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Uli Hoeneß: "Löw sollte sich den Namen Müller rot anstreichen" | BR24

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Bildrechte: Bayerischer Rundfunk

Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat im Heute-im-Stadion-Interview wie gewohnt Klartext gesprochen. Der 69-Jährige äußerte sich u.a. zur Zukunft von Trainer Hansi Flick und zur geplanten Fußball-EM in zwölf Ländern.

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Uli Hoeneß: "Löw sollte sich den Namen Müller rot anstreichen"

Wenn der Ehrenpräsident des FC Bayern redet, wird Klartext gesprochen. Im BR-Sport-Interview in "Heute-im-Stadion" auf Bayern 1 äußerte er sich zur Zukunft von Hansi Flick und zur geplanten EM. Für Bundestrainer Jogi Löw hat er einen Ratschlag.

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  • BR24 Sport

Herr Hoeneß, der FC Bayern ist mit viel Verspätung, aber großen Vorsprung in der Bundesliga-Tabelle nach Katar geflogen. Würden Sie sagen, der FC Bayern ist quasi schon Meister?

Nein, das kann man nicht sagen. Aber es war natürlich sehr wichtig vor dieser Zusatzbelastung, dass man mit einem schönen Vorsprung von sieben Punkten auf Leipzig dahin gefahren ist. Da man im Pokal ausgeschieden ist, ist die Mannschaft nicht mehr so belastet wie alle anderen. Und wenn keine schweren Verletzungen passieren, dann haben wir sehr gute Chancen, die Meisterschaft wieder zu gewinnen.

Warum schnappen die anderen denn nicht zu wenn der FC Bayern ein bisschen schwächelt?

Grundsätzlich muss man natürlich sagen, dass es ganz normal war, dass der FC Bayern nach der überragenden Saison letztes Jahr und mit wenig Urlaub im Herbst ein bisschen müde geworden ist. Aber eines muss man natürlich ganz deutlich sagen: Der FC Bayern ist mit weitem Abstand die beste Mannschaft in Deutschland, vielleicht sogar in Europa im Moment. Und deswegen ist es doch keine Überraschung, dass wir wieder da oben sind.

Würden Sie sagen, die Mannschaft steht vielleicht bald vor einem großen Umbruch. Alaba wird gehen, Boateng Vertrag wohl auch nicht verlängert. Müller, Lewandowski, Neuer sind alle Mitte 30 - Sehen Sie es als Umbruchzeit?

Wir haben ja jetzt gerade den Umbruch geschafft, und ich glaube nicht, dass da ein großer Umbruch notwendig ist. Es ist bedauerlich, dass der eine oder andere jetzt weggeht. Also ich mache mir über die Zukunft des FC Bayern in den nächsten zwei bis drei Jahren - oder bis zu fünf Jahre - überhaupt keine Sorgen.

Hoeneß zur Frage der Woche: Taugt der Profifußball als Vorbild?

Stichwort Vorbilder. Das ist auch unsere Frage der Woche bei Heute im Stadion. Taugt der Profifußball, taugt die Fußball-Bundesliga im Moment als Vorbild?

Im Großen und Ganzen ja. Man darf nicht vergessen, das sind alles junge Burschen, die wie alle jungen Leute vielleicht Dinge gemacht haben, die man nicht machen sollte. Nur, bei einem jungen Fußballspieler, der so im öffentlichen Fokus steht, wie die Spieler des FC Bayern oder der ganzen Bundesliga, wird es halt immer bekannt. Deswegen muss man da schon mal ein bisschen die Kirche im Dorf lassen. Wenn Fehler passieren, wie mit Tolisso mit diesen Tattoo, was natürlich ein großer Fehler war, dann muss man das bestrafen und kritisieren. Aber dann geht es auch wieder weiter.

Finden Sie es gut, dass eben die Klub-WM jetzt auch in so einer Corona Pandemie überhaupt stattfindet, dass der FC Bayern nach Katar fliegen muss?

Man kann sich die Termine nicht aussuchen. Ich meine, der Fußball muss weitergehen. Bis jetzt hat der Fußball zumindest in Deutschland ja bewiesen, dass man mit einem vernünftigen und sehr guten Hygienekonzept mit großer Disziplin diesen Wettbewerb prima hingekriegt hat. Man darf ja nicht vergessen, dass in dieser schwierigen Zeit Fußball und auch Basketball, Handball oder Eishockey doch eine große Abwechslung für die Bürger sind. So oft wie jetzt habe ich noch nie Fernsehen geschaut. Das lenkt doch ab und hilft uns allen diese schweren Zeiten etwas besser zu überstehen.

Bleiben wir beim Fußball. Sollte die Europameisterschaft in dieser Art und Weise stattfinden?

Also ich finde es nicht gut, dass die UEFA offensichtlich darauf besteht, dass in so vielen Städten zu machen, weil es doch zumindest im Moment so aussieht, dass viele Länder dieses Problem nicht im Griff haben. Ich hätte es vorgezogen, es auf drei, vier Länder zu konzentrieren, wo man eine größere Wahrscheinlichkeit gehabt hätte, dass man diese Hygienekonzepte gut umsetzen kann.

Hoeneß: Löw sollte sich den Namen Müller rot anstreichen

Sollte die EM mit Thomas Müller stattfinden?

Ich kann Jogi Löw nur raten, sich den Namen Müller in seinem Notizbuch rot anzustreichen. Den Thomas kann er eine Woche vor der EM anrufen und mitnehmen. Thomas ist im Moment in einer Superform. Es ist ein guter Typ, und – das darf man nicht vergessen – in so einem Turnier braucht man Leute mit guter Laune. Und Thomas ist immer für gute Laune zuständig. Bei diesen Schwierigkeiten, die wir zurzeit auf der Welt haben, würde ich auf ihn niemals verzichten.

Könnten Sie sich vorstellen, dass Hansi Flick im Sommer den FC Bayern verlässt und Bundestrainer wird?

Es wäre absolut hirnrissig für den Hansi oder uns, nach gut einem guten Jahr über eine Trennung nachzudenken. Der fängt ja gerade an, eine große Karriere als Trainer zu machen. Die deutsche Nationalmannschaft ist ja nicht gerade der Traum aller schlaflosen Nächte. Dafür würde ich doch niemals den FC Bayern verlassen.