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Der Champions-League-Pokal

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    UEFA beschließt umstrittene Champions-League-Reform

    Ungeachtet der Ankündigung von zwölf Topklubs, eine neue europäische "Super League" ins Leben zu rufen, hat die UEFA die ebenso umstrittene Reform der Champions League beschlossen. Die Zeit der Gruppenspiele geht damit zu Ende.

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    Von
    • Wolfram Porr
    • BR24 Sport

    Das UEFA-Exekutivkomitee beschloss die Reform nach Informationen der Sportschau einstimmig bei seiner Sitzung im Schweizerischen Montreux. Die Entscheidung steht unter dem Eindruck der Gründung einer neuen "Super League" von zwölf europäischen Topklubs.

    Neuer Modus ab 2024

    Ab 2024 sollen 36 statt zuvor 32 Teams in der Champions League spielen. So sieht der neue Modus aus:

    • Alle 36 Teams spielen in einer Tabelle, es gibt keine Gruppen mehr.
    • Die besten acht Teams der Gesamttabelle erreichen das Achtelfinale.
    • Die 16 folgenden Mannschaften würden eine Playoff-Runde um die anderen acht Plätze im Achtelfinale austragen.
    • Danach soll es bis ins Finale gehen wie bisher.

    Mehr Spiele - mehr Sicherheit für Topklubs

    Die neue Champions League soll nun garantiert mindestens zehn oder acht statt bisher sechs Spiele pro Team haben. Das ist nur ein Thema, das den nationalen Ligen wie der Bundesliga Sorge bereitet.

    • 36 statt 32 Teams heißt aber auch, dass die Champions League vergrößert wird. Von den vier zusätzlichen Plätzen werden zwei an Spitzenteams gehen, die es über ihre nationale Liga nicht geschafft haben. Und das soll so ablaufen:
    • Die UEFA pflegt eine Zehn-Jahres-Wertung für Klubs. Jeder Verein, der in den europäischen Wettbewerben spielt, sammelt dort Punkte für die Wertung. Vorne stehen logischerweise Klubs wie Real Madrid, Bayern München oder der FC Barcelona.
    • Sollte ein Klub, der regelmäßig europäisch gespielt hat, einmal in seiner nationalen Liga schwächeln, könnte er es über die Zehn-Jahres-Wertung noch in die Königsklasse schaffen.
    • Dafür muss dieser Klub aber europäisch qualifiziert sein. Wenn ein Klub in der Europa League, der Europa Conference League oder der Qualifikation zur Champions League steht, könnte er dann hochgestuft werden.
    • Wird Borussia Dortmund beispielsweise Sechster der Bundesliga, könnte der Klub dem Vorschlag zufolge in aktueller Konstellation trotzdem in die Champions League spielen, während der Fünfte der Bundesliga nur in die Europa League käme.

    Tabellensechster aus Deutschland dabei, aber Meister aus Tschechien nicht?

    Die Verteilung dieser vier Plätze war einer der größten Streitpunkte. Der europäische Ligaverband European Leagues, dem auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) angehört, hat gänzlich andere Vorstellungen. "Wir wünschen uns, dass stattdessen mehr nationale Meister mitspielen", sagte Geschäftsführer Jacco Swart von den European Leagues im Vorfeld der Entscheidung im Gespräch mit der Sportschau. Die Titelträger aus der Türkei, Österreich, Dänemark Schottland oder Tschechien haben derzeit keinen direkten Startplatz in der Champions League.

    Statt der Meister dieser Länder könnten als künftig Tabellensechste aus England, Spanien, Italien oder Deutschland in der Champions League spielen.

    Fans laufen Sturm gegen Neuerungen

    Die entwickelten Neuerungen stoßen vor allem bei den Fans auf breite Ablehnung. Die Furcht ist groß, dass die ohnehin schon viel zu weit geöffnete Schere zwischen Arm und Reich noch mehr auseinandergeht.

    Man sehe in den Reformplänen "eine ernstzunehmende Gefahr für den gesamten Fußball", schrieb ein Zusammenschluss zahlreicher europäischer Fangruppierungen in einem offenen Brief an die ECA. Die Fans bezeichnen die Pläne als "Phantastereien", um die "unstillbare Gier" der ECA zu befriedigen. Die Organisation "Unsere Kurve" bemängelte, dass einer Super League durch die Neuerungen nur "Tür und Tor geöffnet" werde.

    Super League oder Champions League - ECA gibt Rätsel auf

    Die Reform hatte vor allem die einflussreichen Klubvereinigung ECA in Zusammenarbeit mit der UEFA ausgearbeitet - dieselbe Klubvereinigung, die nun in der vergangenen Nacht ankündigte, eine neue "Super League" etablieren zu wollen, die nicht mehr unter dem Dach der UEFA, sondern in Eigenregie organisiert werden soll. Zu den zwölf Topklubs gehören sechs Teams aus England (FC Liverpool, Manchester City, Manchester United, FC Arsenal, FC Chelsea, Tottenham Hotspurs), und jeweils drei aus Spanien (FC Barcelona, Real Madrid, Atletico Madrid) und Italien (Juventus Turin, Inter Mailand, AC Mailand).

    Watzke: BVB und FC Bayern "deckungsgleich"

    Die deutschen Topklubs sind in der Angelegenheit - noch - auf einer Linie. Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betonte, dass der BVB und der FC Bayern München sich über die Ablehnung der geplanten europäischen Super League im Fußball einig sein. Watzke erklärte in einer Mitteilung seines Vereins, dass "beide deutsche Klubs, die im ECA-Board vertreten sind, der FC Bayern München und Borussia Dortmund, in allen Gesprächen zu 100 Prozent deckungsgleiche Auffassungen vertreten haben".

    Super-League-Klubs klagen gegen UEFA und FIFA

    Die Gründungsmitglieder der neuen "Super League" haben der Nachrichtenagentur AP zufolge bereits vorsorglich rechtliche Schritte eingeleitet, um die internationalen Verbände UEFA und FIFA an einer Einmischung zu hindern. Dies soll der Europäischen Fußball-Union und dem Weltverband demnach in einem Schreiben mitgeteilt worden sein. Die UEFA und FIFA hatten ihrerseits die Gründung der neuen Liga scharf kritisiert und angekündigt, alle Maßnahmen zu ergreifen, um den Wettbewerb zu verhindern.

    Die zwölf Klubs, darunter kein Bundesligist, erklärten, dass bei den zuständigen Gerichten Anträge gestellt seien, um die reibungslose Einführung und Durchführung der Super League zu gewährleisten. Die UEFA hatte gedroht, die Vereine aus den nationalen Ligen auszuschließen. Die FIFA hatte bereits zu Jahresbeginn die Möglichkeit ins Spiel gebracht, die Spieler für deren Nationalmannschaften bei Weltmeisterschaften zu sperren.