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25.000 Kirchenmitarbeiter bangen um Zusatz-Rente | BR24

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Die Pensionskasse der Caritas hat sich verkalkuliert. (Symbolbild)

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25.000 Kirchenmitarbeiter bangen um Zusatz-Rente

Niedrige Zinsen und steigende Lebenserwartung können die Finanz-Kalkultation von Renten-Versicherern durcheinanderbringen. Nun bangen rund 25.000 kirchliche Mitarbeiter um ihre Zusatz-Rente, denn die Pensionskasse der Caritas hat sich verkalkuliert.

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Es ist nicht gut gelaufen in den vergangenen Jahren für die Pensionskasse der Caritas – eine Zusatzversicherung für kirchliche Mitarbeiter. Am Ende belief sich das Minus im Geschäftsjahr 2017 auf 123 Millionen Euro. Schuld seien das seit Jahren niedrige Zinsniveau, aber auch die steigende Lebenserwartung, die man nicht ausreichend berücksichtigt habe, teilt die Versicherung schriftlich mit: Außerdem seien Fehler in der Tarifkalkulation gemacht worden.

Kritik: "Sehr risikoreiche Anlagen gemacht"

Für Erich Sczepanski, der bei der Gewerkschaft Verdi ehrenamtlich die Belange kirchlicher Mitarbeiter vertritt, ist die Situation aber nicht allein mit Rechenfehlern zu erklären: "Selbst wenn man von niedrigen Zinssätzen ausgeht: Bei einem Minusgeschäft von über drei Prozent Verlust hat man sehr risikoreiche Anlagen gemacht, und das ist mit der Verwaltung von Treuhandgeldern nicht vereinbar."

Der Gewerkschafter ist überzeugt, dass hier auf mehreren Ebenen geschlampt wurde. Dazu kommen die Besonderheiten eines kirchlichen Unternehmens: Der Aufsichtsrat der kirchlichen Versicherung etwa sei nicht mit Finanz- oder Anlageexperten besetzt worden, sondern mit Theologen, Sozialpädagogen oder gar Drogenberatern, sagt Sczepanski und fügt hinzu: "Ob der wirklich geeignet ist, komplexe Anlagestrategien zu durchschauen, wage ich zu bezweifeln."

Rund ein Drittel weniger Zusatzrente

Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat der Caritas-Pensionskasse bereits vor einem Jahr verboten, neue Verträge abzuschließen. Mitte Mai hat die Vertreterversammlung ein Sanierungskonzept beschlossen. Versicherte, die bereits im Ruhestand sind, bekommen ab dem 1. Januar 2020 bis zu einem Drittel weniger Zusatzrente, schätzt der kirchliche Rentenexperte Andreas Jaster.

Die Kürzungen wirken sich aber auch auf die Arbeitgeber aus, sagt Jaster: "Wir haben ein sogenanntes Betriebsrentengesetz und in Paragraf 1 wird der Arbeitgeber verpflichtet, die Leistung komplett zu erbringen, wenn die Kasse oder die Versicherung, derer er sich bedient, diese Leistung nicht vollständig erbringen kann."

Auch Nonnen und Mönche betroffen

Insidern zufolge handelt es sich vor allem um kleine und kleinste kirchliche Einrichtungen: Kindergärten, Elterninitiativen, Sozialstationen, auch Kreisbildungswerke. Ob sie diese finanziellen Löcher stopfen können, ist derzeit genauso unklar, wie die Situation in den Orden. Betroffen sind auch 1.300 Ordensschwestern und -brüder.

Noch schlimmer könnte es Rentner treffen, deren Arbeitgeber heute nicht mehr existieren. Gewerkschafter Sczepanski sieht hier die Bischöfe in der Pflicht: "Wenn die Bischöfe die Vorschrift machen, ihr dürft nur bei einer Zusatzversorgungskasse Gelder anlegen, dann müssen sie auch gewährleisten, dass diese Gelder ordnungsgemäß verwaltet werden und das Geld nicht plötzlich weg ist."

Mehrere 100 Betroffene in Bayern

Insgesamt sind 25.000 aktive und ehemalige kirchliche Mitarbeiter bei der Pensionskasse der Caritas versichert. In Bayern könnten mehrere 100 Mitarbeiter kirchlicher Einrichtungen betroffen sein, schätzt der Gewerkschafter Erich Sczepanski. Und wieviel Geld ihnen künftig fehlen wird, erfahren sie erst im Juli – und zwar schriftlich, wie die Pensionskasse mitteilt.