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Einen guten Start und den möglichst früh gesicherten Klassenerhalt - das wünscht sich der Kapitän von Zweitligaaufsteiger FC Ingolstadt, Stefan Kutschke. Die Schanzer starten am Samstag mit neuem Trainer bei Dynamo Dresden in die Saison.

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Teamcheck FC Ingolstadt 04: Mit Jugendstil zum Klassenerhalt

Nach drei Relegationen in Folge ist der FC Ingolstadt 04 zurück in der 2. Liga. Der Freude über den Aufstieg folgte auf dem Trainer- wie auf dem Sportdirektorposten ein unerwarteter Stabwechsel. Entsprechend schwer sind die "Schanzer" einzuschätzen.

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Von
  • Wolfram Porr

So lief die vergangene Saison

Der FC Ingolstadt gehörte 2020/21 von Anfang an zur Spitzengruppe in der 3. Liga. Zusammen mit den späteren direkten Aufsteigern Dynamo Dresden und FC Hansa Rostock setzten sich die Oberbayern im letzten Saisondrittel in der Tabelle ab. Erst ein "Schlussspurt" des TSV 1860 München sorgte dafür, dass es am letzten Spieltag im heimischen Sportpark zum Endspiel gegen die Löwen um einen Top-drei-Platz kam. Ingolstadt gewann die Partie mit 3:1 und setzte sich anschließend auch in der Relegation gegen Zweitligist VfL Osnabrück (3:0, 1:3) durch.

Trainer Tomas Oral, der bereits zum dritten Mal in Diensten des FC Ingolstadt stand, durfte sich als Aufstiegstrainer feiern lassen, verkündete bald darauf aber überraschend seinen Abschied. Kurz nach Oral kam es auch zur Trennung von Sportdirektor Michael Henke. Auslöser seien hier unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung des Vereins für die Zukunft gewesen, hieß es.

Das Traineramt übernahm Roberto Pätzold, der bereits 2018 als Interimstrainer eingesprungen war und zuletzt die U19 des Klubs trainierte. Den Posten des Sportdirektors hat seit Juli Malte Metzelder inne, der von 2007 bis 2014 Spieler des FCI war, anschließend eine Traineeprogramm im Verein durchlief und zuletzt bis 2020 bei Preußen Münster die sportlichen Geschicke leitete. Neue Köpfe also für den neuen Anlauf in der 2. Bundesliga.

Wer kommt, wer geht

Die Transferperiode verlief erstaunlich ruhig. Der Däne Björn Paulsen, drei Jahre lang "Turm in der Schlacht" in der Ingolstädter Innenverteidigung, wechselte zu Hammarby IF nach Schweden, wo er möglicherweise in der Europa Conference League international spielen kann. Ein herber Verlust.

Mit Mittelfeldspieler Robin Krauße (Eintracht Braunschweig) und Caiuby (Ziel unbekannt) sind zwei weitere Profis nicht mehr da, die auf 20 bzw. 19 Ligaspiele kamen. Dagegen fällt der Weggang von Gordon Büch (ein Saisonspiel/RFC Union Luxemburg) nicht ins Gewicht.

Was Neuzugänge angeht, so gab es es beim FCI bislang nicht allzu viel zu vermelden. Von Eintracht Braunschweig stieß Mittelfeldspieler Yassin Ben Balla zum Team, der sich in der Vorbereitung allerdings gleich verletzte und zum Start am Samstag bei Mitaufsteiger Dynamo Dresden (Anstoß: 13.30 Uhr) möglicherweise fehlen wird. In der vergangenen Zweitligasaison brachte er es für die Niedersachsen auf 28 Partien (zwei Tore). Diese Erfahrung sollte ihm nun helfen.

Aus der 3. Liga wechselte außerdem Verteidiger Jan-Hendrik Marx (SV Waldhof Mannheim) in die Autostadt. Ob weitere Neuzugänge folgen, hängt wohl vom Saisonstart ab und davon, ob sich gegen Ende der Transferperiode noch das eine oder andere "Schnäppchen" auftut. Speziell auf der knapp besetzten Innenverteidigerposition sieht Pätzold durchaus noch Handlungsbedarf.

