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Wie sich das Torwartspiel seit Sepp Maier verändert hat | BR24

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Sepp Maier trainiert Oliver Kahn

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Wie sich das Torwartspiel seit Sepp Maier verändert hat

Torwart-Legende Sepp Maier hatte auf dem Spielfeld noch Zeit zur Entenjagd. Das kann sich FC Bayern-Keeper Manuel Neuer nicht mehr erlauben. Er spielt zwischendurch auch mal den Libero. Vieles hat sich verändert ...

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An einer legendären Szene, die sich im Mai 1976 im Münchner Olympiastadion ereignet hat, lässt sich ablesen, wie sehr sich der Torhüterjob verändert hat. "Das war das Spiel gegen Bochum daheim. Da haben wir 2:0 geführt und das Spiel war sehr langweilig und da hab ich mir gedacht, jetzt musst mal was machen", erzählt Maier. "In diesem Moment kommt so eine Flugente, da hab ich Gras gepflückt und sie gelockt“. Maier hechtete nach der Ente, verpasste sie allerdings.

Manu der Libero

Im Champions-League-Duell des FC Bayern beim FC Liverpool spielte Bayern-Keeper Manuel Neuer im Februar 2019 dagegen 70 Pässe, dass sind immerhin doppelt so viele, wie Stürmer Kollege Robert Lewandowski. Für Entenjagdszenen aus Langeweile war da keine Zeit mehr. Denn spätestens bei der WM 2014 wurde aus Neuer dem Torwart, Manu der Libero. "Das war schon anders als die anderen Spiele. Es war so, dass wir relativ hoch standen und das viele Bälle zwischen Abwehr und meinem Sechzehner halt in die Schnittstelle gespielt wurden und wo ich das eine oder andere Mal aushelfen musste", so Neuer.

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Sepp Maier als DFB-Torwarttrainer

Der moderne Torwart

Man könnte sagen, Neuer ist der beste deutsche Abwehrspieler. Auf jeden Fall ist er der Modernste: "Manuel Neuer ist der Torhüter der Zukunft. Der schlägt die Pässe so genau, wie Mittelfeldspieler über 30, 40 Meter in dem richtigen Tempo. Und das, musst du erst einmal können", sagt Maier. Die Katze von Anzing war zweifelsohne ein extrem ehrgeiziger, trainingsbesessener Torhüter. Aber rein körperlich doch eher der Rubrik drahtig zuzuordnen.

Der Torwart von heute ist in der Regel athletischer, viel öfter im Fitnessstudio. Das Spiel ist schneller geworden, die Geschwindigkeit der Torschüsse höher, deswegen muss der Schlussmann schneller reagieren und extreme Sprungkraft haben. Zudem das Spiel lesen können und mitspielen. Den Unterschied formuliert Maiers damaliger Lokalrivale Peter Radenkovic vom TSV 1860 München so: "Damals hat es geheißen, Junge bleib in deinem Kasten und halte, was auf dich zukommt. Das ist alles." Gehalten hat sich Radenkovic daran allerdings nie. Was das Torwartspiel anging war "Radi" mit legendären Dribbel-Ausflügen in die gegnerische Hälfte seiner Zeit voraus.

Maier erster Torwart-Trainer

Wobei Sepp Maier Radis Lied ja umgetextet hat in "Bin i Radi, bin i Depp, König ist der Maier Sepp“ und was den Torwart-Trainer Maier betrifft, stimmt das. Denn vor ihm gab es diesen Job im Fußball gar nicht. Mit seinen schweißtreibenden auf Reflexen ausgerichteten Übungen hat Maier das Torwart-Training auf eine ganz andere Ebene gehoben. "Das ist auch eine schöne Übung für die Reaktion. Und wenn ihr das einige Male quer über den Platz gemacht habt, dann habt ihr euch auf das Abendessen verdient", forderte Maier im Training. "Wenn’s euch dann noch schmeckt, vor lauter Anstrengung."

© BR/Markus Konvalin

Sepp Maier und Oliver Kahn

Maier verpasste Kahn einen ordentlichen Muskelkater

Profitiert hat davon vor allem einer: Oliver Kahn, der zum ersten Mal in der Nationalmannschaft mit Maiers Trainingsmethoden in Berührung kam. "Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich so einen Muskelkater gehabt. Ich kam mir in dem Training mit Sepp Maier vor, wie wenn ich gerade mit dem Torwartspiel angefangen hätte", erklärte Kahn. Sepp Maier gibt sein Wissen auch in zahlreichen Trainingsbüchern weiter. Davon können Torwart-Trainer bis heute profitieren.

Am Ende zählt, ob der Torwart hält

Beim FC Ingolstadt steht aktuell Philipp Tschauner im Tor. "Ich glaube, bei Sepp Maier durfte man sogar Rückpässe noch in die Hand nehmen“, so der 33-Jährige. Das war sogar weit nach Maiers Karriere Ende 1979 noch erlaubt. Erst seit 1992 gilt die heutige Rückpass-Regel. Spielt einer aus dem eigenen Team den Ball absichtlich zum Torhüter, ist die Hand tabu. Perfekt umgesetzt wurde die neue Regel direkt nach ihrer Einführung durch Edwin van der Sar. Der niederländische Rekordnationalspieler hat im Grunde schon damals gespielt, wie es die Trainer noch heute sehen wollen. Präzise Pässe aber keine riskanten Dribblings à la Radenkovic. Am Ende aber meint Tschauner, ist damals wie heute etwas ganz Anderes wichtig. Und vom Modebegriff Tor-Spieler hält er gar nichts. "Der Torwart ist für mich immer noch ein Torwart. Am Ende zählt einfach nur, wie viele Bälle er hält."

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Sepp Maier veränderte das Torwartspiel auch als Trainer