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Jubeltage in Liga zwei: Der SSV Jahn Regensburg durchlebt eine starke Saison.

    Teamcheck SSV Jahn Regensburg: Hoffnung auf neue Spektakel

    Der SSV Jahn Regensburg war das Überraschungsteam der Hinrunde in der 2. Fußball-Bundesliga. Nach einem Durchhänger vor Weihnachten hoffen die Oberpfälzer in ihrem ruhigen Umfeld auf eine Stabilisierung in der Rest-Rückrunde.

    Von
    Johannes KirchmeierJohannes Kirchmeier

    Auf dem Feld bleibt beim Fußball-Zweitligisten SSV Jahn Regensburg (fast) alles gleich, aber abseits davon hat sich zuletzt Gravierendes verändert: Erstmals seit 2013 startet der Jahn wieder ohne Christian Keller aus der Winterpause. Der Geschäftsführer verabschiedete sich nach achteinhalb Jahren in der Oberpfalz Ende Oktober 2021 - und tritt im April seine neue Stelle beim Bundesligisten 1. FC Köln an.

    "Aus persönlicher Sicht kann ich guten Gewissens sagen, dass all jene Ziele, die ich mir bei meinem Amtsantritt im Sommer 2013 gesetzt habe, mittlerweile realisiert sind. Ich sehe meine Aufgabe daher als erfüllt an", sage Keller kurz vor seinem Abschied.

    Der 43-Jährige war eine Konstante beim Jahn, er gab jahrelang die Richtung des Vereins vor, führte ihn nach dem zwischenzeitlichen Abstieg in die Regionalliga Bayern geradewegs zurück in die 2. Fußball-Bundesliga. Die mittlerweile fünfte Saison dort ist einzigartig in der Klubhistorie. Nun stehen mit Roger Stilz (Sport) und Philipp Hausner (Finanzen) zwei neue Geschäftsführer in der Verantwortung, bislang üben sie ihren Job ähnlich ruhig wie dereinst Keller aus.

    So lief die Hinrunde

    Jahn Regensburg als Tabellenführer der zweiten Liga, am achten Spieltag stimmte das noch. Die Jahn-Elf war die Überraschung der ersten Partien, startete mit spektakulären Siegen wie dem 4:1 gegen den FC Schalke 04 daheim im Jahnstadion oder einem 3:0 bei Holstein Kiel in die Spielzeit.

    Das Team wirkte gefestigt und zeigte sich anders als in den Vorjahren äußerst effizient. Neuzugänge wie der vom FC Bayern geliehene Sarpreet Singh und der aus Aue gekommene Abwehrchef Steve Breitkreuz schlugen ein. Singh ist mit fünf Treffern und sieben Vorlagen der Topscorer des Teams.

    Torwart Alexander Meyer überzeugte zudem mit Gala-Leistungen, Linksaußen Jan-Niklas Beste etablierte sich und der Sechser Max Besuschkow entwickelte sich immer mehr zur Führungsfigur.

    Seit Kellers Weggang am 31. Oktober 2021 aber haben die Regensburger schließlich nur noch eines von sechs Spielen gewonnen. Das ist letztlich auch der Grund, wieso trotz der fulminanten Erfolge zu Beginn nun "nur" Rang acht zu Buche steht nach 18 Spieltagen, für Jahn-Verhältnisse ist das aber natürlich trotzdem überraschend stabil. "Die Pause hat uns in dieser Phase ganz gut getan, auch für den Kopf", sagte Breitkreuz beim Trainingsauftakt am 3. Januar.

    Wer kommt, wer geht?

    Einen Rückkehrer begrüßen die Regensburger in ihren Reihen: Torhüter Alexander Weidinger beendet seine Leihe beim Viertligisten SpVgg Unterhaching vorzeitig, er wird beim Jahn aber neben Thorsten Kirschbaum und Kevin Kunz nur einer der Ersatzmänner des Elfmeter-Killers Alexander Meyer bleiben, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Ansonsten soll den fünften Zweitliga-Klassenverbleib allem Anschein nach der von Keller zusammengestellte Kader schaffen.

