Christine Thürmer
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"Wander Woman" Christine Thürmer: Zu Fuß um die Welt

Die weitgewanderte Weltenläuferin Christine Thürmer ist insgesamt mehr als einmal um die Erde gewandert -in Turnschuhen und mit minimalem Gepäck. Im Gespräch mit dem Fitnessmagazin spricht sie über die schönsten Routen und die richtige Ausrüstung.

Über dieses Thema berichtet: Das Fitnessmagazin am .

Christine Thürmer ist in ihrem Leben schon gut 60.000 Kilometer gewandert, auf allen Kontinenten, in Litauen, den USA oder im australischen Outback. Die Fränkin nimmt dabei nicht viel Gepäck mit, schläft im Zelt und ernährt sich von Tütensuppe und Schokolade. Ein Gespräch übers Wandern.

BR24: Frau Thürmer, Sie haben in Ihrem Leben zu Fuß schon mehr als einmal die Erde umrundet. Wie schaffen Sie das, so viel zu wandern?

Christine Thürmer: Ich finde das eigentlich gar nicht schwer, weil man muss ja nur einen Fuß vor den anderen stellen. Man muss es halt immer wieder tun. Das ist die Kunst: Jeden Morgen aufzustehen und loszulaufen, egal ob es stürmt oder schneit. Egal, ob man gerade Fußschmerzen oder Hunger hat.

BR24: Also Disziplin ist das Wichtigste. Sie sind schon so viel gelaufen, haben jetzt ein Buch mit vielen Routen und Tipps veröffentlicht. Wo ist es denn am schönsten?

Thürmer: Das kann man so pauschal nicht sagen, weil kein Weg passt für alle. "Aber einer passt ganz bestimmt zu ihnen", sage ich immer. Es kommt darauf an, was für Vorlieben man hat und welche Voraussetzungen. Ob Anfänger oder Fortgeschrittener, Kakteenzüchter oder Weintrinker – für alle ist was dabei. Ich war kürzlich in den USA auf dem "Desert Trail" in der Hochwüste von Oregon. Dort ist es zum Beispiel sehr schön. Einsam. Dort wohnt fast niemand. Oder in Litauen. Da kann man super pilgern. Es gibt eine Infrastruktur wie in Spanien, aber deutlich günstiger.

BR24: Haben Sie einen Geheimtipp in Bayern?

Thürmer: Ja, der Frankenweg. Da spielt meine fränkische Heimat rein. Das ist der Weg für Biertrinker. Weil Franken hat die höchste Brauereidichte weltweit. Da gibt es auch den ältesten Bierfund. Der Frankenweg ist erstaunlicherweise total unbekannt. In Bayern denkt man ja eher an die Alpen, aber wirklich großartig ist der Frankenweg, ein Kleinod! Man wandert da von einer barocken Stiftskirche zum nächsten römischen Kastell, zwischendrin ein paar Bierkeller, das ist ein richtiger Wohlfühl- und Gute-Laune-Weg.

BR24: Sie haben ja vor 15 Jahren ihren Job an den Nagel gehangen fürs Wandern. Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?

Thürmer: Ich bin kein Aussteiger. Mir hat mein Job immer total Spaß gemacht. Ich war in der Unternehmenssanierung, aber es war Zeit für etwas anderes. Ich war zwar vorher auch schon ein glücklicher Mensch, aber das Langstreckenwandern macht mich wirklich zu einem noch glücklicheren Menschen.

BR24: Wie bereiten Sie sich auf eine Wanderung vor?

Thürmer: Fast ausschließlich am Computer. Meine erste Wanderung war von Mexiko nach Kanada, 4.477 Kilometer. Ich habe kein bisschen trainiert, kein Fitnessstudio von innen gesehen. Ich habe nicht mal eine Probewanderung gemacht. Die Vorbereitung war ausschließlich am Computer, weil das Wichtigste bei so einer Tour ist ein niedriges Rucksackgewicht. Das heißt, ich optimiere alles bis ich bei fünf Kilo rauskomme. Die Unterhose kann zum Beispiel zu Hause bleiben. Wichtig ist Wetterschutzkleidung Wasserdesinfektion und mein Handy, weil das ist sozusagen die Lebenslinie nach Hause und auch für die Navigation.

BR24: Wo schlafen Sie auf Ihren Wanderungen?

Thürmer: Immer im Zelt, irgendwo versteckt im Wald. Das ist in vielen europäischen Ländern nicht ganz so legal, aber wenn man keinen Müll hinterlässt, kein Feuer macht und bei Sonnenaufgang wieder weg ist, geht das gut.

BR24: Was machen Sie gegen Blasen?

Thürmer: Sie werden lachen, ich habe maximal eine Blase, wenn ich 5.000 Kilometer laufe. Ich wandere ausschließlich in leichten Trailrunning-Schuhen. Das ist besser als in knöchelhohen Wanderstiefelen. So ein Wanderstiefel, der wirkt auf den Fuß wie ein Korsett und zwingt ihn bei jedem Schritt, dieselbe Bewegung zu machen. Sie kriegen dann schnell Blasen. Und sie ermüden sehr schnell. Zumal so ein Wanderstiefel sehr viel schwerer ist als ein Trainingsschuh. Das funktioniert aber nur, wenn sie auch ultraleicht unterwegs sind.

BR24: Was müssen nicht so erfahrene Wanderer sonst noch beachten? Welche Tipps haben Sie?

Thürmer: Das A und O ist das Gewicht! Je weniger, desto besser. Unterwegs ist der große Luxus nicht das, was man dabei hat, sondern das, was man nicht tragen muss. Keep it simple! Sie brauchen keine spezielle Kleidung und keine Astronautennahrung. Sie müssen auch gar nicht viel können. Sie müssen nicht viel Geld haben, egal ob jung oder alt, dick oder dünn, athletisch oder nicht. Wandern kann wirklich jeder.

BR24: Also einfach loslaufen…

Thürmer: Genau. Und wenn sie dann nach einer Woche Wüste so richtig paniert mit Dreck, Sonnencreme und Mückenschutzmittel in die Stadt kommen und eine Dusche sehen. Und dann gibt es noch ein Duschgel. Das riecht auch noch lecker. Und sie sehen, wie der Dreck im Abfluss verschwindet, das warme Wasser auf sie herunterprasselt. Ich sage Ihnen, da können sie schreien vor Glück. Und das ist die Senkung der Glücksschwelle, die ich meine.

Hintergrund

  • Christine Thürmers neues Buch "Auf 25 Wegen um die Welt" ist im Malik-Verlag erschienen, 304 Seiten, 18 Euro.

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