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Öffentlicher Dienst Tarifstreit: Mehr Einkommen für Geringverdiener?

Es ist ein zähes Ringen in Potsdam um ein Einkommensplus für die bundesweit rund 2,3 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen. Dabei wird nicht nur darüber gestritten, wie hoch das Plus ausfallen soll. Es geht auch darum, ob Geringverdiener mehr profitieren sollen als die am oberen Einkommensrand.

Von: Birgit Harprath

Stand: 16.04.2018

Mindestlohn 8.50 Euro | Bild: BR/Thomas Schmidt

Die Forderung der Gewerkschaften

Sie wollen neben einem Lohnplus von sechs Prozent durchsetzen, dass jeder mindestens 200 Euro im Monat mehr auf das Gehaltskonto überwiesen bekommt. Das käme vor allem denen mit geringen Verdiensten zu Gute. Denn 200 Euro würde für sie ein Plus von etwas über elf Prozent bedeuten - gemessen an ihrem Monatsverdienst. Bei den Besserverdienern dagegen wären es gerade einmal die geforderten sechs Prozent. Im öffentlichen Dienst wurden schon in früheren Tarifrunden solche sozialen Komponenten verabschiedet. Inzwischen zahlen Bund und Kommunen darum Hilfskräften oder Angelernten oft mehr als in der Privatwirtschaft - was aus Sicht der Gewerkschaften auch sinnvoll ist. Wer arbeite, solle seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Wenn der Staat hier spare, dann müsse er mit Hartz IV den zu gering bemessenen Lohn aus Steuermitteln wieder aufstocken. 

Die Vorstellung der Arbeitgeber

Bund und Kommunen haben diesmal vor allem die Fachkräfte im Blick. Sie werden im Vergleich zur Privatwirtschaft im öffentlichen Dienst meist schlechter bezahlt. Und da es auf dem Arbeitsmarkt in vielen Bereichen inzwischen einen Mangel an gut ausgebildeten Kräften gibt, haben öffentliche Arbeitgeber ein Problem: Fachpersonal geht dorthin, wo es mehr zu verdienen gibt. Deshalb will der Verhandlungsführer der Kommunen, Thomas Böhle, in dieser Tarifrunde mehr herausholen für die, die in Städten und Gemeinden dringend gesucht werden. Das sind nicht nur IT-Kräfte oder Hochqualifizierte. Manch eine Kommune tut sich - laut Böhle - schon schwer, einen Handwerker einzustellen.

Der mögliche Kompromiss

Um zum Ergebnis zu kommen, müssten Gewerkschaften und Arbeitgeber einen Weg finden, bei dem am Ende beide Forderungen berücksichtigt sind. So könnte man zum Beispiel beim Tarifgitter ansetzen – also weniger qualifizierte Tätigkeiten besser eingruppieren und bezahlen, dasselbe aber auch bei den qualifizierten Jobs tun. Dafür jedoch müsste man bei sämtlichen Berufsgruppen, die im öffentlichen Dienst vertreten sind, im Tarifsystem neu ansetzen. Das umzusetzen, niemanden schlechter zu stellen am Ende und es dennoch finanzierbar zu halten, ist allerdings ein enormer - nicht nur - zeitlicher Aufwand.                     


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Besserwisser, Dienstag, 17.April, 15:56 Uhr

11. Tarif

Wichtig wäre auch, endlich mehr für die Differenz zwischen Beamtenbezügen und Tarifgehältern zu tun. Die sind angesichts der üppigen Beamtenversorgung viel zu niedrig. Man vergleiche einfach mal die Nettobezüge und berücksichtige die nötigen Rücklagen für eine zumindest ansatzweise Rente in Pensionshöhe.

Vincent, Dienstag, 17.April, 13:29 Uhr

10. @9 Lorenzo

Das stimmt im ÖD nicht. In den letzten 20 Jahren ist das Gehaltsplus bei den untersten Entgeltgruppen am höchsten ausgefallen und oben am niedrigsten. Ungelernte Hilfskräfte liegen mittlerweile im ersten Dienstjahr schon bei 50% über dem Mindestlohn. Ein Ingenieur, dessen Jahressonderzahlung prozentual ebenfalls geringer ist, hat da netto evtl. 300-400 Euro mehr in der Tasche. Suchen Sie mal Spitzenkräfte für Verhandlungen im IT-Bereich, die sich mit 2700 Euro brutto (E9) begnügen. Fähige Bauingenieure, die bei komplexen Vorhaben den Überblick behalten, werden Sie so auch kaum finden. Nicht falsch verstehen: es ist okay, wenn der Staat den unteren Gruppen so viel mehr anbietet als die Privatwirtschaft. Und das erwartet keiner für die oberen Gruppen. Aber eine kleine Anpassung würde das Problem beheben. Und der Mangel an motivierten Spitzenleuten ist nicht unten. Dort bewerben sich für den Bereich bereits die Besten, weil sie dort viel mehr verdienen als privatwirtschaftlich.

Lorenzo, Dienstag, 17.April, 02:11 Uhr

9. Na und

Profitieren Geringverdiener mehr als andere? Die Überschrift klingt schon etwas provokant. In der Vergangenheit haben untere Lohngruppen oft genug den Kürzeren gezogen. Die Schere ging immer weiter auseinander. Da gibt es nichts zu kritisieren, wenn es mal umgekehrt läuft.

Heinrich, Montag, 16.April, 21:18 Uhr

8. Das alte Spiel

Man spielt die Parteien gegeneinander aus, und während die sich einander bekämpfen kann man in Ruhe das machen, was eben diese nicht wissen sollen.

Nur um die ganzen Überlegungen einmal abzurunden sollte auch bedacht werden, wer denn den öffentlichen Dienst finanziert, um den es hier geht.

Barbara, Montag, 16.April, 20:02 Uhr

7. Hier ist nur von "Besser-Verdienern" und "Gering-Verdienern" die Rede!

Daß es auch Millionen "Armuts-Verdiener" und "Armuts-Rentner" gibt, die die steigenden Mieten nicht mehr bezahlen können, das wissen anscheinend viele nicht..

  • Antwort von Truderinger, Montag, 16.April, 20:23 Uhr

    Nein, weil es auch keine Millionen sind! Das kann man Ihnen aber scheinbar nicht beibringen!

  • Antwort von Barbara, Montag, 16.April, 20:42 Uhr

    Truderinger hat von der Realität im Lande NULL Ahnung! Ein Drittel der Bevölkerung lebt in absoluter Armut. Die Obdachlosen werden immer mehnr! Aber Truderinger will immer alles besser wissen.

  • Antwort von Lorenzo, Dienstag, 17.April, 02:02 Uhr

    Also dass ein Drittel hierzulande in absoluter Armut leben sollen erscheint etwas übertrieben. Aber auch relative Armut ist schon schlimm genug. Und Truderinger, es ist nicht in Ordnung, wie Du die Lage verharmlost. Warst Du ausserdem nicht der, der bei der Debatte um die Umrüstung von Dieseln auf Staatskosten für mehr Gemeinschaft und weniger Egoismus war? Scheinbar bist Du nur für Gemeinschaft, wenn sie dir nützlich ist.