43

Kinderreport 2018 Umfrage: Staat unternimmt zu wenig gegen Kinderarmut

2,7 Millionen Kinder in Deutschland sind von Armut betroffen. Ein Großteil der Bevölkerung meint, Staat und Gesellschaft tun zu wenig, um das Problem zu lösen. Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung.

Von: Jannik Pentz

Stand: 01.02.2018

Ein junges Mädchen hält sich am 24.01.2014 in Berlin die Hände vor ihr Gesicht. | Bild: picture-alliance/dpa/ Nicolas Armer

"Was glaubst du, wie viel wird in Deutschland getan, um Kinderarmut bei uns zu bekämpfen?" Diese Frage hat das Kinderhilfswerk sowohl Erwachsenen als auch Kindern und Jugendlichen gestellt. Trotz des Altersunterschieds fallen die Antworten aber in etwa gleich aus: Ein Großteil der Befragten ist laut dem neuen Kinderreport 2018 der Meinung, Staat und Gesellschaft tun "eher wenig" oder "sehr wenig", um Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen.

Geringe Einkommen für viele Grund von Kinderarmut

Den Grund dafür sieht eine Mehrheit der Befragten in zu geringen Einkommen der Eltern. 84 Prozent der Erwachsenen ("Trifft voll und ganz zu" und "Trifft eher zu") und 94 Prozent der Kinder und Jugendlichen erachten die Einkommenssituation als Hauptgrund für Kinderarmut. Außerdem sind 52 Prozent der befragten Kindern und Jugendlichen der Meinung, dass sich die Politik dem Problem Kinderarmut nur unzureichend widme.

"Der Kinderreport 2018 des Deutschen Kinderhilfswerkes zeigt klar und deutlich, dass die Menschen in Deutschland Staat und Gesellschaft in der Pflicht sehen, entschiedener als bisher die Kinderarmut in unserem Land zu bekämpfen."

Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes

Kinderarmut durch politische Rahmenbedingungen bekämpfen

Um Kinderarmut effetkiver zu bekämpfen, fordern viele, einkommensschwache Familien und deren Kinder besser zu unterstützen - zum Beispiel mit Lehrmittelfreiheit (94 Prozent), kostenfreien Beteiligungsmöglichkeiten an Bildung, Kultur und Sport (87 Prozent) sowie kostenlosen Ganztagsbetreuungen in Schulen und Kitas (87 Prozent) und kostenfreiem Essen in Schule und Kita (84 Prozent).

Außerdem sollten sich Sozialarbeiter verstärkt um benachteiligte Kinder kümmern. Auch das Deutsche Kinderhilsfwerk fordert ein Umdenken in der Politik:

"Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik sind ebenso zu berücksichtigen, wie Familien- und Bildungspolitik, Gesundheits- und Sozialpolitik sowie Stadtentwicklungs- und Wohnungsbaupolitik."

Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Befragte wollen mehr gegen Kinderarmut tun

Doch die Befragten im Kinderreport 2018 wollen das Problem nicht allein der Politik überlassen. Immerhin sind insgesamt 64 Prozent der befragten Erwachsenen bereit, für eine Bekämpfung der Kinderarmut höhere Steuern zu zahlen.


43

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Squareman, Freitag, 02.Februar, 14:52 Uhr

4. Ungleichgewicht

Es gibt ein Ungleichgewicht zwischen den gut Verdienenden und den schlecht Verdienenden. Die gut Verdienenden verdienen immer mehr und die schlecht Verdienenden immer weniger. Aber das ist ja politisch gewollt. Der Kapitalismus feiert sich selbst und alle politischen Parteien feiern mit. Neoliberalismus ist das Zauberwort, dessen Thesen sind zwar Schwachsinn aber dieser Schwachsinn wird der Politik gut verkauft.

  • Antwort von Einkommensschere, Freitag, 02.Februar, 19:59 Uhr

    Sorry, Squareman, aber dafür, dass ich jetzt mehr verdiene als andere habe ich früher meine Prioritäten auch jahrelang ein bisschen mehr auf Schule und Ausbildung und weniger auf Feiern und Fun gelegt.
    Bin von den Obercoolen dafür auch oft genug belächelt , wenn nicht sogar angegangen worden.

Leni, Freitag, 02.Februar, 14:01 Uhr

3. Warum eigentlich Steuerklasse 1 zur Strafe ???

Denn wer sich verantwortungsbewusst verhält und keine Kinder in die Welt setzt, weil er nicht die finanziellen Mittel dazu hat, wird steuerlich mit Steuerklasse 1 abgestraft. Was ist da besser frag ich mich?

Maria, Freitag, 02.Februar, 13:31 Uhr

2. Nachwuchs zeugen ist planbar

Kinder in die Welt setzen, bedeutet Verantwortung übernehmen können und wollen.
Wer das nicht kann, sollte sich lieber eine neue Playstation zulegen.

Wer sein eigenes Leben nicht im Griff hat, sollte auch keine Kinder in die Welt setzen.

