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Wichtig ist, was hinten rauskommt TÜV führt strengere Abgasuntersuchung durch

Der Jahreswechsel hat auch eine wesentliche Änderung für Autofahrer mit sich gebracht – beim TÜV: Seit 1. Januar ist die Abgasuntersuchung strenger. Der Schadstoffausstoß wird jetzt bei allen Autos wieder mittels Endrohrmessung überprüft. Manchen ist das noch nicht genug.

Von: Lorenz Storch

Stand: 02.01.2018

ARCHIV - Eine Sonde eines Gerätes zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines VW Golf 2.0 TDI (Baujahr 2012), fotografiert am 21.09.2015 in einer Werkstatt in Frankfurt (Oder) (Brandenburg).  | Bild: dpa-Bildfunk/Patrick Pleul

Bisher hat der TÜV bei der Abgasuntersuchung einfach voll auf die Elektronik der Autokonzerne vertraut. Bei Autos ab Baujahr 2006 wurde nur noch der eingebaute Fehlerspeicher ausgelesen, anstatt wirklich zu messen, was aus dem Auspuff herauskommt. Das ändert sich jetzt: Es wird bei allen Autos wieder gemessen. Die Plakette kostet dadurch um die zehn Euro mehr. Was der ADAC kritisiert – viele Autofahrer aber verschmerzbar finden.

Stickoxide werden nicht gemessen

Gerd Lottsiepen vom umweltorientierten Verkehrsclub Deutschland findet es gut, dass die Abgaswerte jetzt wieder wirklich nachgemessen werden – aber:

"Bei der jetzt vorgesehenen Endrohrmessung werden die Stickoxide, die uns gerade besonders interessieren, überhaupt noch nicht mit gemessen."

Gerd Lottsiepen, Verkehrspolitischer Sprecher des VCD

Das stimmt, sagt Wilhelm Oberfranz von der Prüforganisation DEKRA – die nötigen Messinstrumente seien noch zu teuer.

"Sie müssen in einem Schnellverfahren die Abgaswerte überprüfen. Aber diese Werte, die wir jetzt neu prüfen, zeigen uns schon, ob das Gesamtsystem noch in Ordnung ist."

Wilhelm Oberfranz, DEKRA München

Rund eine Million Autos mit Mängeln unterwegs

Es gibt Fälle mit billigen Austauschkatalysatoren, die von vornherein nicht funktionieren – oder Rußfilter, die einfach ausgebaut sind – und die fahrzeugeigenen Diagnosegeräte zeigen das nicht an. Die Rede ist von einer Million Fahrzeugen auf deutschen Straßen, die mit Mängeln in der Abgasreinigung unterwegs sind.

Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe allerdings zweifelt daran, dass die jetzt vorgeschriebenen Tests diese Stinker aus dem Verkehr ziehen werden – er hält das Gesetz für zu lasch:

"Also, es wird sicher den einen oder anderen geben, den man jetzt erwischen wird. Aber es werden zu wenige sein. Wir werden auch Tests machen und mit präparierten Fahrzeugen, die ganz offensichtliche Fehlfunktionen haben, zeigen, dass die dennoch durch die Prüfungen kommen."

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe

2019 werden bestimmte Grenzwerte halbiert

Immerhin ist schon jetzt klar, dass die beim TÜV zulässigen Grenzwerte für Abgastrübung und Kohlenmonoxid im kommenden Jahr halbiert werden. Ab 2021 dann soll ein neues Messverfahren für Feinstaub kommen. Wilhelm Oberfranz von der DEKRA findet das richtig:

"Wenn Mängel vorhanden sind, dann gehören sie auch repariert. Wir sehen ja oft Fahrzeuge, die hinten eine große Rußwolke raushauen. Aber ich glaube, es wäre uns allen lieb, wenn wir diese Rußwolken nicht hätten."

Wilhelm Oberfranz, DEKRA München

Ungefähr fünf bis sieben Prozent der Fahrzeuge fallen bei der DEKRA durch, wenn die Abgasuntersuchung wirklich am Auspuff stattfindet. Manchmal reicht es, den Motor nur besser einzustellen, manchmal ist ein neuer Katalysator oder Rußfilter fällig.


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Maria , Dienstag, 02.Januar, 22:27 Uhr

1. Und wie geht es mit den privaten Öfen in den Häusern weiter?

Kohle, Brikets, Holz, Pelets und manchmal bei Dunkelheit sogar Altpapier, Platiktüten, Textilien, Gummi oder Plastikflaschen, das alles wird bei niedrigen Temperaturen ohne Filter verbrannt, wo es mehr raucht als brennt. Bei Inversionswetterlagen stinken ganze Straßenzüge. Das ist nicht nur Feinstaub, das können auch Sewesogifte Dioxine sein. Was nutzen die Fahrverbote für Dieselpkw in die Stadt, wenn in der Stadt in der Dunkelheit in den privaten Haushalten alles verbrannt wird, was brennt?

  • Antwort von Fuchs, Donnerstag, 04.Januar, 16:54 Uhr

    Wie bitte?

    Warum zeigen sie das dann nicht an, wenn es so stinkt und qualmt? - Ich weiß nicht wo sie wohnen, aber so etwas gibt es bei uns nicht. Das sind Umweltstraftaten, wenn es stimmt was sie sagen.