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Konfessionsloser Feiertag Welthumanistentag

Weltweit begehen heute, am 21. Juni, Atheisten und Menschen, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören, den sogenannten Welthumanistentag. Auch in Bayern ist dieser Tag ein offizieller Feiertag – zumindest für Konfessionslose.

Von: Antje Dechert

Stand: 21.06.2018

"Privatgrundstück - Be ten verboten" steht auf einem Schild an einer Garagenwand | Bild: picture-alliance/dpa Arno Burgi

Seit 1986 ist der 21. Juni ein Feiertag für Menschen, die sich an einem humanistischen Weltbild orientieren, ausgerufen von der internationalen Welthumanisten-Union. Auch in Deutschland präsentieren sich religionskritische Verbände als eine weltanschauliche Alternative zu den Religionsgemeinschaften.

Das sind unter anderem die Giordano-Bruno-Stiftung, der Bund für Geistesfreiheit und der Humanistische Verband. Organisiert sind sie in dem Koordinierungsrat säkularer Organisationen, kurz KORSO – eine Art Zentralrat oder Dachverband der organisierten Konfessionsfreien in Deutschland.

Berufung auf Humanität

Ihre eigenen Werte verorten die Säkularen Organisationen im religionskritischen Humanismus. Sie berufen sich auf den Begriff der Humanität, der etwa Ausbeutung und Rassismus kritisiert.

25 Prozent Konfessionslose in Bayern

Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland, also rund 27,5 Millionen Menschen, gehören keiner Religion an. In Bayern sind mehr als 25 Prozent konfessionsfrei. Dennoch sind nur die wenigsten in säkularen Verbänden organisiert. Laut eigener Angaben sind es deutschlandweit knapp 40.000.

Erfolgreiche Forderungen

Die Hauptforderung der 2004 gegründete Giordano-Bruno-Stiftung ist die Streichung jeglicher Staatsleistungen an die Kirchen. Nicht ohne Wirkung: So wurde der Katholikentag in Münster nur noch mit Sachleistungen und nicht mehr mit öffentlichen Geldern unterstützt.

Erfolgreich war auch der Bund für Geistesfreiheit in Bayern im Jahr 2017, als er gegen das rigorose Tanzverbot am Karfreitag klagte. Dieses darf laut Bundesverfassungsgericht jetzt in Ausnahmefällen aufgehoben werden.

Körperschaften des Öffentlichen Rechts – ganz wie die Kirchen

Die säkularen Organisationen befinden sich in einem Dilemma: Einerseits kritisieren sie kirchlichen Privilegien, doch andererseits definieren sie sich selbst als Weltanschauungsgemeinschaften.

Der humanistische Verband und der Bund für Geistesfreiheit in Bayern sind beide Körperschaften des Öffentlichen Rechts und damit den Religionsgemeinschaften per se gleichgestellt. Sie genießen dieselben Privilegien. Sie können von ihren Mitgliedern Steuern erheben. Ihre Vertreter sitzen in den Rundfunkräten Öffentlich-Rechtlicher Sender.

Der Humanistische Verband ist zudem Träger staatlich geförderter Kitas, Beratungsstellen, Pflegeeinrichtungen und Hospize. Der Verband erteilt Lebenskundeunterricht an öffentlichen Schulen und bietet, wie auch der Bund für Geistesfreiheit, weltliche Rituale wie Jugendweihen, humanistische Hochzeiten oder Trauerfeiern an.

Nur Kirchenkritik bringt keine Mitglieder

In einer religionsdistanzierten Kultur wird es wohl schwer, nur mit Kirchenkritik Mitglieder zu gewinnen. Deshalb konzentrieren sich die säkularen Organisationen inzwischen vor allem darauf, Konfessionslosigkeit zu gestalten, quasi als Berater rund um Sinn- und Lebensfragen.

Den Welthumanistentag nutzen die säkularen Organisationen und treffen sich für zwei Tage in Nürnberg zu einem Kongress, bei dem sie unter anderem über die Frage diskutieren: Welche Werte braucht Europa?


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