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Symbolbild Sparen

Vor zehn Jahren standen sie bei ihm noch Schlange: Bernd Jochem von der Anwaltskanzlei Rotter in München hatte über 150 erzürnte Mandanten. Zwischen 20.000 und 200.000 Euro Verlust durch die Lehman-Pleite hatten sie zu beklagen:

"Die waren außer Sicht, empört. Dass ihnen so etwas empfohlen wurde, weil sie durch die Insolvenz von Lehman überhaupt erstmal gemerkt haben, dass sie ihr komplettes Kapital verlieren können." Bernd Jochem, Rechtsanwalt

Insolvenzverfahren dauern an

Bernd Jochem ist Anwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und er hat damals viele Senioren aus dem gehobenen Mittelstand vertreten. Manche dieser Fälle dauern bis heute an – weil das Insolvenzverfahren in den USA noch immer läuft. Allerdings glaubt Jochem, dass absolut gesehen weniger als zehn Prozent der gut 50.000 betroffenen Deutschen überhaupt gehandelt haben. Dabei hätten sie tatsächlich etwas erreichen können:

"Ein Mandant tatsächlich, der 50.000 Euro investiert hatte, der hat bis heute aus dem Insolvenzverfahren in den USA tatsächlich 20.000 Dollar zurückerhalten." Bernd Jochem, Rechtsanwalt

Und trotzdem redet heute kaum noch jemand gerne über seine Verluste von damals. Jochem ist überzeugt, dass das viel mit den Schweigeverpflichtungen zu tun hat, die die Banken ihre Kunden unterschreiben lassen, sobald man sich einigt. Schließlich wollen die niemanden auf die Idee bringen, sich auch um Schadensersatz zu bemühen, erklärt er.

Schwindendes Vertrauen in die Banken

Der gemeine Sparer ist unterdessen ziemlich aufgeschmissen. Sein Vertrauen in die Banken ist dahin, die Zinsen bleiben seit Jahren niedrig und misstrauisch sollte er immer sein – egal, wie verlockend das Angebot ist. Viele sind verunsichert und lassen das Geld unter dem Kopfkissen liegen. Oder aber sie gehen in das andere Extrem, erzählt Jochem:

"Was ich festgestellt habe, ist, dass Anlagen im grauen Kapitalmarkt zugenommen haben, eben wirklich dubiose Anlagen. Wo man sagt, das ist wirklich noch schlimmer, weil es eben keine Bank ist, sondern dubiose Anbieter, die man überhaupt nicht gesehen hat." Bernd Jochem, Rechtsanwalt

Und noch eine Tendenz gibt es: Wenn die Leute investieren, dann gerne in Dinge, die tatsächlich existieren. Kein Fantasiegeld mehr, keine Fantastillionen. Lieber Wald, Immobilien oder so etwas wie Container. Dass aber auch die sich als Flop entpuppen können, das haben erst jüngst die Anleger der P&R-Container schmerzhaft erfahren müssen. Da stellte sich heraus, dass von 1,6 Millionen gelisteten Containern nur 600.000 tatsächlich existierten.

Verbraucherschützer mahnen

Da halfen auch all die rechtlichen Maßnahmen der Bundesregierung nichts. Wer sich von all dem nicht abschrecken lässt und trotzdem investieren möchte, für den hat Susanne Götz von der bayerischen Verbraucherschutzzentrale drei wertvolle Tipps:

"Erstens: Unterschreibe nie, was du nicht verstehst. Dann ist gut, wenn man zu zweit geht, nie alleine zu einer Beratung geht. Und dann ist es ja auch möglich, sich von einer unabhängigen Stelle beraten zu lassen." Susanne Götz, Verbraucherzentrale Bayern

Und das Wichtigste – davon ist Götz überzeugt – das beste Mittel zum Vermeiden finanzieller Verluste ist der Dialog. Anleger sollten sich viel mehr über ihre Geldgeschäfte austauschen. Bisher aber hat die Finanzkrise aber eher das Gegenteil bewirkt. Susanne Götz erzählt: Viele, die zu ihr kommen, schämen sich bis heute.