Stadion in Katar

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WM in Katar: Gibt es Fortschritte bei der Menschenrechtslage?

WM in Katar: Gibt es Fortschritte bei der Menschenrechtslage?

In zwei Monaten beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Und die Kritik an der Vergabe ebbt nicht ab. Vor allem die Menschenrechtslage im Wüstenstaat steht im Mittelpunkt der Beanstandungen.

Ein Team von rbb, BR und der Wochenzeitung "die Zeit" sind nach Katar gereist, um zu sehen, was von der Kritik zu halten ist. Sie waren schon dort, wo bald um den WM-Pokal gekämpft wird.

In Katars Hauptstadt Doha steht eines der neuen WM-Stadien. Es ist voll klimatisiert. "Wenn es draußen 50 Grad hat, halten wir hier drin 21 Grad. Wir berechnen die ganze Zeit, wie trocken die Luft ist, damit der Schweiß der Spieler verdunsten kann" und das alles automatisch, erklärt Dr. Saud Abdul Ghani ein Professor der Qatar University. Er hat diese speziellen Klimaanlagen erfunden.

Wer zahlt den Preis für die modernen Stadien?

Die Technik ist beeindruckend, aber die Kritik an Katar während der Bauphase überschattet dies: Menschenrechtsverletzungen, ungeklärte Todesfälle unter Bauarbeitern. Katar ist eine knallharte Klassengesellschaft. Das Emirat hat ca. 2,9 Millionen Einwohner, rund 90 Prozent von ihnen sind Ausländer. Die Rechte von einfachen Gastarbeitern entsprechen keineswegs westlichen Standards, trotz einiger aktueller Reformen.

Katar macht kleine Fortschritte

Kenneth Roth ist ein US-amerikanischer Jurist und war lange Zeit Geschäftsführer von Human Rights Watch, er sieht durchaus gute Ansätze in Katar: "Jetzt gibt es einige Verbesserungen, es gab eine Anhebung des Mindestlohns und eine Reihe von Urteilen gegen Diskriminierung. Es gibt also positive erste Schritte, aber das Problem bleibt wirklich die Umsetzung."

Hohe Strafen für Homosexuelle

Fortschritte gab es noch keine beim Thema Homosexualität. Homosexuelle Handlungen sind in Katar noch immer strafbar.

Die Frage bleibt aber, sind Homosexuelle als Fans bei der Fußball-Weltmeisterschaft dennoch willkommen? Der Emir von Katar, Tamim Bin Hamad Al Thani, betonte im Mai nach einem Besuch bei Bundeskanzler Olaf Scholz in Berlin: "Jeder ist in Doha willkommen. Wir hindern niemanden daran zu kommen und Fußball zu schauen. Aber wir erwarten und wollen auch, dass die Menschen unsere Kultur respektieren." In spätestens zwei Monaten wird sich zeigen, was diese Worte genau in der Praxis bedeuten.

Mehr Hintergrund-Infos zum Thema Katar gibt es hier:

Wie konnte das Emirat Katar so mächtig werden? Dieser Frage geht die Dokumentation "Geld Macht Katar" nach. Teil 2 heute Abend (22.09.) um 21:45 Uhr im Ersten bei "Kontraste" und die gesamte Doku „Geld.Macht.Katar.“ heute (22.09.) ab 16 Uhr in der ARD Mediathek.

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