Der WM-Pokal
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Der WM-Pokal: In Katar kämpfen 32 Teams um die wahrscheinlich begehrteste Trophäe im Fußball

    WM 2022: Ein Team ragt unter den Turnierfavoriten heraus

    Sportlich könnte die Fußball-WM in Katar interessant werden wie lange nicht. Das Teilnehmerfeld ist ausgeglichen wie selten zuvor. Nur eine Mannschaft reist ohne große Probleme im Gepäck nach Katar. Doch welche Teams haben Chancen auf den Titel?

    Eine Weltmeisterschaft im Dezember und November - das macht die WM in Katar, neben aller politischen und gesellschaftlichen Umstände, zu einem ungewöhnlichen Turnier. Denn ein Start dieses Turniers mitten in der Saison der großen europäischen Ligen gab es in dieser Form noch nie.

    Auch deshalb ist die Frage, wer als Favorit nach Katar fliegt, so offen wie nie. Denn Mannschaften mit vielen Spielern, die in Europa aktiv sind, hatten kaum Zeit, sich gemeinsam auf diese WM vorzubereiten. Keine großen Trainingslager, kaum Testspiele, wenig Zeit sich zu akklimatisieren. Für die Europäer geht es von winterlichen Temperaturen ins 32 Grad warme Katar. Dennoch: den Favoriten-Status verlieren die Top-Nationen auch in diesem Jahr nicht.

    Brasilien - Der Topfavorit

    Bei all den Fragezeichen, ist der fünffache Weltmeister wohl der Top-Favorit auf den Titel in diesem Jahr. Die Mannschaft ist so stark besetzt wie seit 20 Jahren nicht mehr, als die Brasilianer die WM in Südkorea und Japan im Finale gegen Deutschland gewannen.

    Denn die Selecao reist mit einem extrem breiten Kader an, ist auf fast jeder Position doppelt mit Top-Spielern besetzt und kommt zusätzlich mit jeder Menge Erfahrung nach Katar. Im Tor hat man endlich wieder zwei Spitzenleute: Alisson (FC Liverpool) und Ederson (Manchester City) sind aktuell zwei der besten Torhüter der Welt. Die Innenverteidigung aus Marquinhos (Paris Saint-Germain), Thiago Silva (FC Chelsea) und Eder Militao (Real Madrid) ist alles andere als anfällig für Fehler - auch weil im Mittelfeld Casemiro (Real Madrid), Fabinho (FC Liverpool) und Bruno Guimarães (Newcastle United) ordentlich aufräumen.

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    Gute Stimmung im Nationalteam: Casemiro (li.) und Neymar beim Training

    Zudem ist die Auswahl, die Trainer Tite im Angriff zur Verfügung hat, fast schon schwindelerregend. Neymar, der in dieser Saison in absoluter Topform zur WM reist, und Vinicius Jr. (Real Madrid) dürften gesetzt sein. Dahinter streiten sich unter anderem Rodrygo (Real Madrid), Gabriel Jesus (FC Arsenal), Antony (Manchester United), Raphinha (FC Barcelona) und Richarlison (Tottenham Hotspur) um Minuten.

    Einzige Schwachstelle ist ausgerechnet die Außenverteidigung, die in den vergangenen Turnieren mit Marcelo und Dani Alves das absolute Prunkstück der Brasilianer war. Und so bekam der ehemalige Barcelona-Spieler Alves auch im hohen Alter von 39 Jahren noch ein Ticket nach Katar.

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    Ein letzter Anlauf: Lionel Messi will seiner Karriere bei der WM die Krone aufsetzen

    Argentinien - Messis letzter Tanz

    Aufgrund der klimatischen Verhältnisse in Katar könnten die südamerikanischen Teams einen Vorteil haben, vermuten Experten. Die zweite große Mannschaft, die es zu beachten gilt, ist Argentinien. Hier werden alle Augen wieder mal auf Lionel Messi gerichtet sein. Mit 35 Jahren spielt er wohl seine letzte Weltmeisterschaft. Nach einer schwachen ersten Saison in Paris, ist Messi pünktlich zu seinem finalen Angriff auf den goldenen Pokal, den er noch nicht gewinnen konnte, mal wieder in Topform.

    Doch für seinen letzten Tanz hat Messi wenig fußballerische Prominenz an seiner Seite. Zwar ist der Sturm mit Angel Di Maria (Juventus Turin), Lautaro Martínez (Inter Mailand) und Paulo Dybala (AS Rom) stark besetzt. Doch in allen anderen Mannschaftsteilen sucht man vergeblich nach den ganz großen Namen.

