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Gefährliche Atemerkrankung Keuchhusten in Bayern auf dem Vormarsch – Spitzenreiter Unterfranken

Keuchhusten verbinden viele Menschen mit einer Kinderkrankheit, die es heute kaum mehr gibt. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf Anfrage des BR mitteilte, sind die Fälle im Freistaat innerhalb von vier Jahren um fast 30 Prozent gestiegen.

Stand: 26.01.2018

Eine krank aussehende blasse Frau mit rotem Mantel hustet | Bild: picture alliance/chromorange

2013 wurde für Keuchhusten eine bundesweite Meldepflicht eingeführt, damals gab es in Bayern 2.638 Fälle. 2017 waren es 3.420 Fälle. Auch bundesweit würden die Erkrankungen zunehmen, so ein Sprecher des LGL. Als Grund sehen Experten massive Impflücken, zudem würde die Krankheit zunehmend besser erfasst.

Unterfranken trauriger Spitzenreiter

Kein anderer Regierungsbezirk hatte 2017 mehr Fälle pro 100.000 Einwohner zu verzeichnen als Unterfranken. Dort wurde die Erkrankung 820 Mal gemeldet. Warum Keuchhusten dort so häufig auftritt, ist offen.

Bei Säuglingen tödlicher Verlauf möglich

Pertussis, so der Fachausdruck für den Keuchhusten, ist eine durch Bakterien hervorgerufene Atemwegsinfektion. Während Erwachsene mehrere Wochen darunter leiden und mit Antibiotika behandelt werden müssen, kann die Krankheit bei Säuglingen tödlich verlaufen.

"An Keuchhusten erkrankte Neugeborene müssen wochenlang auf der Intensivstation beatmet werden. Dass es relativ wenige Todesfälle gibt, ist vor allem der Tatsache zu verdanken, dass es in Deutschland genügend intensivmedizinische Plätze gibt."

Dr. Gerhard Hofmann, Würzburger Kinderarzt

Schützen kann man sich nur mit einer Impfung – und genau dort liegt das Problem: Laut Robert-Koch-Institut sind nur acht Prozent der Erwachsenen in Deutschland gegen Keuchhusten geimpft. Ärzte empfehlen alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung, am besten kombiniert mit Tetanus/Diphterie. Einen zuverlässigen Impfschutz sollten vor allem jene Personen haben, die unmittelbar mit Neugeborenen in Berührung kommen – also Eltern, Geschwister und Großeltern. Dr. Gerhard Hofmann empfiehlt sogar, werdende Mütter im letzten Drittel der Schwangerschaft zu impfen. So würden die Antikörper aufs Kind übergehen.

"Wichtig ist, dass die Impfung der Mutter in der Schwangerschaft keinerlei Gefährdung für das Ungeborene darstellt. Diese Angst haben viele Ärzte, sie ist aber unbegründet."

Dr. Gerhard Hofmann, Würzburger Kinderarzt

Auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) ruft mit Blick auf die aktuellen Meldedaten zu den Keuchhusten-Erkrankungen in Bayern erneut zur Impfung auf. Die Ministerin betonte am Freitag: "Keuchhusten ist hochansteckend. Nur eine Impfung bietet wirksamen Schutz - für sich und für andere Menschen." Eine Keuchhusten-Impfung wird nach Angaben des Ministeriums auch von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Die Grundimmunisierung der Säuglinge und Kleinkinder sollte demnach zum frühestmöglichen Zeitpunkt, das heißt unmittelbar nach Vollendung des zweiten Lebensmonats, begonnen und fortgeführt werden. Auffrischungsimpfungen erfolgen zuerst mit 5 bis 6 Jahren, eine weitere Dosis erfolgt zwischen 9 und 17 Jahren.


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Gabriele, Freitag, 26.Januar, 16:33 Uhr

7. Impfung wirkt nicht immer!

Mein Mann und alle seine Geschwister waren gegen Keuchhusten geimpft und haben ihn trotzdem bekommen! Die Impfung wirkt nicht immer und wenn, oft nur kurz. Und so stecken Menschen, im Glauben, einen Schutz zu haben, andere an. Insofern sollte man sich testen lassen - ein Nasenabstrich bringt nach zwei, drei Tagen das sichere Ergebnis.

