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Whistleblower Trungelliti: "Im Tennis wird manipuliert" | BR24

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Tennis ist ein sehr anfälliger Sport für Wettmanipulationen.

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Whistleblower Trungelliti: "Im Tennis wird manipuliert"

Tennis, der weiße Sport, hat schon lange keine weiße Weste mehr. Nur die Besten können wirklich gut von diesem Sport leben. Der Rest kämpft ums Überleben und dabei wird auch betrogen, wie Spieler Marco Trungelliti im exklusiven Gespräch verrät.

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Wer Whistleblower-Wuschelkopf Marco Trungelliti trifft, begreift wie weit Wettmanipulationen im Tennis wuchern und warum dieser Sport so anfällig ist. Der Argentinier ist seit Jahren in den Top 200 der Welt und einer der meist gehassten Spieler auf der Tour. Durch seine Infos an die Tennis Integrity Unit, die Anti-Korruptionseinheit in diesem Sport, hat er dafür gesorgt, dass drei Argentinier gesperrt wurden.

Trungelliti: "Man sieht, wenn Spieler manipulieren"

Darunter Nicholas Kicker, die ehemalige Nummer 78 der Weltrangliste. Andere – auch deutsche – Spieler nennen Trungelliti hinter vorgehaltener Hand einen Verräter und Nestbeschmutzer. Der kontert mit Fakten: "Man sieht, wenn Spieler manipulieren, es gibt ein Youtube-Video wie dieser Typ, Nicholas Kicker, in Kolumbien gespielt hat. Es ist unglaublich, wie er da die Bälle verschlagen hat, Nicht nur einen Meter neben den Platz, sondern fünf oder sechs Meter daneben. Es war einfach zu auffällig. Und man kann es jetzt noch sehen."

"Ein Rattensystem"

Trungelliti selbst sagt: "Ich würde es noch 700. Mal machen, zu 100 Prozent würde ich mich lieber umbringen, als bei ihrem Rattensystem mitzumachen." Er spricht gegenüber der ARD Radio Recherche Sport erstmals in Deutschland über seine Geschichte. Er spielt in der Tennisbundesliga für Düsseldorf. Sein Teamchef dort ist der ehemalige deutsche Daviscuptrainer Detlev Irmler, der das Problem so beschreibt: "Das Geld im Tennis ist falsch verteilt, oben ist viel zu viel und unten ist nichts. Und die armen Future- und Challenger-Spieler, die haben alle kein Geld."

Relation passt nicht

Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Wenn sich ein Spieler bei einem kleinen Turnier ins Finale kämpft, verdient er 2.000 Dollar, bei einer manipulierten Erstrundenniederlage bekommt er das Doppelte. Oft kommen die Spieler selbst gar nicht in Kontakt mit den Hintermännern aus der Wettmafia. Trainer oder Physiotherapeuten fungieren als Strohmänner. Trungelliti sieht dahinter sogar eine Methode: "Es gibt viele Beispiele von Spielern außerhalb der Top 100, die viel Geld verdient haben, indem sie Spiele manipuliert haben und damit dann Trainer bezahlen konnten. Dadurch kommen sie in die Top 100. Es scheint ein System zu sein, wie gemacht für Manipulationen."

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Tennis, der weiße Sport, hat schon lange keine weiße Weste mehr. Nur die Besten können wirklich gut von diesem Sport leben. Der Rest kämpft ums Überleben und dabei wird auch betrogen, wie Spieler Marco Trungelliti im exklusiven BR-Gespräch verrät.

Auch Turnier in Ismaning betroffen?

"Wenn man zu den Future-Turnieren geht, sieht man sofort, wie da Spiele manipuliert werden – mindestens eines pro Woche", sagt Trungelliti. Auch beim kommende Woche wieder beginnenden Challenger-Turnier in Ismaning bei München gab es schon zwei Vorfälle. Einzelne Personen im Publikum hatten sich Notizen gemacht, dazu ständig mit dem Handy getextet, telefoniert und rumhantiert. Der Verdacht von Philipp Wolters, einem Mitglied der Turnierleitung: Hier wurden gezielt Wetten auf einzelne Ballwechsel platziert.

ATP schickt Privatdetektive

Die Spielervereinigung ATP schickt inzwischen zu kleineren Turnieren wie in Ismaning Privatdetektive, die Spieler und Publikum im Blick haben. Aber wenn es nach Marco Trungelliti geht, muss noch viel mehr passieren um die Wettmanipulationen zu stoppen: "Ich bin das einzige 'A***-loch', das etwas gemeldet hat. Um unseren Sport sauber zu machen, brauchen wir mehr Leute, denn bis jetzt sind mehr Ratten als Menschen in der Tenniswelt unterwegs." Seiner Meinung nach muss sich grundlegend an den Anreizen etwas ändern: "Es braucht eine Art Belohnung für Whistleblower. Denn die Betrüger werden sofort belohnt – und zwar mit Geld."

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Tennis, der weiße Sport, hat schon lange keine weiße Weste mehr. Nur die Besten können wirklich gut von diesem Sport leben. Der Rest kämpft ums Überleben und dabei wird auch betrogen, wie Spieler Marco Trungelliti im exklusiven BR-Gespräch verrät.