby Car ganz schön hässlich.

Für viele ist es das erste Auto ihres Lebens auf dem man sich den Ruhm auf 4 Rädern erkämpfen kann. Zunächst, sitzend, später kniend und als Erwachsener liegend, das Bobby – Car begeistert heute millionenfach klein und groß. Doch dieser Ruhm war ihm nicht von Anfang an in die Wiege gelegt worden.

Erst ein hässliches Entlein

Vorgestellt wurde das neue Kinderutschauto 1972 auf der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg. Erfunden hatte es in der Nachbarstadt Fürth der Spielwarenhersteller Ernst Bettag. Seine Firma hieß BIG und so bekam auch das neue Spielzeug einen englischen Namen: "Bobby Car", was übersetzt auf Deutsch etwa "wippendes Auto" heißt.

Der englische Name war bewusst für eine internationale Karriere gewählt worden, denn für Kleinkinder gab es damals lediglich Dreiräder. Die Idee für diesen ersten fahrbaren Untersatz für Kleinkinder setzte der fränkische Holzbildhauer Christian Meyer in die Tat um. Doch der erhoffte Erfolg blieb zunächst aus. Das Bobby Car sah aus wie ein Oldtimer und begeisterte kaum. Selbst Firmenchef Ernst Bettag bezeichnete es als ein "hässliches Entlein".

Doch dann überzeugte die Ergonomie

Das Bobby Car ist der erste fahrbare Untersatz eines Kleinkindes, oft das ideale Geschenk zum ersten Geburtstag. In der Signalfarbe rot begeistert es natürlich die Kinder. Doch es ist die ergonomische Funktionalität, die ihm zum Durchbruch verhalf. Bobby Car fahren dient der Ausbildung der richtigen Körperhaltung. Es beeinflusst das Wachstum und vor allem die Entwicklung der Kindergelenke positiv. Das wurde schon in den 90er-Jahren wissenschaftlich bewiesen. Zahlreiche Kindergärten wurden zu Studienzwecken mit Bobby Cars ausgestattet. Therapeutisch eingesetzt wird es bei Hüftgelenksluxationen. Früher mussten Kinder oft Spreizhosen tragen.

Schon immer Made in Germany

Produziert wurde der kleine Flitzer von Anfang an vom Spielwarenhersteller BIG in Fürth. Doch ein Großbrand 1998 zerstörte das Werk. Danach wurde ein neuer Produktionsstandort im Burghaslach oberhalb der Autobahn A3, auf halber Strecke zwischen Würzburg und Nürnberg, aufgebaut. Hier produzieren die etwa 140 Mitarbeiter täglich immer noch 2.000 Bobby Cars. Mittlerweile hat es sich mehr als 20 Millionen mal verkauft.

Inzwischen nicht nur den Klassiker, sondern auch mehr als 100 Sondermodelle – manche sogar von Stardesignern "getunt". An der Karosserie darf jedoch nichts verändert werden. Hergestellt wird sie aus 1,5 Kilogramm thermoplastischem Kunststoff. Das rote Polyethylen–Granulat wird mittels heißer Luft weich und so in Form geblasen. Dies ermöglicht immer eine gleichbleibende, erstklassige Qualität. Kunststoffreste aus diesem Produktionsprozess werden recycelt und zu Rädern verarbeitet. Inzwischen vor allem geräuscharme, denn Flüsterreifen war für viele Fans ein lang ersehnter Wunsch.

Ein Bobby Car für jedes Alter

Wer als Kind ein Bobby Car hatte, vergisst es auch als Erwachsener nicht. Als Jugendlicher kniet man drauf und erobert sich dem Ruhm auf 4 Rädern. Als Erwachsener liegt man meist drauf und rast damit auf unzähligen Meisterschaften um die Wette, sogar auf einer Weltmeisterschaft. Der kleine Flitzer erreicht bergab ohne Antrieb bis zu 80 Kilometer pro Stunde. Der Weltrekord mit einem umgebautem Bobby Car liegt bei Tempo 119. Gebremst wird aber immer wie beim Original mit den Füssen. Deshalb tragen die Rennprofis meist Schuhe, deren Sohlen aus Autoreifen bestehen.

Heute im Olymp der deutschen Marken

Das Bobby – Car genießt heute Kultstatus und ist das Synonym für Kinderrutschauto. Ähnlich wie Tesa, Tempo oder Uhu hat es sich einen festen Platz im deutschen Olymp der Markennamen erobert. Es sei, so heißt es oft, der Ferrari unter den Spielzeugen. Deshalb hat sogar die Automobilindustrie dem Bobby Car zum 50. Geburtstag gratuliert. Ziemlich neidvoll, heißt es in den Kommentaren der Sozialen Netzwerke, denn der kleine Flitzer ist anders als viele Große absolut emissionslos und damit ziemlich klimafreundlich.

Vor 50 Jahren wurde das Bobby Car auf der Spielwarenmesse erstmals vorgestellt. Damals konnte keiner ahnen, wie erfolgreich es werden würde.

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