  • Antwort von Elisabeth, Freitag, 26.Januar, 17:12 Uhr

    Auch wenn man dann nach einer Impfung die Krankheit doch bekommt, bricht sie nicht so stark aus.

Martin D., Freitag, 26.Januar, 12:31 Uhr

6. Leidtragender

Ich kann nur jedem Raten, sich Impfen zu lassen!

Leider musste ich im vergangenen Jahr selbst erfahren, was es heisst, Keuchhusten zu haben.
Der Husten ist so stark, dass man zwischendurch echt irgendwie versuchen muss, Luft zu holen. Man hat das Gefühl, man erstickt fast! Teilweise brechen sich Menschen dabei die Rippen oder ziehen sich einen Leistenbruch zu. Danach kam Fieber und wochenlange Übelkeit. Fazit: 6 Wochen Arbeitsunfähig und ich hab heute das Gefühl, als wär ich zu früh in die Arbeit gegangen.

Ist nicht schön und nach jetzt mittlerweile 5 Monaten ist es immer noch nicht ganz vorbei.

Also lasst euch Impfen und erspart euch das. ;-)

  • Antwort von Stefan A., Freitag, 26.Januar, 14:14 Uhr

    Ich bin für Impfungen und ich bin der Meinung wir haben unsere hohe Lebenserwartung, weil es Impfungen gibt und dadurch gefährliche Krankheiten bekämpft oder fast ausgerottet wurden. Kinderlähmung war nicht so selten und eine sehr grausame Krankheit, dessen Krankheitsbild ein Arzt in Deutschland wahrscheinlich gar nicht mehr kennt.
    Ich bin 1975 geboren und habe alle damals gängigen Imfpungen erhalten. Damals wurde aber noch jede Krankheit einzeln geimpft.
    Das ist heute anders. Da gibt es 5-fach oder 6-fach-Impfungen.
    Ich frage mich ob das wirklich sein muss, dass man einem so kleinen Kinderkörper so eine hohe Impfdosis verabreicht.
    Aber wahrscheinlich sind diese Einzelimpfungen wie in den 70er Jahren für unser Kassensystem zu teuer und unrentabel.

  • Antwort von IH, Freitag, 26.Januar, 16:08 Uhr

    Babies sind auch nicht aus Zucker - solange sie gesund sind (das muss man eben sicherstellen), können die das locker ab. Und ich glaube, lieber einmal den Stress mit dem Pieks als 5- 6 Mal hintereinander. Die Impfstoffe von heute sind ja auch nicht die 6 Einzelimpfungen von damals einfach zusammengemixt, also nicht 6 mal so "stark", meines Wissens nach. Meiner Mutter tat es natürlich damals auch weh, weil Kind weint, und ist ne Woche groggy und kränkelt, aber sie wusste, wie es war, Masern zu haben. Ich hatte dafür dann Windpocken, weil damals dagegen noch nicht geimpft wurde.

    Und grade für Babies ist Keuchhusten ein Horror. Jeden dieser depperten "Impfgegner" sollte man mal auf einer Kinderstation Dienst tun lassen, wo Säuglinge dank des Keuchhustens wochenlang Erstickungsanfälle haben. Nur eine geistig degenerierte Rabenmutter wurde aufgrund ihrer bescheuerten Ideologie ein solches Leiden ihres Kindes billigend in Kauf nehmen!

  • Antwort von IH, Freitag, 26.Januar, 16:09 Uhr

    Ansonsten, lieber Herr D. , wünsche ich Ihnen noch eine gute Genesung, vor allem dass Sie wieder ganz fit werden!

B. Thiemann, Freitag, 26.Januar, 12:25 Uhr

5. Impfstoff?

Ich wollte mich Ende letzten Jahres gegen Keuchhusten impfen lassen, da gab es aber keinen Impfstoff!

