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Damit es in Bayern wieder summt! Was Kommunen gegen das Insektensterben tun können

Insekten, egal ob Schmetterlinge, Hummeln oder Wildbienen, finden kaum noch Nahrung bei uns. Dies bedroht auch unsere Ernte unmittelbar. Landwirte und Gartenbesitzer sollten gegensteuern, aber auch immer mehr Kommunen engagieren sich für mehr Blütenvielfalt. Worauf kommt es dabei an?

Von: Doris Fenske

Stand: 04.07.2018

Viele Insektenarten drohen zu verschwinden oder sind bereits nicht mehr da. Experten bezeichnen den Rückgang als dramatisch. Das bringt nicht nur das ökologische Gleichgewicht durcheinander, sondern bedroht auch unmittelbar unsere Ernte. Denn neben Honigbienen fehlen viele wichtige Bestäuber für Landwirtschaft und Gartenbau. Nun versuchen auch immer mehr Kommunen, durch gezielte Maßnahmen gegenzusteuern.

Landkreis Ebersberg setzt auf Wildkräuter

Noch vor ein paar Monaten waren entlang des Gehwegs am Ebersberger S-Bahnhof nur ein paar grüne unscheinbare Blättchen zu erkennen. Ob die Stadtgärtnerei es wohl versäumt hat, Unkraut zu jäten? Ganz im Gegenteil: Hier entwickelt sich eine von zahlreichen Wildblumenflächen in Ebersberg.

Und wer jetzt im Sommer an den verschiedenen Blühstreifen und -inseln in der Stadt wie auch im ganzen Landkreis entlang fährt, kann es sofort erkennen: Hier werden nicht die üblichen Stiefmütterchen oder Petunien gepflanzt, sondern heimische bunt blühende Wildkräuter. Und die geben einem Radfahrer oder Fußgänger auch entlang einer viel befahrenen Straße das Gefühl, an einer romantischen Sommer-Blumenwiese unterwegs zu sein. Der Landkreis Ebersberg hat sich der Initiative „Deutschland summt“ angeschlossen und geht selbst mit gutem Beispiel voran, wenn es darum geht, kommunale Flächen für bedrohte Insekten attraktiv zu machen.

Schotter statt nährstoffreiche Blumenerde

Dafür braucht es das richtige Know-how und das fängt schon beim Substrat an. Keine aufgedüngte Blumenerde, sondern nährstoffarmen, wasserdurchlässigen Boden. Die Stadtgärtner haben also die oberste Bodenschicht abgetragen und mit einem Sandkiesgemisch aufgefüllt. Darauf wird eine dünne Schicht sterilen Komposts ausgebracht. So wird verhindert, dass die üblichen Allerweltspflanzen wie Löwenzahn sich breit machen. Denn Wildkräuter werden leicht verdrängt und sind meist wahre Hungerkünstler, sie wachsen am besten in magerem Boden. Gesät werden ausschließlich heimische Wildpflanzen, die Samenmischungen dafür bieten spezialisierte Saatgutbetriebe an.

Blüte ist nicht gleich Blüte

Auch wenn mediterrane oder andere typische Zierpflanzen, die ursprünglich aus Amerika oder Asien stammen, mit großen auffälligen Blüten auf sich aufmerksam machen: Unsere Insekten können damit oft nichts anfangen. An heimische Pflanzen dagegen sind sie in ihrer langen Entwicklungsgeschichte perfekt angepasst. Diese liefern Nektar und Pollen - überlebenswichtige Nahrung. Viele bedrohte Insekten sind Nahrungsspezialisten, brauchen also oft eine ganz bestimmte Pflanzenart. So ist die Raupe des Heuhechel-Bläulings, eines kleinen Schmetterlings, auf den gewöhnlichen Hornklee angewiesen.

Insektenschutz gratis: Weniger mähen!

Sowohl Ebersberg wie auch etliche andere Kommunen erkennen aber noch einen wichtigen Schritt, um Insekten ganz einfach zu fördern, und der spart sogar noch Geld. In Absprache mit Bauhof und Straßenbauämtern sollen Wegränder weniger häufig gemäht werden.

