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Teamcheck FC Bayern München: Trainer Kovac' Meisterprüfung | BR24

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FC Bayern-Trainer Niko Kovac

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Teamcheck FC Bayern München: Trainer Kovac' Meisterprüfung

Trotz sechs Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Dortmund glaubt FC Bayern-Trainer Niko Kovac an den Gewinn der Meisterschaft. Das ist kein einfaches Unterfangen. Der Coach ist sich sicher, aus der zwischenzeitlichen Krise die Lehren gezogen zu haben.

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So lief die Hinrunde

Es schien wie ein Auftakt nach Maß für den FC Bayern und seinen gerade von der Frankfurter Eintracht eingekauften Trainer Niko Kovac: Vier Spieltage lang fertigte der Serienmeister die Gegner ab und lächelte von der Tabellenspitze.

Dann aber bekam das idyllische Bild Risse. Der FC Augsburg entführte einen Punkt aus der Münchner Arena, in der Champions League gab es ein enttäuschendes 1:1 gegen Ajax Amsterdam. Die Hertha behielt den Dreier beim 2:0-Sieg komplett für sich und die Mönchengladbacher Fohlen schenkten den Münchnern gleich drei Treffer ein.

Der erfolgsverwöhnte Verein fand sich auf einmal auf Tabellenplatz sechs wieder. Da schmeckte nicht einmal mehr das Bier auf dem Oktoberfest. Arg ungemütlich fiel die anschließende Länderspielpause für Trainer Kovac aus - trotz aller Durchhalteparolen und einem Treueschwur von Präsident Uli Hoeneß.

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Die Bayern-Stars sind nach der 0:3-Niederlage gegen Mönchengladbach bedient.

Doch der Coach und seine Kicker kratzten die Kurve. Gegen Wolfsburg und Mainz gelangten sie wieder auf die Siegesstraße. Anstatt aber durch einen Sieg beim Erzrivalen in Dortmund wieder an den Platz an der Sonne heranschnuppern zu können, enteilte den Münchnern der BVB durch einen 3:2-Erfolg mit sieben Punkten Abstand.

Nach einem blamablen Unentschieden des FC Bayern gegen Düsseldorf vergrößerte sich das Paket sogar auf neun Zähler. Erst dann erwachten die Münchner wieder zu alter Stärke: Bis zur Winterpause folgten fünf Siege in Serie. Einziges Manko: Auch Tabellenführer Dortmund zeigte keine Schwäche und hielt den Verfolger auf sechs Punkten Abstand.

Der Trainer

Passend zum ungewohnten Tabellenstand des Rekordmeisters ist die Gefühlslage beim Trainerneuling auf der Münchner Bank. Sein anfänglich ansteckendes strahlendes Lächeln weicht nach der "Wiesn-Krise". Wegen der ständigen Rotation, mit der der Trainer sein Starensemble eigentlich bei Laune halten will, hagelt es auf breiter Spur und sogar von Spielerfrauen öffentliche Kritik. Die Schelte kontert Kovac voller Trotz: "Wenn ich mich erinnere, sind wir angeblich schon Meister und werden nicht geschlagen. Und urplötzlich ist keine Spielidee dahinter, gibt's keine Struktur, gibt's keine Ordnung".

Die auflehnende Phase des jungen Trainers dauert allerdings nur kurz. Auf einmal wird alles anders. Schluss mit der Rotation. Sogar einen (entthronten) Weltmeister wie Mats Hummels degradiert Kovac zum Bankdrücker. Er hat dazu gelernt: Man kann als Bayerntrainer nicht jedermanns Freund sein. Und siehe da, mit der Rückkehr der Erfolge sitzt er wieder fest im Sattel. Nicht einmal der enteilte Tabellenführer und die dadurch drohende ausbleibende Meisterschale beunruhigen die Vereinsverantwortlichen.

Anstatt ihren Coach anzuzweifeln, richten sie eine Brandrede gegen die immer noch kritisierende Journaille. Trotzdem sei an dieser Stelle erlaubt, dem Münchner Trainerstuhl die ultimative Sicherheit noch nicht zuzusprechen. Schließlich stehen die großen Herausforderungen in der Liga, im Pokal und erst recht in der Champions League noch bevor. Falls der FC Bayern nach einer Saison mit "nur" einem Meistertitel auch diesmal keinen Pokal nach Hause bringt, oder am Ende ganz leer ausgeht, dürften die Treuebekundungen ganz schnell wieder bröckeln.

Wer kommt, wer geht

Erschweren könnte die Titeljagd, dass der angekündigte große Umbruch der in die Jahre gekommenen Elf erst nach dem Ende der Saison stattfinden wird. In der Winterpause hat sich ausschließlich Alphonso Davies erstmals das Münchner Trikot übergestreift. "Er ist ein Spieler, auf den wir absolut zählen. Er wird viele Rückrundenspiele machen", versprach der Coach. Weltmeister Benjamin Pavard kommt erst im Sommer an die Säbener Straße. Bis dahin müssen Arjen Robben (34 Jahre) und Franck Ribéry (35) noch durchhalten. Weltmeister Jerome Boateng (30) ist weit von seiner Bestform entfernt, Mats Hummels (29) hat nicht mehr die WM-Form von 2014 und auch für Rafinha (33) sollte Ersatz gefunden werden.

Bis auf das Interesse des FC Bayern an Englands U19-Nationalspieler Callum Hudson-Odoi sind keine weiteren potenziellen Neuzugänge in Sicht. Trotzdem ist Kovac von der Qualität seines Teams überzeugt: "Wir haben eine richtig gute Mannschaft. Wenn auch die Oldtimer wieder dazu kommen, brauchen wir keine anderen". Durch Konkurrenzdruck will er die Qualität seines Kaders noch steigern. So erwartet er einen hochmotivierten James Rodríguez, der "durch Topleistungen um seinen Arbeitsvertrag spielt". Die Bayern haben nämlich noch nicht entschieden, ob sie beim von Real Madrid ausgeliehenen Kolumbianer die 42 Millionen Euro teure Kaufoption ziehen.

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Alphonso Davies

Erwartungen an die Rückrunde

Kovac will in der Rückrunde auf jeden Fall so schnell wie möglich den Abstand auf den BVB verkürzen. Seine Hochrechnung lautet: Dortmund patzt mindestens einmal, dazu gibt es einen Heimsieg am 6. April im Topduell gegen den Rivalen aus Nordrhein-Westfalen. Wenn die Borussia allerdings in einer solchen Topform wie in der Vorrunde weitermacht, könnte sich die Vorgabe des Münchner Trainers als frommer Wunsch entpuppen.

Zudem ist in der Kalkulation auch kein – durchaus möglicher - Ausrutscher des Rekordmeisters berücksichtigt. Das Rennen um die Meisterschaft bleibt für den FC Bayern also weiterhin Sisyphusarbeit. Trotzdem sagt Kovac vor dem Rückrundenstart: "Wir wollen Meister werden und ich will Meister werden" und ergänzt: "Das wäre ja mein erster Meistertitel". Dass das bei dieser Ausgangslage kein einfaches Unterfangen ist, ist ihm klar. "Wenn es einfach wäre, kann es ja jeder machen", sagt Kovac lächelnd. In der Champions League werde man sich dann im Februar und März der Aufgabe Liverpool stellen "und alles tun, sie zu bestehen", sagt Kovac. Was danach noch möglich ist, steht in den Sternen.

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Weitere Information zur Verweildauer

© dpa-Bildfunk/Peter Kneffel

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