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Das Statistische Bundesamt hat Zahlen zu den Exporten im Februar vorgelegt. Dabei zeigte sich, dass vor allem der Austritt der Briten aus der EU Exportunternehmen Probleme bereitet. Es zeichnet sich aber ab, dass die bald überwunden sein könnten.

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100 Tage Brexit: Noch eine Bremse für die deutsche Industrie

Das Statistische Bundesamt hat Zahlen zu den Exporten im Februar vorgelegt. Dabei zeigte sich, dass vor allem der Austritt der Briten aus der EU Exportunternehmen Probleme bereitet. Es zeichnet sich aber ab, dass die bald überwunden sein könnten.

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Von
  • Felix Lincke

Der Brexit ist jetzt fast 100 Tage alt, und die Auswirkungen sind nicht nur in Großbritannien zu spüren. Vor allem die deutschen Exporte leiden unter neuen bürokratischen Hürden, die es im Handel und Warenverkehr der Briten mit der EU seit Januar gibt. Ohne Brexit könnten die Exporte der deutschen Unternehmen fast schon wieder auf dem Niveau von vor der Corona-Krise sein.

Brexit ist Bremsklotz für Erholung der Wirtschaft

Der Brexit ist neben der Verschlimmerung der Corona-Krise einer der größten Bremsklötze für die Erholung der deutschen Wirtschaft. Im Inland ist die Nachfrage trotz Lockdown recht stabil. So haben die Importe im Februar wieder Vorkrisenniveau erreicht. Auch im Ausland hat das Statistische Bundesamt eine hohe Nachfrage nach Made in Germany festgestellt. So sind die Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt.

Aber die Geschäfte mit den Briten sind seit dem EU-Austritt in den ersten beiden Monaten um rund 20 Prozent eingebrochen. Die Exporte lagen deshalb insgesamt noch unter dem Stand vom Februar 2020, nach dem die Corona-Krise begann. Ökonomen erwarten aber, dass die deutsche Industrie den Brexit bald hinter sich lässt. Seit der ersten Brexit-Abstimmung von 2015 war der Handel mit Großbritannien bereits rückläufig. Erfolge auf anderen Märkten, wie in China und in den USA, haben das mehr als ausgeglichen.

Brexit-Folgen für Großbritannien noch nicht zu ermitteln

Die Folgen für die britische Wirtschaft, die in Europa zunehmen isoliert ist, kann man noch nicht abschätzen. Eine tiefe Rezession hat der Brexit dort bisher nicht ausgelöst, weil die Auswirkungen von Corona viel stärker sind als alles andere. Die Folgen wird man, Experten von Bloomberg zufolge, erst nach der Pandemie einschätzen können. Es sei zu befürchten, dass die britische Wirtschaft dann noch stärker zurückfällt gegenüber den EU-Ländern.

Schnelles Impfen hilft den Briten

Von den wichtigsten Industrienationen G7 schnitt 2020 nur Spanien schlechter ab. Großbritannien verlor im ersten Jahr der Corona-Krise sieben Prozent Wirtschaftswachstum, in Deutschland war es ein Minus von vier Prozent beim Bruttoinlandsprodukt.

Im Folgejahr 2021 könnten die Briten aber stark aufholen gegenüber den EU-Ländern. Der entscheidende Grund dafür ist eine schnelle Impfkampagne, deren Erfolg in Kontinentaleuropa immer noch auf sich warten lässt.

Gestörte Lieferketten behindern deutsche Exporte

Die deutsche Wirtschaft bleibt beim Wachstum weiter auf den Export angewiesen und ist damit besonders empfindlich für Störungen im Ausland oder bei den Lieferketten. Genau das ist im Januar und Februar passiert. Schon bevor ein Containerschiff den Suez-Kanal blockierte, gab es Engpässe wegen knapper Kapazitäten der Reedereien. Verspätete Lieferungen aus Fernost waren im Corona-Jahr 2020 bereits an der Tagesordnung.

Hinzukommt die Halbleiter-Krise, die dazu führte, dass die deutschen Autohersteller und ihre Zulieferer zum Teil gar nicht mehr mit Computerchips beliefert wurden. Solche Störungen führten im neuen Jahr dazu, dass einige Unternehmen ihre Produktion drosseln mussten, weil wichtige Bauteile fehlten.

Hohe Erwartungen an die Produktion

Das trifft sich schlecht mit den hohen Erwartungen an die Produktion, die laut ifo so hoch sind wie seit 30 Jahren nicht mehr. Im März gab es einen regelrechten Schub bei den Aufträgen. Das Münchener Institut für Wirtschaftsforschung sieht immer noch einen hohen Nachholbedarf nach dem Krisenjahr. Insbesondere die Auto- und die Elektroindustrie wollten ihre Produktion stark ausweiten. Wenn die Lieferketten besser funktionieren und die Lager wieder befüllt sind, soll diese zusätzliche Produktion starten.

Der befürchtete Rückgang des deutschen Wirtschaftswachstums im ersten Quartal soll bereits im Frühjahr wieder ausgeglichen werden. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier geht weiterhin davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr deutlich wachsen wird. Auch die negativen Auswirkungen des Brexits sollen die Unternehmen bald schon hinter sich lassen.

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