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Zweitligaaufsteiger FC Ingolstadt steht vor einer schweren Saison. Nicht nur wegen des neuen, noch unerfahrenen Trainers. Doch Roberto Pätzolds Plan ist klar: Sein Jugendstil ist schnörkellos, aggressiv, schnell und direkt.

Der Trainer: Roberto Pätzold - fordernd und einfühlsam

Nach dem doch überraschenden Abschied von Aufstiegstrainer Tomas Oral reagierten die Verantwortlichen schnell und präsentierten Roberto Pätzold als neuen Cheftrainer. Der 42-Jährige ist seit 2015 als Nachwuchstrainer im Verein und sprang 2018 nach der Entlassung von Alexander Nouri einmal für ein Spiel (1:2 gegen den Hamburger SV) als Interimstrainer ein. Danach rückte er wieder ins zweite Glied und trainierte bis zuletzt die U19.

Profierfahrung? Fehlanzeige. Trotzdem wird Vertrauen in den gebürtigen Berliner gesetzt, der gemeinsam mit seinen Assistenten Thomas Karg, Christoph Kappel und Luca Schuster sowie Torwarttrainer Robert Wulnikowski das Team bildet und speziell die jüngeren Spieler im Kader bereits gut kennt.

Pätzolds Plan ist klar: Sein Jugendstil ist schnörkellos, aggressiv, schnell und direkt - und genauso soll er das Team zum Klassenerhalt führen. "Ich bin auf dem Trainingsplatz sehr sehr fordernd, abseits vom Platz bin ich einfühlsam. Ich mag emotionalen, leidenschaftlichen Fußball", sagt der 42-Jährige über sich. Für ihn ist das erste Profi-Engagement die große Chance, sich in der Szene einen Namen zu machen. Dafür, so hört man, nimmt er auch in Kauf, dass der FCI und sein Hauptsponsor Audi derzeit nicht so tief in die Tasche greifen wollen, wie das andere Großkonzerne bei ihren Klubs machen.

Erwartungen an die neue Saison

Nach zwei verlorenen Relegationen ist der FC Ingolstadt wieder in der Liga, in der er sich selbst sieht. Und man geht selbstbewusst in die neue Saison: "Wir gehören dahin", sagte Geschäftsführer Manuel Sternisa, der "glücklich und froh" ist, den Trainer- und Sportdirektorposten mit Pätzold und Metzelder gut besetzt zu haben.

Wie lange die Begeisterung anhält, bleibt abzuwarten und hängt sicher auch vom Abschneiden in den ersten Saisonpartien ab. Die Zurückhaltung auf dem Transfermarkt ist für einen Aufsteiger ungewöhnlich und macht einigen Fans Sorgen. Kann Björn Paulsen adäquat ersetzt werden? Reicht die Qualität im Angriff? Ist die Mannschaft erfahren genug für die 2. Liga? Kann Roberto Pätzold Profitrainer? Das alles sind Fragen, die sich gerade stellen und auch nach den Testspielen (u.a. ein 1:1 gegen Bundesligaaufsteiger SpVgg Greuther Fürth) nicht seriös beantwortet werden können.

Spieler wie Stefan Kutschke, Marcel Gaus, Tobias Schröck oder Marc Stendera, die bereits Bundesliga- oder Zweitligaerfahrung vorweisen können, sind vor allem gefragt und müssen beweisen, dass sie auf dem Niveau noch mithalten können. Von jungen Hoffnungsträgern und Talenten wie Filip Bilbija, Merlin Röhl oder Patrick Sussek erhofft man sich den nächsten Schritt in der vielleicht stärksten 2. Liga aller Zeiten.

Man muss kein Prophet sein, um dem FC Ingolstadt eine schwierige Saison vorherzusagen. Auf dem Papier sind 13 bis 14 Klubs besser aufgestellt als die "Schanzer". Es wird Geduld und einen besonderen Teamspirit brauchen, um am Ende drei Teams in der Tabelle hinter sich zu lassen.