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Nachwahl in Pennsylvania Test für Trump im Stahlrevier

Stimmungstest im "Trump-Land": Im südlichen Pennsylvania stimmen heute die Wähler über die Nachbesetzung eines Kongresssitzes ab. Die Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus.

Von: Martin Ganslmeier

Stand: 13.03.2018

US-Präsident Donald Trump auf einer Kundgebung bei dem Luftfahrtunternehmen Atlantic Aviation in Moon Township, Pennsylvania | Bild: picture-alliance/dpa

Der 18. Wahlbezirk von Pennsylvania, südlich der Stahl-Metropole Pittsburgh, gehört zum Rostgürtel Amerikas. Hier leben 18.000 Stahlarbeiter und ihre Familien. Und in kaum einer Region in den USA gibt es so viele Haushalte mit Gewerkschaftsmitgliedern.

Donald Trump gewann diesen Wahlbezirk bei der Präsidentenwahl mit 20 Prozentpunkten Vorsprung - vor allem wegen seines Versprechens, Kohle und Stahl zu einer neuen Blüte zu verhelfen. Daran erinnerte Trump am Wochenende auf einer Wahlkampfveranstaltung: "Pennsylvania ist der Bundesstaat, der uns die amerikanische Unabhängigkeit und Freiheit gegeben hat, und - was noch: amerikanischen Stahl!"

Schwacher republikanischer Kandidat

Dass sich der US-Präsident persönlich in einer Nachwahl für einen Sitz im Repräsentantenhaus engagiert, ist ungewöhnlich. Aber unter den Republikanern hat sich in den vergangenen Wochen Panik breit gemacht. In einem Wahlbezirk, in dem seit Jahren Republikaner gewonnen haben, zeichnete sich zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem republikanischen und dem demokratischen Kandidaten ab.

Und obwohl Trump nach Pennsylvania gekommen war, um den Republikaner Rick Saccone zu unterstützen, nutzte er den Wahlkampfauftritt eher zur Werbung in eigener Sache: "Ich will dich nicht unter Druck setzen, Rick. Aber die Welt schaut zu! Ich habe diesen Bezirk mit 22 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Das ist eine Menge. Und sieh dir mal all die roten Fan-Kappen an, Rick!"

Demokraten knapp vorne

Seither ist der Druck auf den eher blassen Rick Saccone noch gestiegen. Nach der jüngsten Umfrage liegt der demokratische Kandidat Conor Lamb sogar mit 51 Prozent vorne. Der 33-Jährige erfüllt alle Voraussetzungen, die ein Demokrat haben muss, um einen republikanischen Wahlbezirk zu erobern.

Conor Lamb war als Marine-Infanterist ein Elite-Soldat. Er ist groß und sieht gut aus. Als streng gläubiger Katholik lehnt er Abtreibung ab. Und er geht leidenschaftlich gerne jagen, weshalb er beim Thema Waffengesetze die Politik seiner eigenen Partei kritisch sieht.

Trump warnte die Wähler, sie sollten sich davon nicht täuschen lassen: Wenn Lamb erst einmal im Kongress sitze, werde er die linksliberale Agenda der Demokraten unterstützen. Er dagegen liefere für Pennsylvania - zum Beispiel durch die Strafzölle auf ausländischen Stahl: "Weil ich das gemacht habe, gehen jetzt viele Stahlhütten wieder in Betrieb. Viele Hütten wollen deshalb expandieren. Unser Stahl kommt zurück! Und unser Aluminium kommt zurück!"

Zölle als Wahlkampfmittel

Die Strafzölle kommen bei den Gewerkschaftsmitgliedern gut an. Experten bewerten sie deshalb auch als Versuch Trumps, eine peinliche Wahlniederlage für die Republikaner in letzter Minute noch zu verhindern. Denn sollte der Demokrat Conor Lamb tatsächlich im Trump-Land gewinnen, wäre dies eine weitere innenpolitische Schlappe für den Präsidenten und ein böses Omen für die Kongresswahl im November.

Schon vor drei Monaten hatten die Republikaner in ihrer Hochburg Alabama einen Senatssitz an die Demokraten verloren. Um eine erneute Blamage zu verhindern, haben konservative Organisationen kurzfristig zehn Millionen Dollar für TV-Spots investiert.

Der demokratische Kandidat Lamb verzichtete dagegen auf die Unterstützung der in Pennsylvania unbeliebten Führungsspitze seiner Partei. Stattdessen half ihm der frühere Vizepräsident Joe Biden - ein Arbeiterkind, das ebenfalls aus Pennsylvania stammt.


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