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In den Bergen zuhause: Thomas Dreßen findet, die Erschließung neuer Märkte müsse nachhaltig sein.

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Thomas Dreßen: Skirennen in Dubai sind "absoluter Schwachsinn"

Skirennfahrer Thomas Dreßen zeigt sich in Blickpunkt Sport besorgt über die Entwicklungen im professionell Skisport. Er kritisiert die Expansionspläne des FIS-Präsidenten Johan Eliasch.

Olympische Winterspiele ohne natürlichen Schnee, asiatische Winterspiele in Saudi Arabien, Slalomrennen in Dubais Einkaufszentrum. Auch wegen solcher Pläne werden derzeit in Politik, Gesellschaft und unter Sportlern die Entwicklungen im Wintersport in Angesicht von Klima- und Energiekrise kontrovers diskutiert. Es geht um die Frage, wie Wintersport in Zukunft funktionieren kann.

Die Antwort ist für Johan Eliasch, Präsident des internationalen Ski-Verbandes (FIS), relativ klar: Expandieren, neue und zahlungskräftige Märkte erschließen - auch wenn dort unter natürlichen Bedingungen nie Wintersport möglich wäre.

Eliasch: Hallen-Rennen "könnten durchaus Potenzial haben"

Ende 2021 fand das erste offizielle FIS-Rennen in Dubai statt. In einer Skihalle, deren längste Piste 400 Meter in die länge und 80 Meter in die Höhe misst. Ein Testlauf auch für Weltcup-Rennen befürchten viele - auch weil Eliasch, früher Geschäftsführer von Sportartikelhersteller Head, auf die Frage zu solchen Plänen damals antwortete: "Indoor-Ski-Events könnten durchaus Potenzial haben, vor allem über den Sommer hinweg."

"Absoluter Schwachsinn" - Dreßen kritisiert Dubai-Pläne

Für Skirennfahrer Thomas Dreßen wäre das eine Entwicklung in die falsche Richtung. Der Speedspezialist vom SC Mittenwald, der in seiner Karriere schon fünf Weltcup-Rennen gewinnen konnte und in dieser Saison nach mehreren schweren Verletzungen sein Comeback gibt, erklärte in Blickpunkt Sport im BR Fernsehen: "Dass darüber diskutiert wird, in Dubai ein Skirennen zu machen, finde ich absoluten Schwachsinn."

Generell zeigte er sich als Unterstützer von Reformen: "Etwas Neues machen, ist nicht immer falsch. Es ist wichtig, dass man sich überlegt: Wie kann man Sport, wie kann man Wettkämpfe besser machen. Und wie kann man es für die Jugend attraktiver machen, damit die Jugend nicht wegbricht. Damit die Kinder nach wie vor Skifahren lernen wollen."

Dreßen: "Sind an Orte und Jahreszeiten gebunden"

Doch Dreßen argumentierte im Bayerischen Fernsehen, dass der Skisport bei diesen Bestrebungen an natürliche Grenzen stoße: "Man darf sich auch nichts vormachen: Skifahren wird nie eine Weltsportart werden. Dafür sind wir viel zu sehr an Orte und an Jahreszeiten gebunden. Fußball kann man auf der ganzen Welt spielen."

Diese natürliche Grenzen sollte nach Dreßens Ansicht auch Reform-Plänen und der Erschließung neuer Märkte zu Grunde liegen: "Es muss ja ein nachhaltiger Markt sein. Ich bezweifle, dass wenn in Dubai ein Rennen stattfindet, die Kinder in zehn, fünfzehn Jahren sagen: 'Ja, wir wollen Skifahrer werden.'"

Neureuther: Skisport gehört in die Berge

Die Pläne von Eliasch sehen viel aktuelle und ehemalige Profisportler kritisch. Auch ARD-Experte Felix Neureuther sagte über die Skirennen in Dubai: "Wo ist denn der Skisport zu Hause? Das ist in den Bergen, und da gehört er auch hin. Eine Skihalle ist für einen Profisportler ehrlich gesagt keine Herausforderung."

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Thomas Deßen in Blickpunkt Sport

DSV, ÖSV und Swiss Ski verkünden engere Zusammenarbeit - auch gegen Eliasch?

Der Deutsche Skisportverband (DSV) verkündete erst am Wochenende künftig noch enger mit dem österreichischen (ÖSV) und dem schweizerischen (Swiss Ski) Verband zusammenarbeiten zu wollen. Unter anderem solle "die Planung, Vermarktung und Durchführung von Wettkämpfen in allen FIS-Disziplinen koordiniert und optimiert werden", hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Eliasch strebt unter anderem eine Zentralvermarktung vor allem des alpinen Skirennsports an - der DSV, der ÖSV und Swiss Ski wehren sich dagegen. Wie der kroatische Verband zweifeln sie auch die Rechtmäßigkeit der Wiederwahl von Eliasch im Mai 2022 an. Der Fall ist beim Internationalen Sportgerichtshof CAS anhängig. Eine erste Anhörung im Dezember blieb ergebnislos. Ziel der Kooperation ist unter anderem, dass Eliasch die drei Partner nicht mehr gegeneinander ausspielen kann.

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