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Teamcheck FC Bayern München: Auf Kovac lastet großer Druck | BR24

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Die achte Meisterschaft in Folge ist für die Münchner und ihren Trainer Pflicht. Man sei im erwarteten Zweikampf mit Herausforderer Borussia Dortmund "selbstbewusst, aber es wird schwer genug", sagte FC-Bayern-Trainer Niko Kovac.

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Teamcheck FC Bayern München: Auf Kovac lastet großer Druck

Der FC Bayern geht als Titelverteidiger in die neue Saison der Fußball-Bundesliga. Die Mannschaft steckt mitten im Umbruch. Doch der Königstransfer im offensiven Mittelfeld lässt auf sich warten. Für Trainer Niko Kovac wird es keine leichte Saison.

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So lief die vergangene Saison

In einem packenden Saisonfinale setzten sich die Münchner gegen Borussia Dortmund durch. Für den Rekordtitelträger war es der 29. Meistertriumph. Doch anders als in den vorherigen Jahren blieb der Titelkampf lange spannend: Die Münchner und Borussia Dortmund lieferten sich im Saisonendspurt ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen.

Zur Winterpause sah es noch so aus, als könnte der BVB die Bayern-Dominanz durchbrechen. Bis zu neun Punkte Vorsprung hatten die Westfalen, der Stuhl von Trainer Niko Kovac wackelte gewaltig. Vor allem nach dem blamablen 3:3 gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf, als die Münchner im eigenen Stadion eine 3:0-Führung verspielten.

Doch zur Rückrunde drehten die Münchner richtig auf und starteten eine erfolgreiche Aufholjagd. Der 5:0- Sieg gegen Dortmund am 28. Spieltag war eine Art Matchpoint. Doch erst am letzten Spieltag konnten die Bayern den siebten Titel in Folge fix machen.

Wer kommt, wer geht?

Der FC Bayern steht vor dem Umbruch. Mit Franck Ribéry (Ziel unbekannt) und Arjen Robben (Karriereende) verließen zwei absolute Identifikationsfiguren und Leistungsträger den FC Bayern. Beiden gelang bei ihrem letzten Auftritt vor heimischen Publikum ein perfekter Abschied: Beide schossen noch ein Tor- beim Treffer von Ribéry ließ Präsident Uli Hoeneß seinen Tränen freien Lauf.

Weniger emotional, dafür aber umso spektakulärer verlief der Abgang von Mats Hummels. Für viele überraschend wechselte der Abwehrspieler zurück nach Dortmund. Mit ein Grund soll ein Neuzugang sein: Mit Weltmeister Lucas Hernández kam von Atlético Madrid ein neuer Verteidiger - 23 Jahre alt und 80- Millionen Euro teuer. Für die Bayern und den deutschen Fußball war es der bislang teuerste Transfer der Geschichte. In einem Gespräch mit Hummels sollen die FCB-Verantwortlichen dem 30-Jährigen klar gemacht haben, dass Niklas Süle und Hernández in der Innenverteidigung gesetzt seien.

Ebenfalls für die Innenverteidiung wurde Hernández' Weltmeisterkollege Benjamin Pavard von Absteiger VfB Stuttgart verpflichtet. Er steht in Konkurrenz zu Jérôme Boateng. Der ehemalige Nationalspieler wird wohl beim FC Bayern bleiben - obwohl ihm Hoeneß auf der Meisterfeier zu einem Wechsel geraten hatte.

"Jérôme und Benjamin haben das zuletzt sehr gut gemacht. Lucas wird auch schnell darauf drängen, zu spielen. Ich bin, so wie wir dastehen, sehr zufrieden mit meiner Verteidigung." Niko Kovac

Die Verteidigung steht also. Die Suche nach einem offensiven Mittelfeldspieler und einem Backup für Robert Lewandowski gestaltet sich dagegen bislang äußerst schwierig. Der Königstransfer blieb bislang aus. Der heftig umworbene Leroy Sané von Manchester City zog sich kurz vor einem möglichen Wechsel eine schwere Knieverletzung zu.

