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20 Jahre Euro – Aufbruch nach Europa? | BR24

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Heute vor 20 Jahren betrat der Euro die Bühne. Elf EU-Länder führten die Währung erstmal als Buchgeld ein, 2002 hielten die Bürger auch Banknoten und Münzen in der Hand. Viele Bundesbürger trauerten der Mark nach, andere freuten sich auf das Geld.

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20 Jahre Euro – Aufbruch nach Europa?

Eine gemeinsame Währung für elf der damals noch 15 EU-Mitgliedstaaten sollte ein sichtbares Zeichen für die Einigung Europas setzen. Doch 20 Jahre nach Gründung der Europäischen Währungsunion gibt es noch zahlreiche Baustellen.

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Am 1. Januar 1999 war klar, dass die D-Mark sehr bald Geschichte sein wird. Denn exakt am Neujahrstag vor 20 Jahren haben nach einem Jahrzehnt der Vorbereitung die elf EU-Mitgliedstaaten ihre Wechselkurse festgesetzt, eine gemeinsame Währungspolitik unter der Leitung der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen und eine neue Währung eingeführt.

Der Euro wurde gesetzliches Zahlungsmittel, zunächst als Verrechnungswährung, als sog. Buchgeld für elektronische Zahlungen genutzt, bevor er drei Jahre später, am 1. Januar 2002 schließlich als Bargeld eingeführt wurde. Die nationalen Währungen blieben zunächst neben dem Euro bestehen. Von Beginn an dabei waren Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. 2001 führte Griechenland als 12. Mitglied den Euro ein,weitere Länder kamen später hinzu. Heute ist der Euro die Währung von 19 EU-Ländern mit über 340 Millionen Bürgerinnen und Bürgern und die zweitwichtigste Währung der Welt. "Die Verwirklichung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion ist ... für uns Deutsche wie auch für die Europäer die wichtigste und bedeutendste Entscheidung seit der Wiedervereinigung Deutschlands“, warb der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) im April 1998 im Bundestag.

"Ich glaube, dass sie - auf lange Sicht - eine der wichtigsten Entscheidungen des ganzen Jahrhunderts ist.“ Helmut Kohl, Bundeskanzler 1998

Wirtschaft profitiert vom Euro

In der Tat spricht vieles für eine gemeinsame Währung. Kaum eine andere Volkswirtschaft in Europa profitiert so sehr von einem erweiterten Binnenmarkt mit seiner gemeinsamen Währung wie die Exportnation Deutschland. Knapp 40 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen in die Euro-Länder. Eine gemeinsame europäische Währung macht es für Unternehmen einfacher, billiger und sicherer, im gesamten Euro-Raum Waren zu kaufen und zu verkaufen, ohne ständig auf Wechselkurse achten zu müssen. Die Kosten für Währungsumtausch und die Absicherung von Wechselkursschwankungen fallen dabei weg, ebenso die Überweisungsgebühren. Denn die Wechselkurse wurden damals unwiderruflich fixiert: 1 Euro entsprach 1,95583 D-Mark. Die Bezeichnung "Euro“ wurde auf der Tagung des Europäischen Rates 1995 in Madrid festgelegt.

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Euroausgabe in der Bundesrepublik Deutschland/ Starterkit

Währungsschwankungen beseitigt

Der Euro hat laut EU-Kommission nicht nur die Kosten der Währungskursschwankungen innerhalb des Euro-Raumes beseitigt, sondern auch Verbraucher wie Unternehmen vor kostspieligen Ausschlägen an den Devisenmärkten geschützt, die Investitionen hemmten und wirtschaftliche Instabilität verursachten. Den Wegfall der Wechselkursrisiken und -gebühren bekommen auch Urlauber auf ihren Reisen nach Frankreich, Spanien oder Italien positiv zu spüren, denn der lästige Umtausch an den Grenzen ist durch den Euro passé und das Reisen dadurch billiger geworden.

Auch der Handel mit der übrigen Welt wurde durch eine Gemeinschaftswährung einfacher. Insgesamt werden nahezu 40 Prozent des internationalen Zahlungsverkehrs und fast die Hälfte aller Ausfuhren der EU in Euro abgewickelt. Gegenüber dem Dollar ist der Anteil des Euros bei der Abwicklung im internationalen Zahlungsverkehr in etwa gleich hoch. Eine gemeinsame Währung fördert die Transparenz und die Wettbewerbsfähigkeit des Binnenmarktes. Und ein weiterer Vorteil: Noch nie war es so einfach, in einem anderen europäischen Land zu arbeiten, zu studieren oder den Ruhestand zu verbringen.

Euro stabil

Zahllosen Unkenrufen zum Trotz ist der Euro eine stabile Währung. In den knapp 20 Jahren betrug die durchschnittliche jährliche Inflationsrate im Währungsraum 1,7 Prozent, in den D-Mark-Jahren waren es in Deutschland dagegen 2,8 Prozent. Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) Otmar Issing hält den Wunsch nach einer Rückkehr zur D-Mark denn auch für Nostalgie:

"Die entzündet sich dann am Preis für die Maß Bier beim Oktoberfest in München, und die Leute vergessen dann, dass auch zu D-Mark-Zeiten dieser Preis von Jahr zu Jahr immer angestiegen ist.“ Otmar Issing, ehem. Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB)

Nach dreijähriger Nutzungsphase als Verrechnungswährung neben den nationalen Währungen ersetzten die 12 EU-Mitgliedstaaten ihre alten Banknoten und Münzen am 1.1.2002 durch Euros. Es ist die weltweit größte Währungsumstellung aller Zeiten. Viele dürften sich noch an die sog.Starter- Kits mit Münzmischungen im Wert von 20 DM erinnern, die dem Äquivalent von 10,23 Euro entsprachen.Kurze Zeit nach der Einführung des Euros entzündete sich eine Diskussion über die die Preise. Viele hielten die Europreise für zu teuer, wurden das Gefühl nicht los, die D-Mark-Preise seien 1:1 in Euro umgerechnet worden, obwohl Statistiker eine generelle Teuerung bis heute verneinen. Die "Teuro-Debatte" war in vollem Gange, gleich im Jahr der Einführung des Euro-Bargelds wurde "Teuro" das Wort des Jahres in Deutschland.

