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Online-Shop in der Kritik Volksverhetzung bei Real? Würzburger Student stellt Strafanzeige

Weil sie Artikel mit Wehrmachts-Insignien vertrieben hat, steht die Supermarktkette "Real" in der Kritik. Der Nachwuchspolitiker Sebastian Hansen von der Grünen Jugend Würzburg stellt deshalb Anzeige wegen Volksverhetzung.

Von: Pirmin Breninek

Stand: 04.12.2017

Sebastian Hansen wirft Klagebrief ein | Bild: BR/Pirmin Breninek

In seinem Anzeige-Schreiben bezieht sich Sebastian Hansen auf eine Produktbeschreibung zu einem Bügel-Aufnäher, der einen Stahlhelm in Deutschland-Farben zeigt. Der Artikel wurde im Online-Shop von Real mit den Worten beworben: "Auch nach dem Tod kämpft dieser Schädel noch für die Ideale des 'Dritten Reichs'." Weiter hieß es: "Mit diesem Aufnäher können Sie deutlich machen, dass Ihnen einige Ideen aus dieser Zeit auch heute noch gefallen."

Supermarktkette in der Kritik

Hansen sieht durch die Produktbeschreibung den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk erklärte er: "Ich sehe nicht ein, warum so etwas ungestraft bleiben sollte." Am Sonntagabend (03.12.2017) hatte der Würzburger Student beim Kurznachrichtendienst Twitter ein Bild seines Anzeige-Schreibens veröffentlicht. In dem Sozialen Netzwerk wurde "Real" massiv kritisiert, unter anderem vom Fernsehmoderator Jan Böhmermann.

Produkte aus dem Sortiment genommen

Das Schreiben an die zuständige Staatsanwaltschaft in Düsseldorf hat Hansen am Montagmittag (04.12.17) in Würzburg eingeworfen. Inzwischen hat Real die Produkte aus seinem Online-Sortiment entfernt. Gerald Schönbucher, Geschäftsführer von "real.digital", entschuldigte sich. In einem Beitrag auf Twitter erklärte er, dass "nicht jedes Produkt manuell geprüft" wird. Ähnlich wie andere Online-Shops betreibt auch "Real" einen sogenannten "Marketplace". Das bedeutet, gegen Provision können dort Dritte mit ihren Waren handeln.

Real lehnt Wehrmachts-Angebot ab

In einer Stellungnahme distanziert sich Real vom Angebot und Verkauf der Artikel. Neben dem Bügel-Aufnäher hatte der Online-Shop unter anderem einen Helm im Stil des Afrikakorps der Wehrmacht angeboten, außerdem einen Gürtel und Notizblöcke in Wehrmachtsoptik.


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Andrea, Mittwoch, 06.Dezember, 18:51 Uhr

14. Diese Anzeige gegen Real kann man nur vollstens unterstuetzen

Diese Anzeige gegen Real kann man nur vollstens unterstuetzen. Ich habe mir bei der Sueddeutschen und bei der Tagesschau und bei vielen anderen Quellen die Bilder angeschaut um was fuer Teile es ging und diese Teile bei Real waren eindeutig!! Eindeutiger geht es nicht mehr!

Von daher wuerde ich auch gerne mal von Real wissen, was die sich bei dieser wirklich strafbaren Aktion (§ 130 StGB Volksverhetzung) gedacht haben. Darueber hinaus läuft zusätzlich noch die Strafanzeige gegen Real durch Digitalcourage wegen der Gesichtsscannerei. Auch das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Mann... mannn...mann...Real, was hat euch da nur geritten?? OK, auch Amazon und andere machen solchen Mist und da gehört genauso hingelangt. Da gibt es ueberhaupt keine Debatte. Solche Nazi-Devotionalien haben in online-Stores oder auf Flohmärkten oder sowas absolut nichts zu suchen!!

Außerdem lese ich bei n-tv, dass auch dieses Nazi-Verfahren in Koblenz neu aufgerollt werden muss!

Bürger, Dienstag, 05.Dezember, 11:49 Uhr

13. Profilierung

Reines Profilierungsstreben. Wenn man keine weiteren realen Probleme im Land mehr hat , als das Polizei, Juristen u. die Presse sich mit Wehrmachtsimitaten jetzt beschäftigen. Aber macht sich gut in einer Gesellschaft, in der es bestimmte Entwicklungen gibt, die an bestimmte Phasen der deutschen Geschichte erinnern.
Die aufgehäuften realen Probleme werden im Land schon lange nicht mehr gelöst - dafür kann man ausgiebig mit diesem Kram Polizei und Gerichte und die Presse beschäftigen- haben ja sonst nichts zu tun.
Die Grünen tun sich da besonders gut hervor- keine realen Lösungen- nur nicht bezahlbare Utopien, besserwisserhafte Ideologie und gelegentlich Selbstprofilierung.

  • Antwort von Sandman, Dienstag, 05.Dezember, 13:30 Uhr

    @ Bürger: Polizei und Gerichte haben tatsächlich nichts besseres zu tun als mögliche Straftaten zu verhindern und zu verfolgen - genau das ist ihr Job!

