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Trauer um den ersten Kommandeur der GSG 9 Ulrich Wegener - Der "Held von Mogadischu"

Er war der "Held von Mogadischu": Unter der Leitung von Ulrilch Wegener stürmte die Spezialheit der Bundespolizei 1977 die von palästinensischen Terroristen gekaperte Lufthansa-Maschine "Landshut". Mehr als 90 Geiseln wurden unversehrt befreit. Dreißig Jahre später, am 28. Dezember 2017, verstarb der erste Kommandeur der GSG 9 im Alter von 88 Jahren.

Von: Holger Schmidt

Stand: 03.01.2018

Ulrich Wegener | Bild: picture-alliance/dpa

"00:38 Uhr, hier ist der Deutschlandfunk mit einer wichtigen Nachricht: Die von Terroristen in einer Lufthansa-Boeing 86 Geiseln sind alle glücklich befreit worden. Ein Spezialkommando des Bundesgrenzschutzes hatte um 00:00 Uhr die Aktion auf dem Flughafen von Mogadischu gestartet."

Meldung des Deutschlandfunks 1977

Die Befreiung der entführten "Landshut"

Es war seine härteste Bewährungsprobe – und sein größter Triumph: Unter dem Kommando von Ulrich Wegener stürmte die GSG 9 im Oktober 1977 in Somalia die Lufthansa-Maschine Landshut. Die entführten Passagiere und die Crew konnten lebend befreit werden, drei der vier Terroristen wurden getötet, wie die GSG 9 nur Minuten nach dem Zugriff über Funk nach Bonn mitteilte.

"Ist verstanden, drei Terroristen tot und einer schwer verletzt!"

Funkspruch bei der Befreiung der Landshut

Ulrich Wegener ging selbst mit ins Flugzeug, seinen Revolver, mit dem er damals auch geschossen haben soll, hat er später dem Haus der Geschichte in Bonn gegeben. Als Leihgabe, wie er vor rund einem Jahr in einem SWR-Interview erklärte, den eigentlich gebe man seine Waffe ja nicht aus der Hand.

Die Mission war eindeutig

Sein Befehl damals war glasklar: Die Landshut muss befreit werden. Um jeden Preis.

"Ich habe meinen Leuten von Anfang an gesagt, also, wenn ihr da auf Terroristen stoßt und es kommt zu einem gewissen Gefecht dort, dann wisst ihr, was ihr zu tun habt."

Ulrich Wegener, erster Kommandeur der GSG 9

Wenn es um Terrorismusbekämpfung ging, gab es für Ulrich Wegener keine Kompromisse. Terror gefährdet den Staat im Innersten, sagte Wegener noch vor wenigen Monaten. Seine Aufgabe als Polizist habe er auch so verstanden, das immer wieder der Politik klar zu machen:

"Wenn wir das nicht in den Griff kriegen, dann geht der Staat baden. Das ist keine Frage."

Ulrich Wegener, erster Kommandeur der GSG 9

Nach Mogadischu waren Ulrich Wegener und seine Männer Helden, die GSG 9 wurde für viele Staaten zum Vorbild, Wegener reiste um die Welt, erzählte vom Erfolg. Und trainierte mit der Truppe weiter für den nächsten denkbaren Einsatz. Eines Tages, so erzählt Wegener, stand er bei so einem Training plötzlich auf dem Flugplatz in Nürnberg wieder in der Landshut.

"Plötzlich kommt ein Adjutant auf mich zu und sagte, der Hauptmann Baum, der sagte, darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass wir an der gleichen Maschine üben, die wir mit einem scharfen Schuss gestürmt haben. Ich sage, das kann doch nicht wahr sein. Ja, dann wurde mir das aber bestätigt und ich habe gesagt, na gut, OK, desto besser wird’s."

Ulrich Wegener, erster Kommandeur der GSG 9

Wegener bleibt der Einheit verbunden

Doch so spektakulär wie Mogadischu werden in den kommenden Jahren nur ganz wenige Einsätze. Die Truppe pflegt einerseits den Nimbus des Unbekannten – andererseits gibt es keine Einsätze mehr, die sich mit der Landshut vergleichen lassen. Zwar entdeckt die GSG 9 1982 wichtige Erddepots der linksterroristischen RAF und nimmt unter anderem die RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt im hessischen Heusenstamm fest, doch Ulrich Wegener ist da schon nicht mehr Kommandeur der Einheit – sondern macht weiter Karriere im damaligen Bundesgrenzschutz, aus dem später die Bundespolizei wurde.

Doch er bleibt der Übervater der GSG 9. Als aus dem Bundesgrenzschutz die Bundespolizei wird und sich praktisch alle Organisationsstrukturen ändern, sorgt Wegener persönlich dafür, dass die Grenzschutzgruppe 9 ihren Namen behält – als einzige Einheit. Wegener selbst geht als Brigadegeneral im BGS in den Ruhestand, lässt sich deshalb bis zuletzt als "Herr General" anreden. Weltweit berät er Spezialeinheiten.

Umstrittene Äußerung

2007 sorgt eine Äußerung von Ulrich Wegener für Wirbel, in der er Kameradschaft und Korpsgeist der Wehrmachts-Spezialeinheit "Brandenburger" lobt. Zumal er damals mit dem umstrittenen Bundeswehrgeneral Reinhard Günzel ein Buch veröffentlicht hatte, dass die GSG 9 in eine historische Reihe mit der Wehrmachtseinheit stellt. Wegener selbst erklärte, dass er bei der Gründung der GSG 9 als Wappen ganz bewusst ein abgewandeltes Wehrmachtswappen verwendet habe.

In den letzten Jahren lebte Ulrich Wegener in seinem Haus in Windhagen im Westerwald. Im vergangenen Jahr hat er seine Lebenserinnerungen als Buch veröffentlicht.


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W.G., Mittwoch, 03.Januar, 18:58 Uhr

1. Ulrich Wegener

und Helmut Schmidt, beide ein Glücksfall für die BRD.

Beide unvergessen.

Für Pussy's ist kein Platz in der Geschichte.