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Umstrittene Gesten: Was ist erlaubt beim Torjubel? | BR24

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Türkische Nationalspieler stehen im Fokus der Kritik - und haben Nachahmer gefunden

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Umstrittene Gesten: Was ist erlaubt beim Torjubel?

Nach dem umstrittenen Militärgruß der türkischen Nationalelf und den nachahmenden Gesten einiger Amateurklubs in Bayern stellt sich die Frage: Was ist erlaubt beim Torjubel? Der Blick auf die bayerischen Regularien zeigt: Vieles ist Auslegungssache.

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Wann wird ein Torjubel im Spiel bestraft?

Zunächst einmal direkt auf dem Platz vom Schiedsrichter. Nach den Statuten des Deutschen Fußball-Bundes muss ein Spieler unter anderem verwarnt werden, wenn er "mit provozierenden, höhnischen oder aufhetzenden Gesten" jubelt. Ein feldverweiswürdiges Vergehen stellen "anstößige, beleidigende oder schmähende Äußerungen und/oder Gesten" dar. Eine Verwarnung mit Gelber oder Roter Karte liegt also im Ermessen des Schiedsrichters.

Darüber hinaus stellt sich nach den Vorfällen in der EM-Qualifikation und den aufgetauchten Nachahmer-Jublern, unter anderem beim niederbayerischen Amateurverein Türkspor Mainburg, die Frage, ob ein Fall von Diskriminierung (§ 47 a) vorliegt. Das ist der Fall, wenn der Jubel "politisch extremistisch, obszön anstößig oder provokativ beleidigend" ist oder "die Menschenwürde einer Person oder einer Gruppe von Personen durch herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen oder Handlungen in Bezug auf Hautfarbe, Sprache, Religion, Geschlecht oder sexuelle Orientierung oder Herkunft verletzt".

Welche weiteren Konsequenzen kann ein unerlaubter Torjubel haben?

Es kann zu einer "sportgerichtlichen Aufarbeitung" kommen. "Das autarke Sportgericht handelt dann, wenn es eine Anzeige seitens der Beteiligten zu dem Vorfall gibt, der Schiedsrichter dies entsprechend meldet oder aber der Verbandsanwalt aus Verbandsinteresse eine Anzeige erstattet", erklärt Fabian Frühwirth, Pressesprecher des Bayerischen Fußball-Verbandes.

Zum jetzigen Zeitpunkt liegt keine Anzeige gegen einen bayerischen Verein vor. Nachdem der Fall dem BFV jedoch bekannt wurde, ist fest davon auszugehen, dass entsprechende Ermittlungen durch den BFV-Verbandsanwalt geführt werden. Dies sähe dann grundsätzlich so aus, dass die Beteiligten zu einer Stellungnahme aufgefordert werden und ihre Sicht der Dinge schildern können. Im nächsten Schritt wird je nach Faktenlage eine Anzeige erstattet und ein Sportgerichts-Verfahren offiziell eröffnet - oder eben nicht. Die Entscheidung hängt also vom Einzelfall ab und ist Auslegungssache.

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Der Sport wird für die Politik missbraucht. Aber es gilt: Null Toleranz dem Militärgruß. Der Bayerische Fußball-Verband beobachtet die Entwicklung sehr kritisch und fordert zur Sensibilität auf. Den Nachahmern drohen empfindliche Strafen.

Welche Strafe kann den Fußballern und Vereinen drohen?

Grundsätzlich werden die möglichen Strafen gemäß § 48 der Rechts- und Verfahrensordnung ausgesprochen. Der Strafrahmen richtet sich von einem Verweis über Geldstrafen, Sperren, bis hin zu Punktabzügen und im extremen Fall einem Ausschluss. Letztlich entscheidet das das Sportgericht, welches in Bayern absolut autark arbeitet.

Was sagt der Bayerische Fußball-Verband zu den Fällen?

Pressesprecher Fabian Frühwirth verurteilt die Gesten eindeutig: "Werte spielen eine große Rolle und wir können gar nichts damit anfangen, dass Kriegsgebaren verherrlicht werden. Letztlich ist es das. Darüber müssen sich die Spieler bewusst sein". Und weiter: "Die Dimension müsste auch dem kleinsten Amateurfußballer jetzt bekannt geworden sein. Wenn man sieht, welche Wellen das geschlagen hat, auch mit Can und Gündogan. Also müssen wir für dieses Thema extrem sensibel sein. Es wird zurecht darüber diskutiert."