Vielerorts wird das noch anders gemacht und mehrmals im Jahr gemäht oder gemulcht. Die Pflanzen kommen dann erst gar nicht zum Blühen, oder Blüten werden genau dann abgemäht, wenn sie Insektennahrung liefern. Schmetterlinge, Heuhüpfer, Wildbienen verlieren dann schlagartig Lebensraum und Nahrungshabitat. Ersatz dafür finden sie oft nicht.

Blühende Wegränder werden sträflich unterschätzt in ihrer Bedeutung für die Artenvielfalt, sagt Carl Beierkuhnlein, Professor für Biogeographie an der Universität Bayreuth und Mitglied im Biodiversitätsrat der Bayerischen Staatsregierung. Früher gab es noch bunt blühende, artenreiche Heuwiesen. Heute fast nur noch mehrfach güllegedüngte, zu früh und zu oft gemähte Biomasse-Produktionsflächen.

"Wir haben diese Artenvielfalt, die es früher in dieser Kulturlandschaft gab, weitgehend verloren. Wegränder, Feldraine, Straßenränder wären durchaus eine Möglichkeit, diese Artenvielfalt zu erhalten und im Raum, in der Landschaft miteinander zu vernetzen."

Prof. Dr. Carl Beierkuhnlein, Universität Bayreuth

Blühende Wegränder als bunte Lebenslinien

Keine Kommune ist entlang ihrer Flur- und Gemeindewege zum Mulchen verpflichtet. Nur an Autobahnen, Bundes- und Staatsstraßen muss regelmäßig gemäht werden - aus Gründen der Verkehrssicherheit.

Im oberfränkischen Markt Buttendorf im Landkreis Bamberg versucht man, auf übertriebene „Feldrandhygiene“ zu verzichten. Weniger Mähen sorgt im Ort aber auch für kontroverse Diskussionen. Die Kommune besteht auf „sauberen“ Gräben, damit bei Starkregen Wasser abfließen kann. Und die Bauern argumentieren: Wir leben nicht von blühenden Wegrändern, sondern vom Ertrag auf dem Acker. Und so werden viele Ackerrandstreifen immer noch kurz geschoren, um zu verhindern, dass Unkraut auf den angrenzenden Feldern keimt. Regelmäßig Mähen und Mulchen entspricht außerdem dem gewohnten Bild von Ordnung und Ästhetik. Einige tun sich schwer, sich davon zu verabschieden – auch wenn es um den Insektenschutz geht.

Vorbild: Stadt Bamberg

Die Kreisstadt Bamberg ist schon viel weiter beim Thema Artenvielfalt, sie setzt seit 20 Jahren ein vorbildliches Pflegekonzept um:

Kommunale Grünflächen werden gemäht statt gemulcht, das Gras landet auf dem Kompostplatz. So wird ein Düngeeffekt wie beim Mulchen verhindert. Das fördert heimische Wildpflanzen.

Gemäht wird nur ein Mal im Jahr und zwar im Herbst. Das kostet weniger als mehrfaches Mulchen, dafür kommen Pflanzen wie Ochsenzunge, Natternkopf und Sandnelke zum Blühen. Die Folge: mehr Insekten und somit auch mehr Vögel. Der Erfolg ist messbar. Der Naturschutzbeauftragte der Stadt, Dr. Jürgen Gerdes, zählt 460 verschiedene Pflanzenarten allein an Bambergs Osttangente.

Wenn Gesellschaft und Politik, aber auch Landwirte das ökologische Potenzial von Wegrändern entdecken, wäre ein wichtiger Schritt für mehr Insektenschutz einfach umzusetzen. Bayernweit kämen dafür tausende Hektar Fläche zusammen, ein gigantisches und bisher nahezu ungenutztes Netzwerk für mehr Artenvielfalt.


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Christian Kern, Donnerstag, 05.Juli, 13:18 Uhr

10. Sie haben die Aktivitäten richtig beschrieben

Lieber Naturfreund,
Du hast vieles richtig beschrieben. Jeder ist selbst aufgefordert etwas für die Insekten zu tun. Wir haben 5000 m2 Garten. Legte dieses Frühahr 2000 m2 Blühwiese an. Sensationell für Insekten und das menschliche Auge. Jeden Tag eine Freude.....
Selbst anpacken. Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine gute Dinge tun, können wir das Gesicht der Welt verändern. Hab darüber hinaus bereits 1986 2 Teiche angelegt, Bauerngarten etc. Darum verstehe und fühle ich was Sie beschreiben. Es trifft den Nagel auf den Kopf. Die Natur dankt einem alles Gute was wir für Sie tun. Da können Menschen viel davon letnen. Denn viele sind entkoppelt....Danke auch an den Bayerischen Rundfunk. Sie berichten und tun viel in diese Richtung. Sodass doch manche aufwachen und vom Mähroboter und Betongarten Abstand nehmen. Weiter so und sonnige Grüsse. Merci
Christian Kern 88138 Sigmarszell

