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Uli Hoeneß - die Abteilung Attacke aus dem Süden | BR24

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Die Bayern und der 1. FC Köln liefern sich 1988/89 einen Zweikampf um die deutsche Meisterschaft - nicht nur auf dem Platz. Christoph Daum und Uli Hoeneß schießen verbal aus vollen Rohren. Am 17. April 1989 kommt es zum Showdown im Blickpunkt Sport.

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Uli Hoeneß - die Abteilung Attacke aus dem Süden

In seinen Jahren als Bayern-Funktionär schickte Uli Hoeneß an einige Konkurrenten Giftpfeile. Legendäre Fehden lieferte er sich dabei mit Christoph Daum und Willi Lemke. Ein Rückblick.

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Von wem das geflügelte Wort der "Abteilung Attacke" kommt, lässt sich nicht mehr zweifelsfrei feststellen. Fakt ist: Für Uli Hoeneß ist der FC Bayern München eine "große Familie" - und wer diese angreift, muss mit derben Attacken rechnen. Vor allem Christoph Daum stand mehrmals im Fokus der Hoeneß-Attacken.

Hoeneß und der ehemalige Kölner Trainer fochten eine der legendärsten Fehden der Bundesliga-Geschichte aus. 1989 herrschte in der Bundesliga ein erbitterter Zweikampf um den Titel zwischen Daums Kölnern und dem FC Bayern, damals trainiert von Jupp Heynckes.

Daum: Wetterkarte interessanter als Jupp Heynckes

Jungtrainer Daum schickte diverse Giftpfeile gen München, vor allem in Richtung Heynckes. Die Wetterkarte sei interessanter als Heynckes, der FC Bayern-Coach könne auch Werbung für Schlaftabletten machen, waren noch die harmloseren der Daum-Sprüche.

Nach einem ersten Verbalduell im Bayerischen Fernsehen trafen die Kontrahenten am 20. Mai des Jahres im ZDF erneut aufeinander. Ex-Bayern-Coach Udo Lattek und der aktuelle Trainer Heynckes saßen weitgehend unbeteiligt daneben, während sich Daum und Hoeneß Giftpfeil um Giftpfeil an den Kopf warfen. "Wenn Du Charakter hättest, dann hättest Du Dich dafür mal entschuldigt", polterte Hoeneß mit hochrotem Kopf. Das Ende des ersten Teils der Fehde: Wenige Tage später siegte München gegen Köln - und feierte am Ende die Deutsche Meisterschaft.

Die Kokain-Affäre

Doch Daum sollte bis heute ein "Lieblingsgegner" von Uli Hoeneß bleiben. Im Jahr 2000 hatte Daum bereits einen Vertrag als deutscher Nationaltrainer unterzeichnet. Eine zunächst intern getätigte Aussage von Uli Hoeneß dringt nach außen und bringt eine Lawine ins Rollen. "Wenn er das getan hat, kann er nicht Bundestrainer werden, habe ich gesagt", erklärt Hoeneß mit Blick auf Gerüchte, Daum nehme Kokain zu sich. Im wenig subtilen deutschen Boulevard wurde aus dem Schneeball die Lawine und die These: Hoeneß weiß, dass Daum Kokain konsumiert.

Der Angegriffene kontert und reicht eine Verleumdungsklage ein. Und auch die Fanseele kocht: Mord- und Bombendrohungen gibt es gegen Hoeneß, es wird eine Kopfprämie ausgelobt, "wenn die mich auf Schalke von der Bank schießen", sagt Hoeneß, der die schwierigste Zeit seiner Managerkarriere durchlebt. Erst eine freiwillige Haarprobe Daums bringt Klarheit: Der Kokainverdacht bestätigt sich, Daums Bundestrainer-Vertrag wird gelöst. Uli Hoeneß ist rehabilitiert, doch es bleibt für ihn "der bitterste Moment meines Lebens."

Noch ein letztes Mal flackerte der Konflikt mit Daum auf, als der 2006 in die Bundesliga zurückkehrte. "Christoph Daum ist ein Selbstdarsteller mit einem außergewöhnlichen Hang zum Größenwahn", prangerte Hoeneß, erneut in einer TV-Sendung, an. Doch diesmal bleibt ein großer verbaler Schlagabtausch aus.

Hoeneß vs. Willi Lemke

Nicht minder lautstark liefen Uli Hoeneß' Duelle mit Willi Lemke, dem langjährigen Manager des SV Werder Bremen, ab. Mehr als einmal führten beide Teams einen erbitterten Zweikampf um die Meisterschaft. Spannender als die Duelle auf dem Rasen waren aber meist Vor- und Nachspiel jenseits des Spielfelds. Norddeutsch-kühl stempelte Lemke den FC Bayern als "Totengräber des deutschen Fußballs" ab.

Das vermeintliche "Geld regiert die Welt"-Modell beim Serienmeister stößt Lemke bis heute sauer auf. "Hoeneß glaubt, mit Geld und Macht Leute niederzubügeln, sie mit gezielten Attacken mundtot machen zu können", kritisierte er einmal die Münchner Allmachtsfantasien. Umgekehrt lässt Uli Hoeneß bis heute wenig Gutes am früheren Bremer. Es sei "erstaunlich, dass ein Mann mit einem solchen Charakter Minister eines Bundeslandes werden kann", wetterte Hoeneß einst bei Lemkes Wechsel in den Bremer Senat.

Hoeneß gegen den Rest der Welt

Die Liste der Hoeneß-"Freunde" ließe sich lange fortsetzen. In der Bundesliga-Saison 2008/09 reihte sich Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick ein ("Wenn ich mir bei der Entwicklung von Hoffenheim überhaupt eine Sorge machen würde, dann ist es die Besserwisserei von Ralf Rangnick"). Im September 2019 meldete er sich in der Torwartdebatte beim Deutschen Fußball-Bund harsch zu Wort.

Für den Fall eines Torhüterwechsels von Kapitän Manuel Neuer zu Ersatzmann Marc-Andre ter Stegen kündigte er an, keine Spieler mehr vom Rekordmeister zur Nationalmannschaft zu schicken. "Bevor das stattfindet, werden wir keine Nationalspieler mehr abstellen", sagte Hoeneß zur "Sport Bild". Die Situation in der Nationalelf erinnere Hoeneß zwar nicht an die Ablösung von Oliver Kahn durch Jens Lehmann vor der WM 2006, aber "wir werden das nie akzeptieren, dass hier ein Wechsel stattfindet", sagte er.

International schießt Hoeneß gerne gegen die spanischen und englischen Vereine mit ihren anscheinend nie leer werdenden Geldtöpfen, ihren immer größer werdenden Schuldenbergen und immer neuen Geldgebern. "Solange Investoren wie Abramowitsch das Geld zur Verfügung stellen, ist alles wunderbar. Verlieren sie die Lust an ihren Spielzeugen, droht der Super-GAU", sagt er beispielsweise angesichts des englischen Premier-League-Klubs FC Chelsea.

Und für seinen Ruhestand hat Hoeneß bereits angekündigt, er werde sich weiter in öffentlichen Debatten einmischen und den FC Bayern "wie eine Glucke bewachen".

Der eine oder andere Journalist wird sich jetzt schon gefallen lassen müssen, dass ich die Abteilung Attacke wieder ausfahre, jetzt wo ich dann keine offizielle Funktion mehr habe." Uli Hoeneß