Club-Trainer Markus Weinzierl steht vor einer schwierigen Rückrunde.
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Club-Trainer Markus Weinzierl steht vor einer schwierigen Rückrunde.

    1. FC Nürnberg: Mit Vollgas gegen das Verletzungspech

    Der 1. FC Nürnberg ist trotz Tabellenplatz elf weiterhin in akuter Abstiegsgefahr in der 2. Bundesliga. Vor dem Start in die Rückrunde gibt vor allem die Verletztenmisere und die daraus resultierende dünne Personaldecke Grund zur Sorge.

    Tabellenplatz elf für den 1. FC Nürnberg täuscht, denn der direkte Abstiegsplatz ist nur zwei Zähler entfernt. "Wir schnaufen heute noch einmal kräftig durch", hatte sich Trainer Markus Weinzierl erleichtert gezeigt nach dem 2:1-Heimsieg gegen den SC Paderborn zum Hinrundenabschluss. "Es ist sehr, sehr eng in dieser Tabelle. Und wenn wir heute verloren hätten, wären wir Letzter. Jetzt sind wir Elfter."

    Der Club befindet sich vor dem Rückrundenstart der 2. Bundesliga also weiterhin in akuter Abstiegsgefahr. Da hilft es wenig, dass den Franken aufgrund langwieriger Verletzungen das Personal ausgeht.

    Derbysieg als einziges Highlight

    Durchwachsen war der 1. FC Nürnberg in die Saison gestartet. Einer 2:3-Niederlage beim FC St. Pauli, bei dem die Mannschaft zumindest spielerisch überzeugte, folgte dann der Derbysieg im eigenen Stadion. Der 2:0-Sieg gegen Bundesligaabsteiger Greuther Fürth war bisher aber einer der wenigen Lichtblicke in einer mehr als durchwachsenen Saison.

    Es war ein Auf- und Ab. Der 0:3-Heimblamage gegen Heidenheim, bei dem sich das Team des damaligen Trainers Robert Klauß ihrem Schicksal ergab, schloss sich ein Last-Second-Sieg in Sandhausen an. Danach fing sich der Club zwei Niederlagen gegen Hamburg und Braunschweig ein. Besonders die Niederlage gegen den Drittligaaufsteiger am 7. Spieltag sorgte für Entsetzen und erste ernste Zweifel an Trainer Robert Klauß.

    Das darauffolgende 1:0 zuhause gegen Mitabstiegskonkurrent Arminia Bielefeld - ebenfalls Last-Minute - brachte nur kurz Erleichterung, denn gegen auch gegen Darmstadt (0:2) und Karlsruhe (0:3) blieben die Franken danach punktlos.

    Klauß muss gehen, Weinzierl kommt

    Unmittelbar nach Schlusspfiff in Karlsruhe war für Sportvorstand Dieter Hecking klar, dass er sich von seinem Cheftrainer trennen muss. Einen Tag später wurde die Demission des ehemaligen Leipzigers der breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht. Wiederum einen Tag später präsentierte Hecking schon den Nachfolger.

    Der Ex-Augsburger Markus Weinzierl ist der neue Chef an der Seitenlinie. Das Debüt zuhause gegen Kiel misslang, eine Woche später gelang der Überraschungserfolg gegen Aufstiegsaspiranten Düsseldorf. Der erste Sieg dem eine Sieglosserie in der Liga von vier Spielen folgte. Das 2:1 gegen Paderborn vor der WM-Pause spülte den Club auf Platz 11 mit 19 Punkten.

    Trainerwechsel mit mäßigem Effekt

    Rein punktetechnisch fiel der Effekt des Trainerwechsels eher mäßig aus. Neun Zähler holten die Franken unter ihrem neuen Coach. Dafür schaffte es der Niederbayer, die anfällige Defensive zu stabilisieren, doch darunter litt die Offensive. Der 1. FC Nürnberg stellt mit nur 16 erzielten Toren in 17 Spielen den schwächsten Angriff der Liga. Einzig Kwadwo Duah wusste mit sechs Treffern bisher zu überzeugen.

    Unfassbares Verletzungspech

    Erschwerend kommt die dünne Personaldecke hinzu, die der FCN aufgrund zahlreicher Verletzungen derzeit aufweist. Sieben Stammspieler sind aktuell verletzt, für einige ist die Saison sogar komplett beendet. Aus dem Spiel gegen Paderborn haben die Franken drei Langezeitverletzte mitgenommen.

    Kapitän Christian Mathenia wird aufgrund einer Schulterverletzung kein Spiel mehr in dieser Saison bestreiten. Auch Verteidiger James Lawrence (Innenmeniskusriss) und Linksverteidiger Erik Wekesser (Kreuzbandverletzung) fallen lange aus. Wekesser war eigentlich als Ersatz für Tim Handwerker geplant gewesen, der sich bereits am 3. Spieltag in Regensburg einen Kreuzbandriss zugezogen hatte.

    Horn kommt und verletzt sich direkt

    Und das Verletzungspech blieb dem Traditionsklub auch im Trainingslager in Belek treu. Der gerade vom VfL Bochum auf Leihbasis verpflichtete Linksverteidiger Jannes Horn verletzte sich direkt im ersten Testspiel - nur vier Tage nach seiner Verpflichtung am Außenmeniskus und kann seinem neuen Verein vorerst nicht helfen.

    Um die anderen verletzungsbedingten Baustellen zu schließen, hat Sportvorstand Dieter Hecking im Winter kräftig eingekauft. Für das Tor leiht Nürnberg den Dänen Peter Vindahl Jensen von AZ Alkmaar. Außerdem kam Mittelfeldspieler Florian Flick auf Leihbasis vom FC Schalke 04. Mit Rechtsaußen Benjamin Goller von Werder Bremen soll die Offensive belebt werden. Zuletzt kam noch Danny Blum zurück, der Offensivspieler war bereits von 2014 bis 2016 für den Club aufgelaufen und wurde erneut verpflichtet.

    Vollgasfußball in der Rückrunde

    Für die Rückrunde wünscht sich der Trainer Weinzierl "90 Minuten Vollgasfußball" von seiner Mannschaft. "Wir haben Jungs, die willig sind und es können", sagte Weinzierl in einem Podcast des 1. FC Nürnberg. Ziel sei es außerdem, sich "in schlechten Phasen durch Intensität" zu wehren. "Vom Fitnesslevel haben wir eine andere Basis als im Oktober oder November", zieht der Übungsleiter ein positives Fazit am Ende des Trainingslagers.

    Das Gelernte können seine Profis beim Rückrunden-Auftakt Ende Januar anwenden. Dann geht die Mission Klassenerhalt mit der Partie gegen den FC St. Pauli weiter.

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