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Nitrat im Grundwasser Ursachen und Folgen der hohen Nitratwerte

Hohe Nitratwerte sind in der Regel auf eine Überdüngung der Felder zurückzuführen. Intensive Tierhaltung und Futtermittel-Import aus Übersee verstärken das Problem. Die Ursachen und Folgen der Nitratbelastung

Von: Tobias Chmura

Stand: 08.08.2017

Nitrat in Lebensmitteln | Bild: BR / Gesundheit!

Nicht jeder Landwirt, der mit dem Güllefass auf dem Acker unterwegs ist, verunreinigt damit gleich das Grundwasser. Die Hinterlassenschaften von Rindern, Schweinen und Geflügel sind für sich genommen ein wertvoller Dünger, seit Jahrhunderten bewährt. Auch Mineraldünger, landläufig als Kunstdünger bezeichnet, hat dazu beigetragen, dass die Bauern heutzutage auf ihren Äckern hohe Erträge einfahren und Lebensmittel damit sehr günstig sind.

Richtige Dosis entscheidend

Es geht wie so oft um das richtige Maß, denn zu viel Dünger auf dem Acker nützt den Pflanzen nichts und ist eine Gefahr für Bäche, Flüsse und vor allem das Grundwasser, wohin Nitrat ausgewaschen werden kann.

Überschüssiger Dünger belastet Grundwasser

Der stickstoffhaltige Dünger wird im Boden durch Bakterien zu Nitrat umgewandelt und steht den Pflanzen dann als Nährstoff zur Verfügung. Reichert sich Nitrat im Grundwasser an, ist das in der Regel ein Hinweis auf eine falsche Düngung. Bringt der Landwirt mehr Gülle oder Mineraldünger aus, als die Pflanzen aufnehmen können, sickert das überschüssige Nitrat bis ins Grundwasser.

Zeitpunkt wichtiger Faktor

Auch der Zeitpunkt ist wichtig: Im Herbst ein abgeerntetes Feld zu düngen, umzupflügen und über den Winter ruhen zu lassen, gleicht einer Gülle-Entsorgung. Denn es fehlen die Pflanzen, die die Nährstoffe aufnehmen könnten. In Franken gibt es in einigen Regionen außerdem einen sehr durchlässigen Untergrund, damit steigt die Gefahr, dass Nitrat besonders leicht ins Grundwasser gelangen kann. Laut Umweltbundesamt bringen die deutschen Landwirte im Schnitt pro Hektar und Jahr 100 Kilogramm Stickstoff zu viel aus.

Verschärfung durch intensive Tierhaltung

Ein Grund für die Überdüngung ist die intensive Tierhaltung. Deutschland importiert jedes Jahr Millionen Tonnen Futtermittel, in erster Linie Soja aus Südamerika. Das Problem: Die daraus anfallende Gülle wird natürlich nicht zurück nach Südamerika geschickt, sondern auf die Felder hierzulande ausgebracht. Auch die Konzentration der Tierhaltung in einigen Regionen, wie zum Beispiel in Niederbayern, ist für das Wasser schlecht: Halten die Bauern dort viele Tiere und kaufen dementsprechend viele Futtermittel hinzu, fällt auch viel Gülle an, die meist vor Ort auf die Felder kommt. Die Gefahr der Überdüngung steigt.

EU regelt Grenzwerte für den Menschen

Zu viel Nitrat in unseren Gewässern schädigt durch den Überdüngungs-Effekt nicht nur die Artenvielfalt in der Natur, sondern ist auch in größeren Mengen für den Menschen gefährlich. Deswegen gilt in der EU ein Grenzwert von 50mg Nitrat pro Liter Wasser.

Tägliche Dosis im Alltag

Täglich nimmt der Mensch Nitrat zu sich: Aus dem Trinkwasser stammen aber nur 20 Prozent der täglichen Dosis, 10 Prozent machen gepökeltes Fleisch und 70 Prozent Gemüse aus. Bakterien können Nitrat im Körper zu Nitrit wandeln und das kann bei Säuglingen den Sauerstofftransport stören. Bei Erwachsenen gilt zu viel Nitrit als krebserregend. Besonders nitrathaltig sind Rucola, Spinat und Salat. Um den Bakterien wenig Chancen zur Nitrit-Bildung zu geben, sollte Salat nach der Zubereitung mit einem Dressing schnell verzehrt werden. Auch sollte man Spinat nach dem Kochen nicht wieder aufwärmen.

Strengere Regeln für die Landwirte

Um die Gefahr durch zu viel Nitrat im Grundwasser und damit auch Trinkwasser zu senken, gilt seit kurzem eine neue Düngeverordnung für die Landwirtschaft. Bauern müssen sich künftig an engere Fristen halten, in denen gedüngt werden darf und große Höfe müssen genau bilanzieren, wie viele Nährstoffe in den Stall kommen und wo sie danach hinwandern. Umweltschützer und Wasserversorger halten die neuen Regeln aber immer noch für zu lasch. Ob sie etwas bringen, wird sich ohnehin erst in vielen Jahren zeigen, denn bis die Gülle von heute als Nitrat im Grundwasser landet, dauert es sehr lange.

Höhere Kosten für den Verbraucher

Klar ist: Zu hohe Nitrat-Werte im Grundwasser verursachen bei den Wasserversorgern Kosten für die Reinigung, die den Kunden in Rechnung gestellt werden. Andererseits würden noch strengere Dünge-Regeln für die Bauern einen hohen Aufwand und eventuell geringere Erträge bedeuten, so dass die Lebensmittel aus heimischer Landwirtschaft mehr kosten müssten. Teurer wird es also in jedem Fall.


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