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Das Jenseits im Computer Transhumanismus: mit Mind Uploading unsterblich werden?

Was wäre, wenn wir Menschen auf der Erde ewig leben könnten? Eine Methode, die Unsterblichkeit zu erreichen, wird von Futuristen immer wieder ins Spiel gebracht: das Mind Uploading, den Geist eines Menschen digital weiterleben zu lassen.

Von: Barbara Schneider

Stand: 27.11.2017

Festplatte | Bild: picture-alliance/dpa

Schon heute gibt es Menschen, die an die Verheißung vom ewigen Leben als digitales Wesen glauben. Sie hoffen auf das sogenannte Mind Uploading, also die technische Möglichkeit, den Geist des Menschen digital auf eine Art Festplatte hochzuladen und so unsterblich zu machen. Es ist eine Idee, die vor allem Transhumanisten vertreten, also Anhänger einer Denkrichtung, die Einschränkungen in der menschlichen Natur durch moderne Technik überwinden möchte.

Mind Uploading: Science Ficition oder bald Realität?

Der Freiburger Neurowissenschaftler Stefan Rotter hält das Mind Uploading für reine Science Fiction. Sein Forschungsanliegen ist es, die Grundprinzipien der Informationsverarbeitung im Gehirn zu erforschen. Nach seiner Einschätzung ist man heute noch weit davon entfernt, das gesamte Gehirn auslesen und neu schreiben zu können.

"Das Gehirn hat 100 Milliarden Nervenzellen, das sind 15 Mal so viele wie es Menschen auf der Erde gibt. Wenn wir den ganzen Schaltplan auslesen wollten, müssten wir diese Milliarden von Kontakte in einer Tabelle festhalten. Das ist Beta-Byte. So gesehen ist es nicht unmöglich, all diese Informationen zu repräsentieren. Die große Frage ist, wie kommt man ran? Und wie interpretiert man diese Information?"

Neurowissenschaftler Stefan Rotter

Ist der Mensch mehr als Information?

Gehirn-Informationen auszulesen ist das eine. Das andere ist die große Frage: Was macht den Menschen überhaupt aus? Ist der Mensch nur Gehirn? Was ist mit seinem Gefühl? Dem Bewusstsein? Lässt sich das alles auf eine Festplatte übertragen, die dann unser menschliches Leben weiterführt? Der Münchner Philosophie-Professor Godehard Büntrup ist da skeptisch.

"Wenn alle Informationen, die in meinem Gehirn sind, auslesbar wären - das wäre wie eine fremde Sprache. Der eine wird das so interpretieren, der andere so. Es steht im Gehirn in gewisser Weise nur ein neurologischer Text. Die Person selbst, meine Ich-Perspektive, die wird nicht dadurch bewahrt, dass Informationen aus meinem Gehirn gespeichert werden. Auch eine Kopie meiner Gefühle ist nicht Ich."

Philosoph Godehard Büntrup

Für die einen ist das Mind-Uploading eine Zukunftshoffnung, für andere das Horrorszenario schlechthin. Philosophen wie Janina Loh stellen sich die Frage, ob es überhaupt erstrebenswert ist, unsterblich zu werden. Welche Folgen hat es, wenn Menschen plötzlich - und sei es nur als hochgeladener Geist - unsterblich sind?

"Ich glaube, dass wenn wir unsterblich sind, wir die Dinge auf Dauer nur noch langweilig finden werden, weil sie für uns keine neuen Herausforderungen bringen."

Philosophin Janina Loh

"Unsterblichkeit ist atheistisch"

Auch Theologen sehen die Idee von einem Weiterleben als digitaler Geist kritisch. Denn die Idee von der Unsterblichkeit in digitaler Form hat Auswirkungen darauf, wie wir heute das Leben begreifen. Das trifft auf alle Weltreligionen zu. Ganz egal, ob sie nun Hindus, Buddhisten, Christen oder Muslime sind, sagt Godehard Brüntrup von der Jesuitenhochschule in München.

"Weil es die Überzeugung all dieser Religionen ist, dass unsere Existenz ein Pilgerweg ist. Es gehört zu einer Pilgerfahrt, dass jemand zum Ende kommt. Der Tod ist für den religiösen Menschen ein Nachhausekommen. Die Unsterblichkeit ist durch und durch atheistisch."

Theologe Godehard Brüntrup


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