Stattdessen wurde kurz vor Bundesliagstart der 30-Jährige Ivan Perisic verpflichtet. Der Kroate kommt für fünf Millionen Euro Leihgebühr von Inter Mailand.

Der Trainer

Niko Kovac geht in seine zweite Saison beim FC Bayern. Doch trotz des gewonnenen Doubles fehlt der öffentliche Rückhalt, vor allem von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Immer wieder gibt es feine Spitzen in Richtung des Coaches. Zuletzt gab es einen Rüffel für Kovac, weil sich der Kroate optimistisch zu einer Sané-Verpflichtung äußerte. Vor allem der "mut- und herzlose Auftritt" beim Aus in der Champions League im Achtelfinale gegen den FC Liverpool "wurmt" den Vorstandsboss anscheinend bis heute. Einzig Uli Hoeneß stand auch in unruhiger Zeit hinter Kovac. Doch der Präsident wird sein Amt wohl im November niederlegen.

© picture-alliance/dpa

Beim verlorenen Supercup gegen Borussia Dortmund zeigten sich die Schwächen der Bayern im Mittelfeld.

Erwartungen an die Saison

Kovac soll den Umbruch der Mannschaft weiter moderieren. Das wird angesichts des aktuellen Kaders nicht einfach. Und auch die sportlichen Erwartungen sind hoch: Rummenigge betonte, die deutsche Meisterschaft sei zwar "das Brot- und Buttergeschäft. Aber ich gebe offen zu: Es ist nicht der wertvollste Titel. Das ist die Champions League." Rummenigge will Kovac "jetzt nicht unter Druck setzen, aber die Formel ist einfach: Je weiter du kommst, desto größer ist die Aufmerksamkeit. Das Finale der Champions League hat ein Milliardenpublikum, das ist durch nichts zu ersetzen." Was für alle anderen Vereinen die Erfüllung eines Traums wäre, ist für den FC Bayern anscheinend schon nichts Besonderes mehr - der Meistertitel.

"In Europa wäre es gut, weiter zu kommen als in der letzten Saison." Karl-Heinz Rummenigge

Bei der obligatorischen Bundesliga-Trainer-Umfrage lautete die Antwort auf die Frage, wer deutscher Meister wird, fast einstimmig: FC Bayern München. Der Weg zur achten Meisterschaft in Folge wird aber nicht einfach werden. Denn Dauerkonkurrent Borussia Dortmund hat im Gegensatz zum FCB seine Hausaufgaben auf dem Transfermarkt gemacht und in Julian Brandt, Thorgan Hazard, Mats Hummels und Nico Schulz viel Qualität geholt.

Wenn der FC Bayern nicht, wie von Spielern und zuletzt auch von Kovac gefordert, noch den ein oder anderen Neuzugang für die Offensive holt, wird es mit einem 18-Mann-Kader schwer, in allen drei Wettbewerben erfolgreich zu sein. Im verlorenen Super-Cup gegen Dortmund und auch in der Pokalpartie gegen Cottbus offenbarten die Münchner Schwächen im Mittelfeld und machten deutlich, wie nötig weitere Neuverpflichtungen sind.

"Wir wollen immer Meister werden. Es gibt zwar auch andere Mannschaften, die um den Titel mitspielen werden, aber wir gehen mit der Einstellung in die Saison, am Ende ganz oben zu stehen. Wir sind sieben Mal hintereinander Meister geworden, wir wollen jetzt das achte Mal schaffen." Niko Kovac

Bei ausbleibenden Erfolgen droht schnell wieder Unruhe. Deshalb sollte sich das Szenario der vergangenen Saison, als die Bayern in eine schwere Herbstkrise gestürzt waren, nicht wiederholen.

"Dieses Jahr wollen wir nicht wieder neun Punkte zurückliegen." Niko Kovac