  • Antwort von Sandmännchen, Mittwoch, 06.Dezember, 00:02 Uhr

    @Sandman

    Bei sexuellem Missbrauch, Morddrohungen, Stalking unternimmt die Polizei nicht viel. Vielleicht mal eine "Gefährderansprache", mal an der Tür klingeln.
    Wenn man solche Fälle nicht kennt ist das Elend weit weg, wenn man sie kennt ist das Versagen des Rechtsstaats unbegreifbar.
    So eine Mischung aus "Gesetze sind da, werden aber nicht angewendet", Wegschauen und "Wir sind nicht zuständig".

    Das war gemeint.

  • Antwort von Sandman, Mittwoch, 06.Dezember, 08:41 Uhr

    @ Sandmännchen:
    Was glauben Sie, was in diesem Fall passiert? Eingetretene Türen, Razzien, Verhaftungen innerhalb von drei Tagen? Auch hier wird man wahrscheinlich erstmal an der Tür klingeln und fragen. Das nennt sich dann Ermittlungsarbeit und ist für ein rechtsstaatliches Verfahren essenziell. Und da halte ich in diesem Fall die Beweislage für relativ klar.

    Das ist in den von Ihnen geschilderten Fällen mutmaßlich oft nicht so einfach, weshalb der Polizei manchmal die Hände gebunden sind. Das ist für die Opfer sicherlich schwer zu verstehen und belastend, wäre definitiv anders wünschenswert, lässt sich aber rechtsstaatlich kaum lösen.

    Und dann gibt es auch noch Gesetze, von denen von vornherein klar ist, dass sie nicht durchsetzbar sind, die aber als "starkes Signal" politisch gewollt sind.

    Beides ist kein Argument dafür, Gesetze da wo möglich nicht durchzusetzen!

    P.S.: Woher wissen Sie so genau, was "Bürger" meint? Ist "Sandmännchen" etwa eine Sockenpuppe?

Susanne, Dienstag, 05.Dezember, 11:28 Uhr

12. Real - Volksverhetzung

Was Sebastian Hansen macht ist absolut richtig. Er tut das, was die Politiker von den Bürgern fordern: Zivilcourage zeigen, Maul auf machen, sich einmischen!!! Man kann den Vertrieb dieser Produkte nicht dulden, sonst wird es als "normal" angesehen, und das ist es nicht. Solche Produkte zu verkaufen ist nicht nur eine Sache des schlechten Geschmacks, sondern eine Straftat. Mich würde mal die Meinung des Einkäufers von Real interessieren, wie er dazu kommt, sowas in die Produktpalette aufzunehmen.

  • Antwort von IH, Dienstag, 05.Dezember, 15:36 Uhr

    Vielleicht hat er Freude daran, hauptamtliche "zutiefst Betroffene" zu provozieren.

Peter , Dienstag, 05.Dezember, 11:11 Uhr

11. Da will ein Student auf sich aufmerksam machen. Ziel Karriere in der Politik.

Ich hasse Nazis und Neonazis und NPD. Aber wegen einem alten Nazikram rege ich mich nicht mehr auf. Unpassendes einfach überkleben.

Rosa Rot, Dienstag, 05.Dezember, 10:53 Uhr

10. Willy Sachs Stadion

Bekannterweise befindet sich in Schweinfurt (das liegt gar nicht so weit von Würzburg entfernt) ein Fussballstadion, dass den Namen eines SS Ehrenmitglieds und Freund von Göring, Himmler!!! und anderen Nazigrössen trägt. Den Eingang überragt ein grosser Adler aus der Zeit. Das hat Sebastian Hansen wohl übersehen. Wenn dann richtig zuschlagen und keine Miniaktionen um ins Gespräch zu kommen. Weiterhin sehe ich es so wie Wolfgang. Haben wir einen Vorteil aus den Gesetzen, die von 1933 bis 1945 erlassen wurden, werden die auch schön weitergelebt. Es kann ja Jeder mal recherchieren - das sind eine ganze Menge - nicht nur der 1. Mai. Selbst unser Bundesfinanzminister lässt es sich in Görings Gebäude gut gehen (auch nicht das einzigste in Berlin). OMG diese Volksverhetzer

  • Antwort von Wolfgang, Dienstag, 05.Dezember, 14:02 Uhr

    @ Rosa Rot, ein Hinweis:

    Das Luftfahrtministerium nach 1945 wurde weitergenutzt, renoviert, umgebaut und ist heute Finanzministerium.

    Der Palast der Republik, nicht nur für Sitzungen der Volkskammer sondern auch gesellschaftliches Zentrum für alle Bürger mußte unbedingt platt gemacht werden....

  • Antwort von Sandman, Dienstag, 05.Dezember, 15:10 Uhr

    Und was hat das Stehenlassen und in anderem Kontext Weiternutzen von Gebäuden jetzt mit der aktiven Verbreitung von nationalsozialistischer Propaganda zu tun?
    Propagieren Sie auch die Rassenlehre weil wir ja noch auf Autobahnen fahren? Finden Sie, wir sollten mal wieder "Lebensraum im Osten" erobern weil unser Außenministerium immer noch "Auswärtiges Amt" heißt?