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Zuschauerrückkehr: Der Widerstand gegen die Politik wächst | BR24

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Ein Geist mit Schild "Wie geht's weiter?" in der Nürnberger Eis-Arena

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    Zuschauerrückkehr: Der Widerstand gegen die Politik wächst

    Profi- und Amateurfußballklubs kämpfen um die Rückkehr von Zuschauern in die Stadien. Nach und nach melden sich weitere Sportarten wie Eishockey und Handball zu Wort. Vor allem in Bayern wächst der Widerstand gegen das rigorose "Nein" der Politik.

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    Seit Fußball-Bundesligist RB Leipzig angekündigt hat, beim Bundesligaauftakt gegen Mainz vor bis zu 8.400 Zuschauern spielen zu wollen, melden sich immer mehr Verbände und Vereine, die den Sachsen nacheifern wollen.

    Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) lässt derzeit seine Mitglieder abstimmen, ob er gerichtlich gegen das Zuschauerverbot bei Amateurspielen in Bayern vorgehen soll. Fußball-Regionalligist 1. FC Schweinfurt will per Eilantrag beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof durchsetzen, dass er vor Zuschauern spielen darf.

    Deutsche Eishockey-Liga: "Wir wollen kein Harakiri"

    Nach diesen Vorstößen wagen sich auch andere "große" Sportarten wie Eishockey-Verbände oder die Handball-Bundesliga in die Offensive. Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), befürchtet das große Chaos in der neuen Saison, die im November beginnen soll.

    "Wenn es dabei bleibt, dass in Bayern keine und in Nordrhein-Westfalen nur 300 Zuschauer erlaubt werden, dann wird es sehr schwierig für uns. Wir wollen kein Harakiri", sagte Tripcke. Man habe die Beschlüsse des Bund-Länder-Gipfels in der vergangenen Woche so verstanden, dass Sportevents "unter der Einhaltung von Hygienestandards mit Zuschauern möglich sind", erklärte der DEL-Chef.

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    DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke

    Nürnberg Ice Tigers befürchten das "Aus"

    Nur: Dies könnte einigen Klubs durchaus helfen, den bayerischen Teams nach aktuellem Stand aber nicht. Die werden nun teilweise selbst aktiv. "Ich habe Herrn Söder einen Brief geschrieben und warte auf seine Antwort. Wir sind keine Sportart, die man so einfach aus- und anknipsen kann", sagte Wolfgang Gastner, Geschäftsführer der Nürnberg Ice Tigers, der sogar das komplette "Aus" des Vereins befürchtet.

    "Wenn wir keine Zuschauer haben, benötigen wir dringend weitere finanzielle Hilfen, sonst wäre bei uns im Januar oder Februar eventuell Schluss." Ice-Tigers-Geschäftsführer Wolfgang Gastner

    Die Nürnberger haben einen Antrag gestellt auf Unterstützung aus dem Konjunkturpaket des Bundes. Maximal 800.000 Euro könnte der Klub bekommen. Für eine Saison ohne Zuschauer würde dies bei weitem nicht ausreichen, erklärt Gastner: "Wir benötigen für einen solchen Fall weitere Finanzhilfen. Hier ist auch der Freistaat gefordert. Wir zahlten schon eine Menge Steuern und wollen auch in der Zukunft eine Menge Steuern zahlen."

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    Ice-Tigers-Geschäftsführer Wolfgang Gastner

    Selbst vermeintlich "reiche" Klubs wie Meister Adler Mannheim oder der EHC München hätten Probleme ohne Fans. "Aus unserer Sicht ist das Spielen vor Zuschauern unter Einhaltung aller Hygienevorschriften ab November möglich und notwendig", teilten beispielsweise die Münchner mit.

    Eishockey-Oberliga: Kein Geld aus dem Hilfepaket des Bundes

    Noch heikler ist die Situation in den Oberligen, die unter der Regie des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) abgewickelt werden. Die Ligen-Vertreter haben sich in einer Telefonkonferenz am Mittwoch über die Zukunft ausgetauscht.

    "Unser Ziel für die Oberliga ist es, zu spielen und dann zu prüfen, unter welchen Bedingungen das möglich ist", sagt Sportdirektor Stefan Schaidnagel: "Die Zuschauerkapazität wird der entscheidende Knackpunkt sein. Wir werden nicht lockerlassen, für Verständnis und Unterstützung in der Politik zu kämpfen."

    Die Probleme der Oberliga: Die Saison soll eigentlich noch früher als in der DEL starten, nämlich schon Mitte Oktober. Die Zeit drängt also noch mehr. Und: Nach aktuellem Stand dürfen die Oberliga-Klubs keine finanzielle Unterstützung aus dem Hilfepaket der Bundesrepublik erwarten. Denn das ist bisher den Profivereinen vorbehalten.