Josef Rödl, Mittwoch, 04.Juli, 22:15 Uhr

9. Zurück zur Natur

Zum Überleben der Menschheit kann es langfristig nur einen Weg "Zurück zur Natur" geben. Hierzu gehört insbesondere die völlige Zurückdrängung aller sog. "technischen Errungenschaften" zur künstlichen Regulierung und Optimierung landwirtschaftlicher Ernten. Der heutige sog. Biotrend ist hierzu bei weitem nicht ausreichend.

Die Überlebensstrategie heißt daher nicht mehr "Bio" sondern "drastische Konsumeinschränkung" in jeder Beziehung. Dass damit auch die industrielle Wirtschaft revolutioniert werden muss ist die logische Konsequenz. Der "Wohlstand" im Jahr 2050 wird daher mit ganz anderen Kriterien gemessen werden. Ich habe zwei studierte Kinder (Dipl.-Ing.) und registriere gerade bei ihnen einen sehr hohen Trend zu meiner Zukunftsbeschreibung. Das macht mich besonders glücklich und hoffnungsvoll.

  • Antwort von Zweiflerin, Donnerstag, 05.Juli, 06:13 Uhr

    Echt, Herr Rödl?
    Nicht mehrere Smartphones, Fernseher in mehreren Zimmern, PCs für alle+, paarmal Schifahren, Flugreisen,...?
    Oder einfach bloß vegan mit viel Palmöl?

Mani, Mittwoch, 04.Juli, 21:42 Uhr

8.

Endlich das Glyphosat und andere diversen Mittelchen verbieten!

Gruber Karlheinz, Mittwoch, 04.Juli, 21:18 Uhr

7. Wie wäre es

wenn nicht nur auf die Landwirte geschimpft wird, sondern die Damen und Herren Städter mal in der Nacht das Licht auf den Straßen aus machen würden. Diese Lichtverschmutzung ist für die Insekten nichts anderes als eine Irreführung von Tag und Nacht. Nur mit dem Unterschied, daß Sie Energie verbrauchen ohne Nahrungsquellen zu finden. Und die Folge. Sie müssen Sterben. Ihre Lebensuhr wird durch das ganze Straßenlicht durcheinander gebracht. Brauchts des wirklich? diese Energieverschwendung. Ich wohne am Stadtrand und kann auf dem WC fast Zeitunglesen, weil die Stadt so hell erleuchtet ist!!! Und nein, nicht nur bei Vollmond...
Für mich ist die Lichtverschmutzung das Schlimmste. Insektizide gab es schon vor 40 Jahren, sogar noch giftigere als heute. Aber jetzt sind die Insekten weniger, wo mehr Licht in der Nacht scheint. DAS IST DER WAHRE GRUND. Nur trifft es nicht die Bauern, sondern die Damen und Herren Städter. Ätsch

Maria A., Mittwoch, 04.Juli, 21:17 Uhr

6. Wo es viele Bauerngärten gibt, herrscht noch kein Mangel...

Wenn sich alle Grundstücksbesitzer dazu aufraffen würden, in ihren Vorgärten Frühlingsblühern Raum zu geben und vielen einfach gefüllten Stauden, dazu ein Stück Wiese oder Beete mit bunten Sommerblumen pflegen, dann würde vielen vom Aussterben bedrohten Insektenarten genügend Futter geboten und die könnten sich besser vermehren. Es liegt nicht nur an der Landwirtschaft, wie gerne behauptet wird. Wer sich noch die Mühe macht, zu gärtnern, der wird mir bestätigen, dass es da überall summt und brummt. Übrigens, wer Obstbäume hat, sollte sowieso darauf achten, Hummeln gute Bedingungen zu schaffen. Diese putzigen Dickerchen mag ich besonders, die sind überaus rege, die "arbeiten" schon bei Wildbienen zu niedrigen Temperaturen.