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Mario Draghi, EZB-Präsident

Finanzkrise hinterließ ihre Spuren

Weitaus heftiger als die Teuerungsdebatte machte die Finanzkrise der Eurozone zu schaffen. 2008 begann die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise, die sich rasch auf die EU-Staaten auswirkte. Einige Länder, vor allem Zypern, Griechenland, Irland, Portugal und Spanien, wurden besonders von der globalen Krise erschüttert. Die Stabilität ihrer Volkswirtschaften geriet in Gefahr, in einer aufwendigen Aktion traf die EU Maßnahmen, um die in Bedrängnis geratenen Staaten finanziell zu unterstützen. Die Summe der Rettungspakete belief sich auf über 600 Milliarden Euro. Allein in das am höchsten verschuldete Griechenland floss mehr Geld als in alle anderen Krisenländer zusammen.

Rettungsaktion der EZB

In den Jahren darauf folgte eine Reihe wichtiger Initiativen, ein Sicherungsnetz, der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM), wurde geknüpft, um die Zahlungsfähigkeit gefährdeter Mitgliedstaaten in ähnlichen Krisensituationen zu garantieren, zusätzlich wurde die Bankenunion mit einer zentralen Bankenaufsicht in der Eurozone eingeführt. Um das Vertrauen der Märkte wiederherzustellen und die unter Druck geratenen Länder des Euroraumes zu unterstützen, kam es dann im Jahre 2012 zu einer beispiellosen Rettungsaktion der Europäischen Zentralbank (EZB). Im Juli 2012 erklärte deren Präsident Mario Draghi:

"Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir – es wird ausreichen." Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank

Die Europäische Zentralbank (EZB) kaufte Staatsanleihen überschuldeter Eurostaaten in enormen Mengen auf. Das entlastete die Staaten und die Banken in den Ländern. Es war eine Aktion, die nicht unumstritten ist und die manche Klagen von Euro- Gegnern vor dem Bundesverfassungsgericht sowie dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) nach sich zog. Doch Klagen gegen das Anleihenkaufprogramm der EZB scheiterten ebenso wie weitestgehend die Klagen gegen den Rettungsschirm (ESM) und den Fiskalpakt. Kritiker der Euro-Rettungsaktion wie der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn warnen indes vor unkalkulierbaren Risiken einer unbegrenzten Deckungszusage für Staatspapiere der Euro-Länder. Sie sehen darin ein Instrumentarium, was "diese faktisch zu Euro-Bonds machen würde“. Diese Risiken manifestierten sich in der Zentralbankgeldmenge in Höhe von 3 Billionen Euro ebenso wie in den sog. Targetforderungen der Bundesbank gegen das Eurosystem. Die EU verweist ihrerseits auf die Impulse für das Wirtschaftswachstum infolge dieser Maßnahmen:

"Diese unverzügliche Reaktion der EZB in Verbindung mit der Bereitstellung von Liquidität für die Banken, niedrigen Zinssätzen und der späteren quantitativen Lockerung durch das Anleihenkaufprogramm begünstigt das Wirtschaftswachstum im gesamten Euro-Währungsgebiet und hilft bei der Rückkehr zu einem Inflationsniveau knapp unter 2 Prozent", so die EU-Kommission.

Bis jetzt hat die EZB Anleihen für 2,65 Billionen Euro erworben. 2019 will sie keine zusätzlichen Anleihen mehr auf dem Markt kaufen.

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Bürger demonstrieren für Europa

Euro als Symbol der europäischen Einigung

Die Stabilität und das Vertrauen in den Euro konnte all dies nicht erschüttern. Derzeit befürworten 74 Prozent der Europäerinnen und Europäer eine europäische Wirtschafts- und Währungsunion mit einer einheitlichen Währung,dem Euro. Die Zustimmung ist laut EU noch nie größer gewesen.

"Der Euro ist zu einem Symbol der Einheit, der Souveränität und der Stabilität geworden", erklärte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Montag in Brüssel.

Die Unterschrift unter den Vertrag von Maastricht zur Schaffung einer europäischen Wirtschafts- und Währungsunion sei "die wichtigste Unterschrift meines Lebens“ gewesen. Viele sehen in der Einführung des Euros eine Erfolgsgeschichte. Wer am Ende Recht behält, die Euro-Befürworter oder deren Kritiker, wird sich vielleicht erst in der Zukunft erweisen. Doch eines lässt sich schon jetzt sagen: Ob das Ziel, Europa wieder auf einen Pfad von Wachstum und Wohlstand zu führen, erreicht werden kann, wird nicht zuletzt auch vom entschiedenen Handeln und dem politischen Gestaltungswillen zur Vollendung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion seitens der Mitgliedsländer abhängen.