  • Antwort von Anna, Freitag, 02.Februar, 14:18 Uhr

    @Maria, das sehe ich genau so. Leider wird man dann als Kinderhasser, Nazi , uns sonst noch was (das ganze Dorf kümmert sich um das Kind) hin gestellt Ich selbst habe einen Sohn (ist jetzt schon 22 Jahre) und war schwanger. Habe eine Abtreibung IN MEINEN FALL "vorgezogen", weil ich die Verantwortung alleine nicht tragen konnte und auch meinen Sohn nicht gerecht werden hätte können. Dieser Schritt war nicht leicht, doch auf lange Sicht gesehen; 2. Ausbildung-> Kind ein Vorbild geben und aus meinen Sohn ist was geworden und er steht im Leben, was so mancher nicht mal mit 40 Jahren schafft.

  • Antwort von Süßes Leben, Freitag, 02.Februar, 14:36 Uhr

    Maria, wenn Sie die Pille und Spirale nicht vertragen was dann ?
    Mein herkömmliches Verhütungsmittel ist 25 Jahre alt.
    Wer sein eigenes Leben nicht im....Haben Sie Sex immer im Griff gehabt ?
    Dann haben Sie viel versäumt.
    Bei vielen ungewollten Kindern hört meine Toleranz aber auch auf.

  • Antwort von Maria, Freitag, 02.Februar, 14:53 Uhr

    @Süßes Leben :-) JA, ich habe Sex immer im Griff und für meine Bedürfnisse reicht auch ein Gummi.

  • Antwort von Maria, Freitag, 02.Februar, 15:00 Uhr

    @Anna - ja, leider ist unser System nur auf "Steuerzahler produzieren" ausgerichtet. Da nimmt man die Probleme der "Kinderarmut" scheinbar gerne in Kauf, denn die "Allgemeinheit Steuerzahler" trägt das Problem schon. Eine sehr traurige Entwicklung ist das.
    Die Ursache des Problems sind in jedem Fall die, die Sex nicht im Griff haben. ;-)

  • Antwort von Wolf, Freitag, 02.Februar, 15:25 Uhr

    Ach so,für Armut ist man selber schuld....dann aber für Dummheit auch,Maria!

  • Antwort von Süßes Leben, Freitag, 02.Februar, 15:41 Uhr

    Maria, der Gummi ist 25 Jahre alt :-) !
    Macht uns aber viel Freude !

  • Antwort von Maria, Freitag, 02.Februar, 15:45 Uhr

    @wolf - ich meine die, die nichts im Griff haben und noch zu doof sind, ein Gummi zu benutzen, sind an der Misere der Kinderarmut schuld.
    Der allgemeine Steuerzahler (auch die Kinderlosen, die mit Steuerklasse 1 abgestraft werden) wird dann zur Kasse gebeten und die Armutskinder müssen es aushalten mit allen Konsequenzen auch in ihrem späteren Leben (Depressionen, Armut, seelische Schäden, etc.).
    Was für ein beknacktes System ist das bitte?

  • Antwort von Maria, Freitag, 02.Februar, 15:55 Uhr

    @Süßes Leben - ich freue mich natürlich, dass "Präservativ defekt" so gut für Euch ausgegangen ist. :-)))
    Ich habe kein Problem damit, wenn jemand gerne mit Gummis spielt und sich nach einem Materialfehler dennoch der Verantwortung stellen kann.
    Aber ich als kinderloser Steuerzahler der Klasse 1 möchte damit bitte nichts zu tun haben. ;-)

Selim, Freitag, 02.Februar, 12:11 Uhr

1. Erfahrungen

Eine Frau, die sich ihr Leben lang um die Kinder anderer Menschen gekümmert hat, äußerte sich im Tagesgespräch einmal wie folgt:

Sie wünscht sich: die Abschaffung des Kindergeldes -.statt dessen die Ganztagsschule mit voller Verpflegung der Kinder in den Schulen samt Schulkleidung.

Ich stimmte dieser Dame zu. Denn - die einen brauchen es nicht und die anderen kriegen es nicht, und bei dem genannten Vorschlag hätten wenigstens die Kinder was davon.

  • Antwort von Klingt spannend!, Freitag, 02.Februar, 13:57 Uhr

    "Volle Verpflegung der KInder in den Schulen" heißt also Frühstück, Mittagessen, Abendessen oder was?
    Ich hoffe, sie möchte ihnen dann wenigstens ein Bett daheim zur Verfügung stellen, denn sonst reden wir von einer Heimunterbringung.
    Ich persönlich kümmere mich lieber selber um das Essen meiner Kinder, weil ich sie nicht diesem fremdbestimmten Geschmacksverstärkerkantinenpamp aussetzen möchte!
    Ich kenne die Verhütungsmittel, ihre Wirkung und ihre Einsatzmöglichkeiten und als ich mich für Kinder entschlossen habe, war mir klar, dass da in anderen Bereichen Abstriche zu machen sind.

  • Antwort von Kats, Freitag, 02.Februar, 15:48 Uhr

    Es ist immer Abwägungssache. Es gibt nicht das Allheilmittel.
    Selim, was Sie schreiben klingt klug und vernüftig.
    Nur- es ist nicht für alle Kinder geeignet. Es gibt sehr viele Kinder, die mit einer
    ganztägigen Kita, Kindergarten und Ganztagesschule überfordert sind.
    Viele Kinder brauchen ihre stillen Rückzugsräume. Das war nicht nur bei meinem Sohn so, ich habe
    viele Eltern, Kinder kennengelernt, die das nicht ausgehalten hätten.
    Es gibt natürlich vile Kinder, für die dieses Modell ideal ist.
    Man sollte nur wählen können.