    Doch unterschätzen sollte man die Albiceleste auf keinen Fall. Mit dieser Truppe konnte Trainer Lionel Scaloni im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 1993 die Copa América gewinnen. Zudem ist die "Albiceleste" seit nunmehr 36 Partien ungeschlagen und greift den Rekord der Italiener (37) an. Hinzu kommt ein Lionel Messi, der seiner Karriere unbedingt die Krone aufsetzen möchte.

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    Jugend forscht: Luis Garcia (links), Gavi (Mitte) und Pedri (rechts) sind nur drei der vielen hochbegabten Youngsters

    Spanien - Auf der Suche nach alter Stärke

    Und was machen die Europäer? Mit Spanien ist bei großen Turnieren immer zu rechnen. Wer nach den alten, großen Namen in Spaniens Kader sucht, wird allerdings genau hinschauen müssen. Einer von ihnen: Sergi Busquets (FC Barcelona). Der 34-Jährige wird auch in Katar wieder Hirn und Herz der Mannschaft von Luis Enrique sein. Auf den Außen werden Jordi Alba (FC Barcelona) und Dani Carvajal (Real Madrid) verteidigen. Sonst ist vom Kern der Weltmeistermannschaft 2010 nichts mehr übrig.

    Drumherum setzt Enrique auf eine Mischung aus Jugend - allen voran die drei Barca-Youngsters Gavi, Pedri und Ansu Fati - und Erfahrung. Koke, Alvaro Morata (beide (Atletico Madrid), Rodri und Aymeric Laporte (beide Manchester City) werden mit dem ganz alten Kern wohl das Gerüst bilden, in dem sich die jungen Wilden kreativ ausleben sollen. Ein spannendes Projekt, das in der Qualifikation phasenweise sehr gut funktionierte. Wie gut das bei der WM funktioniert, wird man spätestens am Sonntag (27.11.), sehen. dann trifft Spanien in der Gruppe auf Deutschland.

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    Gefährliches Sturmduo: Kylian Mbappe und Karim Benzema

    Frankreich - Verletzungen und Unruhe

    Als Titelverteidiger startet Frankreich am Montag ins Turnier. Wäre da nicht die geradezu unheimliche Serie, dass die Titelverteidiger bei den letzten Weltmeisterschaften jeweils schon in der Vorrunde scheiterten (Italien 2010, Spanien 2014, Deutschland 2018), würden "Les Bleus" sicher als einer der Topfavoriten gelten.

    Der Kader jedenfalls hat es sin sich mit den zwei phänomenalen Stümern Kylian Mbappé (Paris Saint Germain) und Karim Benzema (Real Madrid). Dazu kommt der Bayernblock aus Kingsley Coman, Benjamin Pavard, Lucas Hernandez und Dayot Upamecano sowie Stars wie Ousmane Dembélé (FC Barcelona), Antoine Griezman (Atlético Madrid) und Raphael Varane (Manchester United).

    Doch das Mittelfeld des Titelverteidigers ist durch die Ausfälle von Paul Pogba (Juventus Turin), N'Golo Kanté (FC Chelsea) und Christopher Nkunku (RB Leipzig) stark geschwächt und abhängig von den unerfahrenen Real-Madrid-Spielern Aurélien Tchouaméni und Eduardo Camavinga. Außerdem gibt es in diesem Jahr jede Menge Unruhe rund um das Nationalteam.

    Gerüchte darüber, dass Pogba einen Voodoo-Zauber auf Mbappé hat legen lassen, Streit zwischen Spielern und Verband darüber, welche Sponsoring-Termine die Spieler wahrnehmen müssen, ein Verbandspräsident, der wegen unangemessenen Nachrichten an weibliche Angestellte stark in der Kritik steht und zuletzt die Kontroverse, dass Kapitän und Torwart Hugo Lloris keine Binde mit dem Slogan "One Love" um den Arm tragen möchte. Die Equipe Tricolore kennt sich mit Skandalen aus. Doch schon oft waren solche Unstimmigkeiten in der Mannschaft Grund für enttäuschende Turniere.

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    Ein Hauch vom EM-Spirit? Englands hofft auf Tore von Harry Kane

    England - Festhalten an den früheren Leistungsträgern

    England, das Mutterland des Fußballs, wartet seit 1966, also seit 56 Jahren, auf seinen zweiten WM-Titel. Diesmal gehören die "Three Lions", nicht zuletzt weil sie mit der Premier League die wohl beste Liga der Welt haben, mal wieder zum Favoritenkreis.

    Die Nominierung des WM-Kaders sorgte in England allerdings für einige Misstöne. Denn Gareth Southgate setzte bei der Zusammenstellung seines 26-Mann-Aufgebots auf einige Spieler, die in dieser Saison weit entfernt von ihrer alten Stärke sind.