    Deshalb "wurde vereinbart, bei der Politik mit Nachdruck für eine Aufnahme der beiden Oberligen als höchste DEB-Ligen in das Corona-Hilfspaket der Bundesregierung für professionelle und semiprofessionelle Mannschaftssportarten zu werben." Ohne finanzielle Hilfen dürfte es für die meisten Oberliga-Klubs eng werden, die neue Saison ohne Zuschauer zu überstehen. Am 15. September soll es die nächste Sitzung geben und entschieden werden, ob und wann die beiden Oberligen tatsächlich starten.

    "Wir stellen fest, dass Bewegung in die Diskussion um Sportveranstaltungen gekommen ist, deshalb arbeiten wir weiter konstruktiv und zielorientiert an Lösungen." DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel
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    DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel

    Handball-Pilotspiele wurden abgesagt

    Frust pur derzeit auch bei den Verantwortlichen der Handball-Bundesliga (HBL). Ursprünglich hätten in Düsseldorf am 12. und 19. September Testspiele mit Pilotcharakter für den Ligabetrieb vor Zuschauern stattfinden sollen.

    Weil die neue, seit dem 1. September gültige Corona-Schutzverordnung in Nordrhein-Westfalen aber nur noch maximal 300 Zuschauer erlaubt, sahen die Arenen-Betreiber den Testcharakter nicht mehr gegeben, um "die Konzepte auf den regulären Ligabetrieb der Klubs der Indoor-Ligen zu projizieren und zum anderen steht der Aufwand der Umsetzung in keinerlei Verhältnis zur Zuschauerkapazität."

    Die aktuelle Situation sorgt nicht nur bei HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann für Kopfschütteln. "Es müssen künftig endlich Entscheidungen auf Faktenbasis getroffen werden und nicht mehr, so wie es aktuell der Fall ist, nach politischer Kurzwetter-Lage", schimpft Bohmann.

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    HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann

    Die HBL hat über Monate ein Hygienekonzept entwickelt. "Deshalb wollen wir eine Chance bekommen, es mit einer nennenswerten Anzahl von Zuschauern beweisen zu können", fordert Bohmann. Doch wie im Fußball deutet vieles daraufhin, dass die Vereine wohl individuell aktiv werden müssen. Bundesligist DHfK Leipzig kündigte bereits an, dass ein Saisonstart am 1. Oktober mit Zuschauern realisiert werden soll.

    Zuschauer in Leipzig - leere Hallen in Erlangen und Coburg?

    "Wir sind deckungsgleich mit RB Leipzig unterwegs. Wir gehen davon aus, dass wir zum ersten Saisonspiel am 1. Oktober vor einer nennenswerten Anzahl von Zuschauern spielen werden", sagte Leipzigs Geschäftsführer Karsten Günther. Die bayerischen Bundesligisten HC Erlangen und HSC 2000 Coburg haben angesichts der aktuellen Coronalage in Bayern dagegen keine Chance, Zuschauer bei ihren ersten Heimspielen in die Halle zu lassen.

    Coburg und Erlangen hoffen noch auf grünes Licht

    Aufgegeben haben die Verantwortlichen allerdings noch nicht. In Coburg hat der HSC 2000 ein umfassendes Hygienekonzept erarbeitet, am Donnerstag fand eine Hallenbegehung mit dem Gesundheitsamt statt. Das erste Heimspiel ist am 6. Oktober gegen Leipzig angesetzt.

    "Unser Konzept liefert viele Antworten, wie es möglich ist, eine gewisse Anzahl an Zuschauern in die Halle zu bekommen, ohne gesundheitliche Risiken einzugehen", sagte Geschäftsführer Jan Gorr: "Wir wollen einen weiteren Schritt in Richtung gewohntem Alltag gehen, und wenn die Indikatoren passen, glauben wir, dass wir mit unserem Konzept einen sehr guten Weg gefunden haben."

    Auch der HC Erlangen hat ein Hygienekonzept, Geschäftsführer René Selke hofft, dass die Politik in Bayern doch noch einlenkt und die momentan bis zum 18. September befristete Zuschauerbeschränkung fällt. "Sollte sie unverändert verlängert werden, wäre das natürlich ein schwerer Schlag für alle bayerischen Sportvereine. Wir sind und bleiben im engen Dialog mit allen Behörden und Entscheidungsträgern und hoffen dabei auf ein klares Zeichen aus der Politik, damit wir endlich verlässliche Rahmenbedingen erhalten", so Selke.