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Geht in sein drittes Jahr beim SSV Jahn: Trainer Mersad Selimbegovic

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    Teamcheck SSV Jahn Regensburg: Der Trend ist "no friend"

    In seinem fünften Zweitligajahr muss der SSV Jahn Regensburg den zuletzt negativen Trend brechen. Sonst droht der Abstieg in die 3. Liga. Mit Teamgeist und einer Blutauffrischung soll dies möglichst frühzeitig verhindert werden.

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    Von
    • Wolfram Porr

    So lief die vergangene Saison

    Es war die befürchtete Zittersaison: Der SSV Jahn Regensburg musste erstmals in vier Jahren bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt bangen. Ein 3:0-Sieg gegen den FC St. Pauli besiegelte schließlich die Rettung und eine weitere Spielzeit in der 2. Bundesliga.

    Nach den Plätzen fünf, acht und zwölf stand mit Rang 14 diesmal das bisher schlechteste Ergebnis der vier Zweiligajahre des Jahn zu Buche. Ein bedenklicher Negativtrend.

    Während es in der Liga nicht so gut lief wie in den Vorjahren, zeigten sich die Oberpfälzer dafür im DFB-Pokal von ihrer allerbesten Seite. Nach Siegen bei den Drittligisten 1. FC Kaiserslautern und SV Wehen Wiesbaden gelang im Achtelfinale zuhause gegen Bundesligist 1. FC Köln eine Überraschung (2:2 nach 90 Minuten, dann 4:3 im Elfmeterschießen).

    Endstation war erst im Viertelfinale, als man gegen den SV Werder Bremen 0:1 unterlag. Weiter kam der SSV Jahn zuvor noch nie in diesem Wettbewerb.

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    Hoffnungsträger im Angriff: 13-Tore-Mann Andreas Albers (l.)

    Wer kommt, wer geht

    Die Abgänge der beiden torgefährlichen Mittelfeldspieler Sebastian Stolze (Hannover 96) und Albion Vrenezi (Türkgücü München) schmerzen. Florian Heister (Viktoria Köln) und Jan-Marc Schneider (Ziel unbekannt) waren keine Stammkräfte und dürfen sich eine neue Herausforderung suchen.

    Bei den Neuzugängen setzt der Jahn einerseits auf Erfahrung - so kommen Steve Breitkreutz und Leon Guwara (25) als Defensifverstärkungen vom Ligarivalen FC Erzgebirge Aue bzw. von CCC Venlo sowie der 34-jährige Thorsten Kirschbaum fürs Tor, wo allerdings Alexander Meyer gesetzt sein dürfte.

    Andererseits sollen junge unverbrauchte Spieler für eine Blutauffrischung sorgen: Dazu gehören die Mittelfeldspieler Sarpreet Singh (FC Bayern München/Leihe) und Carlo Boukhalfa (SC Freiburg/Leihe) ebenso wie Stürmer Joel Zwarts, der vom niederländischen Zweitligisten Excelsior Rotterdam zum Team stößt - alle erst 22 Jahre alt. Ein Jahr älter ist Konrad Faber (SC Freiburg II), der ebenfalls im Mittelfeld seine Bahnen zieht.

    Von Drittligist SC Verl wurde zudem Torjäger Aygün Yildirim abgeworben. Nach 14 Treffern in der 3. Liga soll er sich nun eine Liga höher durchsetzen und gemeinsam mit dem Dänen Andreas Albers (zuletzt 13 Saisontore) ein gefährliches Sturmduo bilden.

    Der Trainer

    Mersad Selimbegovic trägt seit zwei Spielzeiten die sportliche Verantwortung bei den Rot-Weißen. Der 39-jährige Bosnier gehört zu den ruhigeren Vertretern seiner Zunft. Statt große Töne zu spucken, lässt der Mann, der sich beim Jahn über die U19 und als Co-Trainer erst für größere Aufgaben empfohlen hat, lieber Taten sprechen.

    Schon in den Vorjahren war es nicht seine Art, die zum Teil schmerzlichen Abgänge zu beklagen. Und so ist es auch in diesem Jahr. Rein auf dem Papier ist der Kader vor der neuen Saison nicht unbedingt stärker geworden - gerade Vrenezi und Stolze reißen qualitativ ein Loch. Auch ob der zuletzt lange verletzte Steve Breitkreutz schon so weit ist, eine Führungsrolle zu übernehmen, ist unsicher.

    Aber Selimbegovic ficht das nicht an. Zumindest dringen Kritik oder Unzufriedenheit über den Status Quo, so vorhanden, nicht nach außen. Stattdessen arbeitet der Coach akribisch mit seinen Spielern und versucht, jeden Einzelnen besser zu machen und für jeden den geeigneten Platz in dem von ihm bevorzugten 4-2-2-2-System zu finden.

    Ganz wichtig ist ihm auch ein guter Teamspirit, denn er weiß: Nur so kann gegen die Topteams die Unterlegenheit in dem einen oder anderen Mannschaftsteil kompensiert werden.

    Mit den Testspielen war Selimbegovic zufrieden. "In den sechs Spielen waren wir in vielen Phasen sehr gut", resümierte der Coach, warnte aber auch davor, sich von der guten Vorbereitung in die Irre führen zu lassen. "Wir wissen, was auf uns zu kommt."

    Erwartungen an die Saison

    Gute Ergebnisse in den Testspielen nähren die Hoffnung, dass der SSV Jahn auch in der vielleicht bestbesetzten 2. Liga aller Zeiten bestehen kann. Die Oberpfälzer gewannen fünf ihrer sechs Vorbereitungspartien. Lediglich gegen Wacker Innsbruck gab es nur ein 2:2-Unentschieden.

    Die Generalprobe gegen den ambitionierten Drittligisten Türkgücü München endete 1:0. Das gleiche Ergebnis gab es ein paar Tage davor gegen Slovan Liberec.

    Im Verein herrscht weitestgehend Ruhe. Der Trainer konnte und kann ohne größere Störgeräusche arbeiten. Christian Keller, Geschäftsführer Sport, hält ihm den Rücken frei.

    Fans und Umfeld können die Ergebnisse der letzten Spielzeiten gut einschätzen und honorieren, dass der Klub viermal in Folge eine ordentliche Rolle spielte, auch wenn der Trend leicht nach unten zeigt.

    Und alle wissen: Die Tatsache, dass sich zusätzlich zu so namhaften Klubs wie dem Hamburger SV, Hannover 96 oder dem 1. FC Nürnberg nun auch noch der FC Schalke 04 und Werder Bremen in der Liga tummeln, macht es für den Jahn nicht einfacher. Keller sprach vom Jahn in dem Zusammenhang von einem "Schlauchboot unter Tankern".

    Offizielle Zielvorgaben für die neue Saison gibt es bislang nicht. Erneut drei Vereine hinter sich zu lassen, wäre wohl ein Erfolg für die Oberpfälzer. Ein guter Saisonstart (beim SV Darmstadt 98, danach zuhause gegen den SV Sandhausen) wäre wichtig, um in ruhiges Fahrwasser zu kommen und Selbstvertrauen für die Spiele gegen die Topteams zu tanken.