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Türkei-Jubel findet Nachahmer: Fußballverband droht mit Strafen | BR24

© Kreidemeier / Mittelbayerische Zeitung

Torjubel der Spieler von Türkspor Mainburg

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Türkei-Jubel findet Nachahmer: Fußballverband droht mit Strafen

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) droht Spielern, die den provozierenden Torjubel des türkischen Nationalspielers Cenk Tosun nachahmen, mit Konsequenzen. Mindestens zwei Fälle sind bereits aufgetaucht. Der Verband ist alarmiert.

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Mehrere türkische Spieler hatten bei den EM-Qualifikationsspielen gegen Frankreich (1:1) und Albanien (1:0) mit einer salutierenden Geste gejubelt, die wohl Bezug auf die Offensive türkischer Streitkräfte in Nordsyrien nimmt. Die beiden deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can hatten einen entsprechenden Tweet, der den Jubel zeigt, geliket und sich anschließend dafür entschuldigt. Die Szene fand auch Nachahmer bei unterklassigen Vereinen in Bayern.

A-Klasse-Verein aus Niederbayern ahmt Jubel nach

Türkischstämmige Fußballer vom Amateurverein Türkspor Mainburg (Lkr. Kelheim) aus der A-Klasse hatten in der Partie bei der SG Wildenberg/Biburg (Lkr. Kelheim) einen Treffer mit militärischem Gruß bejubelt und sich dabei ablichten lassen, wie die Mittelbayerische Zeitung zuerst berichtete. Der BFV weiß von mindestens einem weiteren Fall und teilte mit, dass "ein solches provozierendes Verhalten nicht toleriert und jeder einzelne Fall zur Anzeige vor dem Sportgericht gebracht wird". Spieler, die den Fußball für politisch motivierte Provokationen missbrauchen, könnten sich gemäß Paragraf 47 a der Rechts- und Verfahrensordnung schuldig machen und müssen mit empfindlichen Strafen rechnen, so der BFV weiter.

© BR/Thomas Klinger

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) ist alarmiert und zieht hinsichtlich der Amateur-Kicker, die den Militärgruß nachahmen, eine klare Linie: Kriegsverherrlichende Aktionen haben auf dem Fußballplatz nichts zu suchen.

Bislang keine Anzeige

Zum jetzigen Zeitpunkt liegt keine Anzeige vor, so dass ein sportgerichtliches Verfahren bislang nicht in Aussicht steht. In jedem Fall strebt der BFV aber eine "gemeinsame Reflektion" mit den betreffenden Vereinen an. Verbandsspielleiter Josef Janker machte deutlich, dass der BFV es nicht dulden werde, "dass jemand unseren Sport für Diskriminierungen, Provokationen und Beleidigungen missbraucht."

"§ 47 a Diskriminierung: (1) Eines unsportlichen Verhaltens gemäß § 47 Absatz 1 macht sich insbesondere schuldig, wer sich politisch extremistisch, obszön anstößig oder provokativ beleidigend verhält. (2) Ein besonders schwerer Fall der Unsportlichkeit liegt vor, wenn die Menschenwürde einer Person oder einer Gruppe von Personen durch herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen oder Handlungen in Bezug auf Hautfarbe, Sprache, Religion, Geschlecht oder sexuelle Orientierung oder Herkunft verletzt wird oder wer sich auf andere Weise rassisch und/oder menschenverachtend verhält." Rechts- und Verfahrensordnung des Bayerischen Fußball-Verbandes

Sanktionen bis hin zum Ausschluss möglich

Man werde die Schiedsrichter sensibilisieren und weitere solche Vorfälle nicht dulden, teilte BFV-Pressesprecher Fabian Frühwirth mit. Bei einer Anhäufung von grenzwertigen Vorfällen innerhalb einer Spielgruppe können die BFV-Konfliktmanager als Moderatoren "Runde Tische" mit den Mannschaftsvertretern, Spielleitern und Schiedsrichtern leiten. Grundsätzlich seien Sanktionen wie Geldstrafen, Sperren, Punktabzüge und im extremen Fall ein Ausschluss denkbar.

Für einen Spieler des FC St. Pauli hat die Unterstützung der türkischen Militäroffensive bereits Konsequenzen. Der Verein trennte sich mit sofortiger Wirkung von Cenk Sahin wegen eines entsprechenden Instagram-Posts.

"Geschichte ist dem Verein sehr unangenehm"

Mittlerweile hat sich der Verein aus Mainburg zu dem Vorfall geäußert: Er bedaure die Aktion der Spieler. Eine politische Aussage, sei von den Spielern nicht beabsichtigt gewesen, so der Vorstand von Türkspor Mainburg, Yüksel Kilik. Man habe im Training am Montagabend 45 Minuten lang mit den Spielern über den Torjubel gesprochen, sagte Trainer Senol Dogruel dem Bayerischen Rundfunk. Auch nach dem nächsten Training werde man sich noch einmal zusammensetzen. Der Torjubel sei keine Geste gegen Kurden. Wie andere Volksgruppen seien auch kurdische Spieler Teil der Mannschaft, so Dogruel.

Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat unterdessen das Gespräch mit dem Verein gesucht. Politische Äußerungen hätten auf dem Platz nichts verloren, hier müsse der Verband reagieren, sagte der zuständige Bezirksspielleiter beim BFV, Richard Sedlmaier. Allerdings hätten die Vereinsverantwortlichen auch glaubhaft versichert, dass der Torjubel keine geplante oder politisch motivierte Aktion gewesen sei. "Die Geschichte ist dem Verein sehr unangenehm", so Sedlmeier. Verbandsvertreter werden am Sonntag das nächste Spiel der Mannschaft besuchen und mit Verantwortlichen und Spielern über den Vorfall sprechen.