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Walking Football, das Fußball im Gehen, soll vor allem Bewegung fördern. Die neue Senioren-Spielart gibt es beim 1. FC Nürnberg.

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Walking Football – Fußball in einer anderen Gangart

Beim Walking Football, dem Fußball im Gehen, geht es weniger um Leistung als um Bewegung. Diese neue Spielart für Senioren kommt aus England und hat hier seine Heimat beim ersten Bayerischen Verein, dem 1. FC Nürnberg gefunden.

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Ursula SchmidtUrsula Schmidt
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Jeden Montagvormittag um elf Uhr geht es für die Männer des 1. FC Nürnberg auf den Platz – in den "Käfig", wie sie den umzäunten Platz nennen. Der ist nur gut ein Drittel so groß wie ein normales Fußballfeld – ganz genau ist die Spielfeldgröße 21 x 42 Meter. Sie treffen sich zum Walking-Football – was auf Deutsch so viel heißt wie "Geh-Fußball".

Die Männer zwischen 56 und 80 Jahren teilen schon immer eine Leidenschaft: Fußball. Manche haben als Profis in der Bundesliga gesielt, andere blieben engagierte Amateure. Später, als die Karrieren vorbei waren, haben sie in der Altherrenmannschaft zusammen trainiert – seit 30 Jahren kennen sie sich.

Bewegung ist alles

Mit zunehmenden Alter kamen die Zipperlein, größere und kleinere. Rudi Sturz, 69 Jahre alt und Ex-Fußballprofi fasst das nüchtern zusammen. Viele haben jetzt schon Ersatzteile, sagt er. Mit einer Meniskus-OP, einer Hüft- oder Herz-OP mit Bypässen könne man sich nicht mehr ganz so austoben wie früher. Was beim Walking-Football zähle, sei der Spaß, so Sturz. Wichtig sei, dass man von der Couch runterkomme und in die Bewegung. Als die Männer das erste Mal das Fußball-Spielen im Gehen in einem Video-Clip gesehen haben, sei da auch Ablehnung gewesen – "Das mache ich nicht!", hätten manche dem Team-Manager der Truppe, Benno Rupprecht, erklärt.

Andere haben sich wegen des Alters nicht mehr getraut, in den gerade beim Fußball auch ruppigen Zweikampf zu gehen, so Rupprecht. Denen sei die deutlich sanftere Spielweise gerade recht gekommen. Er habe viele reaktiviert, die schon längst die Schuhe an den Nagel gehängt haben.

Jeder, der dafür Interesse hat, der beim Verein ist und sich auf dem großen Feld nicht mehr wohlfühlt, der könne mitmachen, trieb er die potenziellen Mitspieler an. Inzwischen sind 35 Senioren in der Walking-Football-Mannschaft beim 1. FC Nürnberg aktiv und kommen, wenn es die Gesundheit zulässt – regelmäßig zum Training an den Valznerweiher.

Eigene Regeln für den Fußball im Gehen

Für den Fußball im Gehen gibt es natürlich auch ein klares Regelwerk. Das Einfachste vorneweg: Es gibt kein Abseits. Dann wird es schon etwas komplizierter: Gespielt wird sechs gegen sechs, keiner darf Rennen, Kopfbälle und Fouls sind auch nicht erlaubt, die Tore sind gerade so groß wie die bei den Minis, also den Fußball-Kindern.

Günther Schertl muss mit seinen 68 Jahren zum zweiten Mal wegen einer gerissenen Sehne operiert werden. Deswegen spielt er heute nicht beim Training, sondern pfeift als Schiedsrichter vor allem, wenn der Ball über Hüfthöhe gespielt wird. Tore zählen nur ab der Mittellinie, erklärt Schertl; Kopfball, Fouls und Körperkontakt sind auch nicht erlaubt.

Rennen gilt nicht, so der Schiedsrichter, es muss immer ein Fuß auf dem Boden bleiben. Das sei in etwa vergleichbar mit dem Gehen bei der Olympiade. An diese neue Regel müssen sich jetzt alle erst gewöhnen, erklärt der 69-jährige: In den Torraum mit fünf Meter Länge und einem Meter Breite darf keiner rein, weder ein Angreifer noch ein Abwehrspieler. Das heißt: Es gibt auch keinen Torwart.

Von Großbritannien nach Franken

Walking Football wurde 2011 vom FC Chesterfield Community Trust in Großbritannien initiiert. Seit 2016 gibt es in England einen eigenen Dachverband, in dem mehr als 360 Vereine organisiert sind. Nach Franken kam diese Variante des Sports mit dem 71-jährigen Gerd Bauer. Der Nürnberger war vor 40 Jahren nach Holland emigriert und hat dort beim FC Utrecht angeheuert. Zurück in der alten Heimat hat er seine ehemaligen Mitspieler angesprochen und für Walking Football geworben. In Bayern ist der 1. FC Nürnberg der erste Verein, der diese Art des Fußballs anbietet. Und die älteren Herren spielen seit 2018 auch in internationalen Wettbewerben ganz vorne mit.

Walking-Football – in der Breite noch unbekannt

Als Breitensport ist Walking-Football aber in Franken noch nicht angekommen. Nun solle sich aber für kleinere Vereine bald eine Chance auftun, verspricht Hannes Ort, zuständig für soziales Engagement beim 1. FC Nürnberg. Denn über den Sommer sollen ein bis zwei Turniere am Valznerweiher organisiert werden, bei denen auch mehrere Mannschaften gegeneinander antreten können. Jeder Amateurverein, jeder Fußballverein, der daran interessiert sei, so Ort, sei da natürlich richtig. "Wir erklären die Regeln, wir lassen einmal mittrainieren, so dass man vielleicht auch im Land auch seine eigene Walking Football-Mannschaft aufbauen kann", so Ort.

Bei dieser Fußball-Spielart gehe es um mehr als um den gelenkschonenden Sport selbst, es gehe auch darum, der sozialen Isolation älterer Menschen vorzubeugen.

H. Faul (70), G. Schertl (68), J. Wüst (56), B. Rupprecht (69), G. Bauer (71), K. Schorn (75), E. Unger (70), R.Sturz (69), S. Susser (68) (v.l.)

Bildrechte: BR / Ursula Schmitt

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