DFB-Bundestrainer Hansi Flick.

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WM 2022: Flick kritisiert Austragungsort Katar scharf

WM 2022: Flick kritisiert Austragungsort Katar scharf

Zwei Monate vor dem Start der Fußball-WM in Katar sind der Gastgeber und die FIFA im Rahmen eines Menschenrechtskongresses erneut heftig in die Kritik geraten. Auch DFB-Coach Hansi Flick verurteilt die Vergabe an den Wüstenstaat.

Zwei Monate vor Beginn der umstrittenen Fußball-WM in Katar (20. November bis 18. Dezember) verurteilte Bundestrainer Hansi Flick in bisher einmaliger Schärfe die Vergabe des Turniers an das Emirat. Die Frage nach der Richtigkeit des WM-Zuschlags für den Austragungsort "hätte schon viel früher beantwortet werden müssen - und zwar mit einem Nein!", stellte Flick in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" fest.

Eindeutige Positionierung von Hansi Flick

An seiner Unterstützung für Kritik an den Bedingungen im Land der WM-Gastgeber und der Entscheidung des Weltverbandes FIFA für die Ausrichtung des Turniers in dem Wüstenstaat ließ der 57-Jährige keinerlei Zweifel bestehen: "Dass in Katar beim Thema Menschenrechte, beim Thema Nachhaltigkeit Vieles nicht stimmt, ist ja offensichtlich." So eindeutig wie nun Flick hat sich in den jahrelangen Debatten um die WM-Endrunde am Golf beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) noch kein Mitglied gegenüber den Gastgebern positioniert.

Menschenrechtskongress: Druck erhöht sich auf Katar

Bei einem Menschenrechtskongress auf dem DFB-Campus in Frankfurt/Main wurde der Druck von vielen Seiten auf das Emirat und die FIFA erhöht. Auch die Rolle des DFB wurde kritisch hinterfragt. Konkret forderte die Gewerkschaft Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI) von der FIFA die Einrichtung eines Entschädigungsfonds in Höhe von 440 Millionen US-Dollar für die Angehörigen von Arbeitern, die auf WM-Baustellen gestorbenen sind oder verletzt wurden. DFB-Präsident Bernd Neuendorf unterstützte die Einrichtung eines solchen Fonds. Er betonte, dass auch die FIFA in der Verantwortung steht.

Katars Botschafter in Deutschland, Abdulla Bin Mohammed bin Saud Al-Thani, verteidigte sein Land gegenüber der umfassenden Kritik. Katar habe mit Reformen begonnen, sei auf dem "richtigen Weg", brauche aber "noch Zeit".

Nationalmannschaft will Balance finden

Auch die Spieler können sich der Debatte um die Lage in Katar nur schwer entziehen. Noch vor der Partie gegen Überraschungstabellenführer Ungarn soll es weitere Briefings in Gesellschaftskunde für die Nationalspieler geben.

Oliver Bierhoff machte aber auch klar: Politik ist wichtig und Fußball ab einem bestimmten Zeitpunkt wichtiger. "Wir müssen darauf achten, diesen Spagat zu finden, zwischen der Verantwortung und dem Bewusstsein, das wir als Menschen haben. Auf der anderen Seite gehen wir als deutsche Fußball-Nationalmannschaft rüber. Wir vertreten unser Land, wir wollen erfolgreich Fußball spielen", so der DFB-Geschäftsführer.

Katar-Kritik soll Lust am Turnier nicht verderben

Die Katar-Kritik dürfe "nicht dazu führen, dass wir keine Lust am Turnier haben. Sondern, dass wir uns auf eine Weltmeisterschaft freuen, auf das Messen mit den Besten der Welt, dass wir Deutschland vertreten können und hoffentlich den nächsten Stern holen", lautete Bierhoffs sportliche Vorgabe.

Auch Nationalspieler Joshua Kimmich fiebert trotz der anhaltenden Kritik dem Turnier entgegen: "Auf eine WM hat man als Fußballspieler natürlich extreme Lust. Natürlich ist es in diesem Fall so, dass viel darüber diskutiert wird, auch zurecht diskutiert wird", so der Bayern-Profi. Aber er meinte auch, dass man die heiß debattierten Punkte wie Menschenrechte, Arbeitsbedingungen und klimatische Bedingungen alle schon vorher wusste, "bevor die WM vergeben wurde!"

Kimmich: Boykott ist keine Lösung!

"Am Ende des Tages wird immer mal wieder ein Boykott von uns Spielern gefordert. Ich glaube, da sind wir einfach zwölf Jahre zu spät dran", argumentierte der Nationalspieler mit Blick auf die Vergabe des Turniers durch den Weltverband FIFA im Jahr 2010. "Es wäre wichtig gewesen, dass man sich vorher Gedanken darüber macht, was ist wichtig für ein Land, das sich bewirbt, und wie müssen da die Voraussetzungen sein. Im Nachhinein zu sagen, das ist schlecht, das ist schlecht, finde ich schwierig, weil diese Missstände, die man ausmacht, gab es vorher schon", betonte Kimmich.

Joshua Kimmich

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