  • Antwort von Manfred, Freitag, 26.Januar, 14:20 Uhr

    NUR Keuchhusten gibt es auch nicht mehr.
    Nur in Kombi mit Tetanus und Diphtherie

  • Antwort von Hanne, Freitag, 26.Januar, 14:39 Uhr

    @Manfred
    Stimmt, wurde bei mir kürzlich mit der Tetanus gemacht.

Kritik , Freitag, 26.Januar, 12:23 Uhr

4. Hauptgrund für Vielfachinpfungen ist die Gewinnsucht?

Teil 1
Impfen hat vor allem mit Vertrauen zu tun!
Beispiel, der macht eine Routineblutuntersuchung, die Kasse bezahlt dde Bluttesr, aber der Arzt empfiehlt weitere Paramenter routinemäßig zu prüfen, was aber der Pateint selbst zahlen muss.
Also lügt nun entweder die Kasse oder der Arzt. Wäre es wichtig, dann sollte es bezahlt werden, wenn nicht, dann sucht der Arzt nur weitere Einnahmequellen.
Ich kenne gute Ärzte, die Impfung extrem kritisch gegenüberstehen u. ihre eigen Kinder nur mit wenigen Impfen versorgt haben, nie Virlfachimpfen u. besonders nix im Kleinkindalter!
Wenn ich meine fünf Schulen und die Hochschule betrachte, die ich in meinem Leben besucht habe, dann kenne ich keinen Fall, dass ein Mensch an Masern und Co verstorben ist. Ich kenne nur eine ältere Dame, die Kinderlähmung mit mittleren Schäden überstanden hat u. einen Landwirt, der an Wundstarrkrampf erkrank war, aber geheilt wurde. Ich selbst war mehrfach nach Impfen mit schweren Reaktion in der Klinik.

Monika, Freitag, 26.Januar, 11:45 Uhr

3. Keine Impfdiskussion

Ich will keine Impfdiskussion eröffnen, sondern ich frage mich folgendes: In den 60-70 Jahren wurde weder gegen Masern, Röteln und Keuchhusten geimpft (evtl. noch gegen einiges andere nicht, was jetzt geimpft wird - Scharlach?).
Gibt es da seriöse Statistiken, dass daran viele Leute, vor allem Kinder, gestorben sind? Fakt ist doch das Gefühl, dass im eigenen Umfeld alle dieses Krankheiten hatten und keiner daran gestorben ist. Ist das nur ein Gefühl oder stimmt das?

  • Antwort von Gisi, Freitag, 26.Januar, 12:23 Uhr

    @Monika
    Bin auch ein Kind der Anfangssiebziger und ungeimpft und wir hatten die Masern auch alle drei.

    Selber kriegt man das ja nicht so mit, aber meine Mutter hat erzählt, dass wir, die wir sonst nicht gerade empfindlich waren, alle drei mindestens ein Jahr lang nach den Masern uns jeden Mist eingefangen haben und zwar in einem heftigen Ausmaß. Wir seien bei jedem Husten knapp an der Lungenentzündung vorbeigeschrammt und der Arzt habe ihr damals gesagt, das liege an den Masern und die würden das Immunsystem so runterhauen, dass schwächere Kinder wirklich dran sterben oder lebenslange Schäden haben könnten.
    Damals durften wir aber wenigstens noch daheim bleiben und uns auskurieren.
    Jetzt werden die halbkranken Kinder sobald wie möglich in die Massenkindhaltung geschickt, wo sie zum einen allen anderen auch noch ein paar Viren und Bazillen abgeben und sich zum anderen, wenn sie noch geschwächt sind, sofort den nächsten Kram einfangen können.
    Drum hören diese "Wellen" auch nie auf

  • Antwort von Helena, Freitag, 26.Januar, 12:49 Uhr

    In den siebziger Jahren wurde sehr wohl gegen Keuchhusten geimpft. Meine Tochter wurde 1973 geboren und wurde selbstverständlich gegen Keuchhusten geimpft und gegen alle anderen damals vorgegebenen Impfungen und das hat sich bewährt..

  • Antwort von Manfred, Freitag, 26.Januar, 14:18 Uhr

    Ich bin Jahrgang 1965 und wurde als Säugling ebenfalls gegen Keuchhusten geimpft. - Und gegen Masern.