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Fauna-Flora-Habitat Streit um Schutzgebiet im Tölzer Land

Im Flora-Fauna-Habit-Gebiet Jachenau wird es ernst. Um den Schutz der verschiedenen Lebensräume und seltenen Tier- und Pflanzenarten zu gewährleisten, werden Pläne geschmiedet - sehr zum Verdruss der Landwirte und Waldbesitzer. Sie fürchten Ertragseinbußen.

Von: Herbert Hackl

Stand: 23.10.2017

Das Fauna-Flora-Habitat- gebiet (FFH) „Jachenau und Extensivwiesen bei Fleck“ besteht aus einem Mosaik unterschiedlichster Lebensräume, wie Flussauen, Hochmoore und Waldmeister-Buchenwälder, mit selten gewordenen Pflanzen und Tieren. Jetzt sollen sogenannte Managementpläne entstehen, die die künftige Pflege und Bewirtschaftung der Flächen regeln. Einige Landwirte und private Waldbesitzer befürchten dadurch Mehraufwand und Einbußen. Sie wollen bei der Erstellung der Managementpläne ein Wörtchen mitreden.

Netzwerk für das Naturerbe

Schon in den 1990er Jahren wurden in der Jachenau Flächen bestimmt, die in das große Europäische Projekt Natura 2000 eingebunden werden sollten. Ziel dieses Projekts ist ein Netzwerk an natürlichen und naturnahen Lebensräumen, das sich über ganz Europa erstreckt. Innerhalb dieses Netzwerks – so der Gedanke – haben bedrohte Tier und Pflanzenarten Möglichkeiten zu wandern, die Populationen zu vermischen um letztlich dauerhaft zu überleben.

Naturschutz wird endlich konkret

Jahrelang waren die Gebiete nur ausgewiesen und bei der EU gemeldet. Nun soll der konzeptionelle Schutz aber auch konkret werden, mit Hilfe von Managementplänen. Das Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen ist federführend mit deren Erstellung betraut. Um aber die richtigen Maßnahmen zum Schutz der Natur zu beschließen muss man genau wissen, in welchem Zustand sie ist. Deswegen werden die Flächen nun ein Jahr lang von Forst- und Offenland-Experten kartiert.

Angst vor Auflagen

Gehören die schützenswerten Flächen dem Staat, müssen die Managementpläne dort verbindlich umgesetzt werden. Für private Grundstücksbesitzer ist die Umsetzung freiwillig. Aber es kann dennoch sein, dass Landwirte und Waldbauern nicht mehr alles dürfen. Das Errichten von Gebäuden ist dann – wenn überhaupt – nur noch mit teuren Gutachten und viel bürokratischem Aufwand möglich. Andere Eingriffe oder bestimmte Bewirtschaftungsformen, könnten verboten werden. Sogar die Bewirtschaftung angrenzender Gebiete kann beeinträchtig sein. Das alles verunsichert die privaten Grundstückseigentümer. Sie wollen deshalb einen offenen Dialog mit den Behörden.

Prozess transparent gestalten

Die Behörden wissen, dass die Betroffenen beim FFH Gebiet „Oberes Isartal“ nicht eingebunden waren in die Entstehung der Managementpläne. Auch deshalb ist das Misstrauen groß. Diesmal soll es laut Christian Webert vom AELF Holzkirchen aber anders laufen. Es werde ‚Exkursionen‘ geben, bei denen die privaten Grundbesitzer erfahren und darüber diskutieren können, welche Auswirkungen die Regeln für den Naturschutz in den einzelnen Gebieten haben können. Auf diese Weise, so hofft Webert, lassen sich viele Befürchtungen aus dem Weg räumen. Außerdem werden die Entwürfe der Managementpläne auch öffentlich ausliegen und jeder könne dann Einwände vorbringen.

Vorrang der Natur

Klar ist: Der Schutz der Natur verträgt nicht beliebig viele und beliebig großzügige Kompromisse. Trotzdem hoffen die Behörden mit dem offenen Dialog gemeinsam mit den Bürgern vor Ort, den Schutz der Natur vorantreiben zu können. Schließlich wissen die Menschen in der Jachenau auch, welch wertvolles Kapital sie da haben.


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