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Zweiter Tag im Doping-Prozess: Wie in einem Agententhriller | BR24

© picture-alliance/dpa

Die Mitangeklagte Diana S. (rechts) mit ihrer Anwältin Eva Maria Krötz,

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    Zweiter Tag im Doping-Prozess: Wie in einem Agententhriller

    Am zweiten Tag des Prozesses gegen das Blutdoping-Netzwerk um den Erfurter Mediziner Mark Schmidt hat eine Mitangeklagte ausgesagt. Sie skizzierte ein Bild, das einem Agententhriller gleicht: Tarnnamen, Handyanweisungen, Bluttausch am Fließband.

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    Am zweiten Verhandlungstag des größten Doping-Prozesses in der Geschichte Deutschlands sagte die mitangeklagte Krankenschwester Diana S. aus. Sie war 2017 vom Hauptangeklagten, dem Erfurter Sportmediziner Mark Schmidt, angeworben worden. Sie nannte vor allem finanzielle Aspekte für ihre Beteiligung.

    Sie fuhr für Mark S. quer durch Europa, um Sportlern Blut abzunehmen und wieder zuzuführen. Das passierte auf Hotelzimmern, aber auch Orten wie Autorückbänken. Im Dopingprozess gegen den Erfurter Arzt hat eine Gehilfin ausgesagt und ihre Beweggründe genannt.

    Geldsorgen und Schuldgefühle

    200 Euro am Tag habe ihr Schmidt pro Tag zugesagt. Allerdings nur, wenn sie an dem Tag auch Blut abnahm oder zurückführte. An- und Abreisetage zu den geheimen Treffen mit Sportlern, etwa nach Skandinavien oder nach Österreich, zählten nicht.

    Kennengelernt haben sich Diana S. und Schmidt beim Job. Der Arzt habe ihr bei privaten Problemen spontan geholfen, auch finanziell. Dies habe dazu geführt, dass sie zwar aussteigen wollte, aber sich dabei stets schlecht gefühlt habe. "Als ich sagte, ich will das nicht, ich kann nicht, dann war da immer das Argument, dass ich Geld brauchen würde und dass er mir ja auch geholfen hat", sagte die alleinerziehende Mutter dreier Kinder.

    Blutdopingpraxis - eine kleine Horrorshow

    Die Details der Schilderungen, wie das Blutdoping ablief, erinnerten an einen schlechten Agentenfilm. Diana S. habe minutiöse Anweisungen aufs Handy bekommen: Wann soll sie mit welchem Auto wohin fahren? Wer bekommt wieviel Blut? Wenn sie eine Maschine zur Blutaufbereitung nicht verstand, leistete Schmidt am Telefon Hilfestellung.

    Europaweites Doping-Netzwerk

    Auch sonst wirkten ihren Erzählungen fast schon surreal. Fertig gepackte Rucksäcke im goldenen Audi, Kontaktpersonen mit Codenamen wie "General" oder "Triple X", Bluttransfusionen ohne Handschuhe und Tupfer - und das alles quer durch die Europa vom estnischen Tallinn über Falun in Schweden bis ins Zillertal, durch Hotelzimmer, Trachtenläden und Möbelgeschäfte.

    "Die Behandlungen waren immer so, dass vor dem Rennen das Blut rein ging und nach den Rennen das Blut raus ... Die Beutel waren fertig. Was raus musste, habe ich per Whatsapp oder Telefonate bekommen." Die Mitangeklagte Diana S.

    Der Hauptangeklagte Mark Schmidt verfolgte die Aussagen mal mit einem Kopfschütteln, mal nickend. Laut Staatsanwaltschaft soll er seit 2011 in über 100 Fällen Blutdoping an Spitzensportlern durchgeführt haben.

    Dritter Prozesstag am Dienstag

    Der 42-Jährige sagte bisher nicht vor Gericht aus. Sein Anwalt Alexander hatte allerdings am ersten Prozesstag angedeutet, dass sich sein Mandant Ende September oder Anfang Oktober äußern werde. Am kommenden Dienstag ist der dritte Prozesstag. Insgesamt sind 26 Verhandlungstage angesetzt.