    Innenverteidiger Harry Maguire wird wohl auch in Katar den Rückhalt von Southgate erhalten, wenngleich er bei Manchester United wegen einer Vielzahl von Fehlern als Kapitän nur noch eine Reservistenrolle inne hat. Auch Trent-Alexander Arnold fällt in dieser Saison häufig durch sehr passives Abwehrverhalten auf.

    Doch das Festhalten am Kern der Mannschaft, die bei der Europameisterschaft 2021 im Finale im Elfmeterschießen an Italien scheiterte, kann ein gutes Omen für diese England-Mannschaft sein. Wenn sich die alten Leistungsträger mit dem Vertrauen von Southgate stabilisieren, ist für diese Mannschaft vieles möglich.

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    Der Bayern-Block im Fokus: Die Stärke der Nationalmannschaft ist ihre Eingespieltheit

    Deutschland - Auf der Suche nach Wiedergutmachung

    Und Deutschland? Die "Turniermannschaft"? Das Aus in der Vorrunde bei der WM 2018 hat hierzulande eine Narbe hinterlassen. Eine Narbe, die das Achtelfinal-Aus bei der EM 2021 zweifelsohne nur noch vergrößert hat. Nun versucht sich nach 15 Jahren Jogi Löw mit Hansi Flick ein neuer Trainer als Wundheiler.

    Um das Team von Flick gibt es viele Fragezeichen: Kann die chronisch-schwache Außenverteidigung im Turnier zu neuer Stärke finden? Wer stopft den Hohlraum im Sturmzentrum? Wie viel sagt das schwache 1:0 im Testspiel gegen den Oman aus?

    Doch es gibt für alle Deutschland-Anhänger genügend Grund zur Hoffnung - und das nicht nur, weil die meisten anderen Top-Nationen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Denn in einer WM mit so wenig Vorbereitungszeit, ist es von Vorteil, wenn sich die Mannschaft gut kennt. Und bei keiner anderen Top-Mannschaft im Turnier ist das derart gegeben, wie bei der DFB-Elf.

    Denn der Bayernblock ist das Herzstück der Nationalmannschaft. Sieben potenzielle Stammspieler schicken die Münchner in bester Form nach Katar. Hinzu kommt Niklas Süle, der erst vergangene Saison von Bayern nach Dortmund gewechselt ist und die Teamkollegen sehr gut kennt. Wie praktisch, dass auch Flick eine Münchner Vergangenheit hat.

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    Wieder einmal Geheimfavorit? Kevin De Bruyne und Eden Hazard bei ihrer vielleicht letzten WM

    Die Underdogs

    Es ist die letzte Weltmeisterschaft der belgischen Mannschaft, die in diesem Jahrzehnt fast in jedes Turnier mit dem Stempel "Geheimfavorit" gestartet ist. Thibaut Courtois, Jan Vertonghen, Toby Alderweireld, Thomas Meunier, Axel Witsel, Kevin De Bruyne, Eden Hazard und Dries Mertens sind mittlerweile allesamt jenseits der 30. Und auch die anderen Leistungsträger wie Romelu Lukaku und Yannick Carrasco sind nur knapp darunter. Vielleicht gelingt dem Geheimfavorit ja diesmal der große Coup - die Rolle ist ihnen jedenfalls bestens bekannt.

    Auch im Kader der Niederlande findet sich jede Menge Erfahrung. Kombiniert mit vielen kreativen, jungen Spielern wie Frankie de Jong, Xavi Simons und Cody Gakpo könnte Oranje unter Coach Luis van Gaal einen ansehnlichen Fußball in Katar zeigen. Die Innenverteidigung aus Bayern-Kante Mathijs de Ligt und Virgil van Dijk dürfte zumindest optisch die einschüchternste im ganzen Turnier sein. Ein Finaleinzug wäre allerdings dennoch eine sehr große Überraschung.

    Senegals Chancen nach Manés WM-Ausfall gesunken

    Bleiben noch die Teams aus Afrika. Schon seit einiger Zeit wird erwartet, dass es endlich mal eine Mannschaft aus diesem Kontinent wenigstens bis ins Halbfinale einer WM schafft. Kamerun (1990) und Ghana (2010) waren waren schon mal nah dran, vor vier Jahren in Russland schaffte es dann kein einziges afrikanisches Team überhaupt bis ins Achtelfinale.

    Die größten Chancen wurden im Vorfeld Afrika-Meister Senegal eingeräumt. Nach dem WM-Aus von FC-Bayern-Star Sadio Mané ist diese Hoffnung allerdings gewichen. Ob Ghana, Tunesien und Marokko in die Bresche springen können, ist fraglich.

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