    Mit einer Ausnahme: Jann George, Regensburger Theologie-Student und seit 2015 beim SSV Jahn, verließ den Verein nach einer durchwachsenen Hinrunde. Auch aufgrund von Verletzungen kam der Flügelspieler bislang nur zu drei Ligaeinsätzen - er soll dem FC Erzgebirge Aue, wo er vermutlich auf Anhieb Stammspieler sein dürfte, zum Klassenverbleib verhelfen. In den vergangenen Jahren war George noch eine der Säulen des Regensburger Teams. Sein leiser Weggang zeigt auch, wie sehr sich das SSV-Team nach und nach verbessert hat.

    Der Trainer

    Wenn schon Christian Keller nicht mehr da ist, so ist zumindest ein langjähriger Weggefährte weiterhin beim Verein: der Trainer Mersad Selimbegovic, der seit 2006 für den SSV Jahn tätig ist, nachdem er aus seiner Heimat Bosnien-Herzegowina nach Regensburg kam.

    Einst war er Abwehrchef, seit 2012 stieg er vom Co-Trainer der zweiten Mannschaft nach und nach auf. Er wohnt mit seiner Familie unweit der Oberpfälzer Hauptstadt und fühlt sich dort pudelwohl.

    Auch weil er dort den rasanten Fußball lehren darf, den er als Verteidiger einst selbst am liebsten hatte: immer forsch nach vorne verteidigen, nicht abwarten, sondern sich den Ball im Pressing schnell erkämpfen und die Gegner bis zum Schluss stressen. Und wenn es geht, so schnell wie möglich vors gegnerische Tor kontern.

    Nur mit einer Herangehensweise ist er nicht zufrieden: "Das Schlimmste ist für mich, wenn du Angst zeigst", sagte er nach dem 0:2 gegen Darmstadt kurz vor Weihnachten.

    Beim Jahn gibt übrigens nicht der Trainer die Fußballphilosophie vor - sondern der Verein, alle Teams spielen nach der gleichen Art. Selimbegovic hat diese Philosophie vor einigen Jahren an der Seite von Keller mitentwickelt und niedergeschrieben.

    Erwartungen an die Rest-Saison

    Alles, was in Regensburg zählt, ist der Ligaverbleib. Daran hat sich seit auch nach den starken ersten Spielwochen nichts geändert. Selbst in der höchsten Hochphase, der Tabellenführer-Zeit, wies Selimbegovic stets darauf hin, dass er die Ziele nicht ändern wolle und dass sein Jahn gerade so und so viele Punkte von der 40 Punkte-Marke, die in der Regel zum Klassenverbleib reicht, entfernt sei. Aktuell fehlen noch zwölf Zähler.

    Seit 3. Januar trainieren die Regensburger bereits wieder am Vereinsgelände am Kaulbachweg, aber über Weihnachten und Neujahr haben sich die Spieler mittels individuellen Trainingsplänen fitgehalten. "Es braucht zwar schon einen Tag, um wieder richtig reinzukommen", sagte der Rechtsverteidiger Benedikt Saller: "Trotzdem war gleich Feuer im Training und eine gute Energie auf dem Platz."

    Anders stellte sich das dann jedoch bei der Generalprobe zur Rest-Rückrunde dar: Die verloren die Regensburger am vergangenen Samstag 2:4 beim SV Darmstadt 98. Breitkreuz und der Angreifer David Otto trafen für die Oberpfälzer nach 4x30 Minuten.

    "Es war gut zu sehen, dass wir konditionell nicht viel verloren haben, Fußball aber zwei Wochen einfach nicht gespielt haben", sagte Selimbegovic. Da hatte er noch acht Tage Zeit, um fürs Auswärtsspiel beim SV Sandhausen am Sonntag (13.30 Uhr in der Livereportage bei BR24Sport) wieder ein wenig Fußball zu üben mit seinem Team.

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