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Die Arena in München

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UEFA kippt Zuschauerbeschränkung bei EM - wie reagiert München?

Europas Fußballverband UEFA hat alle Zuschauerbeschränkungen für die Europameisterschaft 2021 abgeschafft. Trotz Corona-Pandemie wären volle Stadien möglich. Der Ball liegt bei den nationalen Behörden, Spielorte wie München geraten unter Druck.

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Von
  • Bernd R. Eberwein

Die UEFA hat in dieser Woche alle Zuschauerbeschränkungen für die Fußball-Europameisterschaft in diesem Jahr gekippt. Seit dem 1. Oktober gab es wegen der Corona-Pandemie eine Obergrenze von 30 Prozent Stadionauslastung. Diese wurde nun wieder gestrichen.

Beobachter vermuten Strategie bei dieser Entscheidung. Die UEFA forciert mit dieser Lockerung subtil ein "Wettrüsten" zwischen den zwölf Gastgeberstädten. 90.000 Zuschauer im Londoner Wembleystadion? Knapp 70.000 in Sankt Petersburg? Nach den jüngsten UEFA-Entscheidungen theoretisch möglich.

Daniel Koch, UEFA-Berater in Sachen Corona und Arzt aus der Schweiz, sagte in einem Interview mit Sportschau.de über die aktuellen Euro-Pläne: "Es wird mit höchster Wahrscheinlichkeit in allen Ländern mit Zuschauern, wenn auch wahrscheinlich begrenzt, stattfinden können."

UEFA-Präsident sieht Spiele ohne Zuschauer nicht als Option

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte schon Mitte März angekündigt, dass es keine "Option" sei, EM-Spiele ohne Zuschauer auszutragen. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter beurteilte diese Aussage als "einigermaßen unangemessen" und war irrititert, dass die UEFA nicht den Dialog mit den Gastgeberstädten gesucht hat.

"Es ist zum jetzigen Zeitpunkt schlicht nicht möglich, eine Aussage darüber zu treffen, ob es das Infektionsgeschehen der Corona-Pandemie zulässt, im Juni Zuschauer zuzulassen oder nicht. Klar ist aber, dass Veranstaltungen dieser Art mit Zuschauern nach den aktuellen Vorschriften nicht erlaubt sind." Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter Mitte März im Bayerischen Rundfunk
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UEFA kontra München - die Aussagen von Aleksander Ceferin und Dieter Reiter Mitte März

Wie reagieren München und der DFB?

Durch die jüngste UEFA-Entscheidung geraten Deutscher Fußball-Bund (DFB) und München, wo vier EM-Spiele stattfinden sollen, nun neu unter Druck. Zwar soll die Entscheidung, wie viele Zuschauer ins Stadion dürfen, laut UEFA auch weiter bei den zuständigen nationalen und lokalen Behörden liegen - und somit wären nach aktuellen Stand und derzeitiger Beschlusslage keine Fans in der Münchner EM-Arena erlaubt.

Aber: UEFA-Berater Koch deutete bereits an, dass er auch in Bayern Zuschauer im Stadion erwartet. "Ich hoffe, dass München einen Weg findet, damit das Ganze mit Zuschauern stattfinden kann. Wie groß dann die Auslastung im Stadion sein wird, das wird diskutiert."

Droht München der Verlust der Gastgeberrolle?

Unausgesprochen wabert im Hintergrund mit, dass die UEFA wohl durchaus nachdenkt, manchen Austragungsorten ihren Status als Gastgeber zu entziehen - sollten keine Zuschauer bei der EM ins Stadion dürfen. Zwar sagt dies noch niemand bei der UEFA. Nach den Worten Ceferins ist aber klar, dass der Verband leere Stadien bei der EM wohl nicht dulden wird.

"Dabei werde keine Stadt kategorisch ausgeschlossen, wenn sie ohne Zuschauer spielen lassen müsste. Es müsse allerdings entschieden werden, ob es nicht vielleicht mehr Sinn mache, die Spiele an andere Standorte zu verlegen." UEFA-Stellungnahme Mitte März

Austragungsorte rüsten sich für Zuschauer

In den Niederlanden, wo in der Amsterdamer Johan-Cruyff-Arena gespielt werden soll, denkt der nationale Verband über eine Auslastung von zwei Dritteln oder drei Vierteln nach. In St. Petersburg sollen rund 50 Prozent der knapp 70.000 Plätze befüllt werden.

Auch Kopenhagen, Bukarest, London und Glasgow planen derzeit mit Zuschauern im, wenn auch niedrigen, fünfstelligen Bereich. Für spätere Spiele, in London findet beispielsweise das Finale statt, soll noch mehr möglich sein. "Ich bin sehr hoffnungsvoll und optimistisch, dass wir für die Spiele der späteren Phase viel, viel mehr Zuschauer bekommen werden", sagte Sportminister Oliver Dowden.

Am radikalsten geht nach derzeitigem Stand Rumänien mit der Euro um: Dort erwägt die Regierung trotz alarmierender Corona-Zahlen, die Corona-Beschränkungen für die EM auszusetzen.

Entscheidung vermutlich im April

Nach Informationen des Sport-Informationsdienstes SID sollen die zwölf Ausrichterstädte bis zum 7. April erklären, wie sie mit der Zuschauerfrage umgehen. Es ist unwahrscheinlich, dass sich angesichts der aktuellen Inzidenzzahlen - München liegt aktuell den dritten Tag in Folge wieder über 100 - hier an der bayerischen Sichtweise etwas ändert. Zumal die Inzidenz im Freistaat weiterhin sogar höher als der Bundesdurchschnitt ist.

Wie und in welchem Rahmen die Euro 2021 vom 11. Juni bis zum 11. Juli tatsächlich stattfinden wird, entscheidet sich dann wohl rund zwei Wochen später: Am 20. April steht der nächste UEFA-Kongress an.