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1. Mai in Corona-Zeiten: Ungewohnte Arbeit auf dem Feld | BR24

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Jährlich kommen etwa 300.000 Saisonarbeiter aus dem Ausland nach Deutschland, um in der Landwirtschaft zu helfen. In diesem Jahr geht das nur in geringerem Umfang. Deshalb wollen und sollen mehr Einheimische beim Pflanzen und Ernten helfen.

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1. Mai in Corona-Zeiten: Ungewohnte Arbeit auf dem Feld

Jährlich kommen etwa 300.000 Saisonarbeiter aus dem Ausland nach Deutschland, um in der Landwirtschaft zu helfen. In diesem Jahr geht das nur in geringerem Umfang. Deshalb wollen und sollen mehr Einheimische beim Pflanzen und Ernten helfen.

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In Bayern helfen jedes Jahr rund 40.000 Menschen aus dem Ausland in der Landwirtschaft mit. Bislang sind wegen der Corona-Pandemie aber erst etwa 2.000 ausländische Saisonarbeiter im Einsatz. Ins Land gekommen sind sie unter anderem durch Charterflüge, die der Bayerische Bauernverband organisiert hat.

Saisonarbeiter fürchten Schwierigkeiten bei der Heimreise

Allerdings ist vielen der Aufwand dafür zu groß – wie zum Beispiel Tobias Merkenschlager feststellen musste. Normalerweise beschäftigt er fünf rumänische Saisonarbeiter. Doch die sind nicht gekommen. Nach der Einreise hätten sie wegen der Corona-Auflagen einige Tage in Quarantäne verbringen müssen.

Hinzu kamen weitere Unsicherheiten, die sie abgeschreckt haben: "Die wären gekommen und hätten auch die 14 Tage Quarantäne bei uns gemacht. Aber was ist dann in acht Wochen, was hat sich bis dahin geändert?". Sorgen hätten sich die Mitarbeiter vor allem über Auflagen bei der Wiedereinreise zuhause in Rumänien gemacht.

Aufwand für die Landwirte sehr groß

Aber auch für die Bauern ist die Beschäftigung von Saisonarbeitern aus dem Ausland mit einem sehr großen Aufwand verbunden, so Annette Götz, Kreisbäuerin aus Roth. Das beginne schon mit der Gesundheitshygiene bei der Abholung am Flughafen: Nur der Betriebsleiter selber dürfe dorthin kommen, dann dürften nicht zu viele im Auto sitzen und es müsse auch einen Gesundheitscheck bei der Ankunft geben. "Und dann im Betrieb selber noch die Hygieneauflagen. Das ist schon ein Wahnsinnsaufwand, ja."

In zahlreichen Betrieben fehlen deshalb nach wie vor Arbeitskräfte – mit fatalen Folgen. Wenn jetzt beispielsweise die Hopfenpflanzen nicht gejätet und an den Drähten "angeleitet" werden, droht im Herbst ein massiver Ernteausfall. Doch wer soll die Arbeit machen, fragen sich die Landwirte.

Plattform "Das Land hilft" vernetzt Jobsucher und Bauern

Anfang März haben die Maschinenringe eine Plattform freigeschaltet: Auf "Das Land hilft" kommen Arbeitssuchende und Landwirte miteinander in Kontakt. In ganz Deutschland wurden bereits 62.000 Inserate eingestellt, in Bayern schon über 12.000.

"Wir waren total überwältigt von der Resonanz aus der Bevölkerung. Also ganz ehrlich, wir sind sowas von dankbar, dass wir auch mal so viel Zuspruch von außen bekommen haben." Harald Winter, Maschinenring Roth

Winter bearbeitet die Inserate beim Maschinenring Roth. Dabei ist es ihm wichtig, dass alle Arbeitskräfte einen Arbeitsvertrag bekommen - und den Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde.

Köche, Logistiker und Brauer auf dem Feld

Vermittelt hat er beispielsweise Paul Pfeiffer, der gerade keine Arbeit hat – aber eigentlich Logistiker ist – und als solcher eher ein Büromensch. "Das hier alles ist komplettes Neuland für mich. Ehrlich gesagt der erste Job, wo ich richtig an der Luft bin. Also, es ist mal was Neues und was sehr Interessantes. Das macht mir total Spaß."

Für Pfeiffer hat die Arbeit dabei aber auch noch einen anderen Reiz. Er spart sich das Fitness-Studio.

"Es ist was Neues, etwas wo man Kraft investieren kann. Wo man ein bisschen schauen kann, dass man sich austobt und gerade in dem Fall ist es ja irgendwie total sinnvoll." Paul Pfeiffer, zum ersten Mal Saisonarbeiter.

Auch Osmar Suris hat sich freiwillig für die Arbeit gemeldet. Er ist eigentlich gelernter Koch, aber in der Gastronomie gibt es derzeit keine Jobs. "Ich bin hier gestrandet, weil ich mit meiner Frau auf Familienbesuch in Deutschland war. Derzeit leben wir in Ecuador. Aber wegen dieser ganzen Corona-Krise konnten wir leider nicht mehr zurückfliegen."

"Auf dem Feld zur Ruhe kommen"

Paul Pfeiffer und Osmar Suris arbeiten beide bei Tobias Merkenschlager in Mittelfranken. Auch dessen Nachbar in Hauslach, Andreas Auernhammer, muss in dieser Saison auf Hilfskräfte aus Deutschland zurückgreifen. Zum Beispiel Tizian Wieland und Agron Imami. Die beiden sind Brauer. Da wegen des Lockdowns aber kein Bier in den Gaststätten ausgeschenkt wird, wurde die Produktion in ihrer Brauerei stark zurückgefahren.

Die beiden sind freigestellt. Die Arbeit im Hopfengarten hat für sie fast etwas Meditatives. "Man kommt ein bissl zur Ruhe. Man kann miteinander reden. Sehr schöne Arbeit," meint Tizian Wieland. Und Agron Imami sagt: "Wenn man wirklich mal einen ruhigen Tag will, setzt man sich ins Hopfenfeld und fängt an, die Pflanzen zu zupfen und hochzuziehen und man hat die Natur um sich."

Nicht jeder eignet sich für die harte Arbeit

Aber nicht alle sind so geschickt bei der Sache wie die beiden Bierbrauer. Und nicht alle Arbeiten sind körperlich so gut zu meistern. Andreas Auernhammer kennt von seinen Landwirtskollegen auch andere Geschichten.

"Es ist wie überall, in jedem Gschäft. Es gibt auch Leute, die nach einem halben Tag wieder aufhören, nach einem Tag wieder aufhören. Aber die Masse bleibt dabei. Die Leute wollen was arbeiten, sie wollen nicht daheimhocken. Und das hilft uns jetzt schon g‘scheit." Andreas Auernhammer, Hopfenbauer aus Georgensgmünd

Landarbeit schafft Wertschätzung für Agrarprodukte

Und noch einen positiven Aspekt gibt es, wenn Arbeitnehmer aus anderen Branchen einmal auf landwirtschaftlichen Betrieben mitarbeiten, so Annette Götz, die Kreisbäuerin aus Roth. "Es schaut immer alles so leicht aus und wenn man es mal selber tut, ist es wieder ganz was Anderes. Und ich hoffe und denke auch, dass die Wertschätzung einfach auch gegenüber den produzierten Lebensmitteln, dass die einfach größer wird."

Saisonarbeit in Zeiten von Corona: Ganz ersetzen können die ungelernten einheimischen Kräfte die geübten Arbeiter aus Osteuropa nicht. Aber in dieser schwierigen Zeit kann so aus der Not trotzdem eine Tugend werden.

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