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Nürnbergs Mats Möller-Daehli (l.) und Nikola Dovedan klatschen sich ab

    Teamcheck 1. FC Nürnberg: Eingespielt zum Erfolg

    Nach Platz elf im Vorjahr hatte der 1. FC Nürnberg auf eine Steigerung in dieser Spielzeit gehofft. Diese Hoffnung hat sich erfüllt: Der Club spielt konstant im oberen Drittel mit und könnte sogar in den Aufstiegskampf eingreifen - wenn alles passt.

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    Wolfram PorrWolfram Porr

    Der 1. FC Nürnberg gehört zu den Vereinen in Deutschland, bei denen Erfolg und Misserfolg besonders intensiv durchlebt werden. Drei Niederlagen in Serie sind am Valznerweiher schneller eine "Katastrophe" als anderswo, dafür steigt nach Siegen sehr schnell das Euphorielevel.

    Gemessen daran verlief dieses Jahr bislang erstaunlich ruhig, was sicher auch mit den Coronabeschränkungen zu tun hatte. Die Vereinsführung bemüht sich um Kontinuität. Trainer Robert Klauß darf nun schon seit eineinhalb Jahren eine eingespielte Mannschaft entwickeln, Dieter Hecking und Olaf Rebbe halten ihm als Sportvorstand bzw. Sportdirektor den Rücken frei.

    So lief die Hinrunde

    Platz fünf kann sich wahrlich sehen lassen. Der Club hielt sich im bisherigen Saisonverlauf konstant im oberen Drittel auf und zeigte sich gegenüber dem Vorjahr vor allem defensiv stark verbessert. 21 Gegentore - das bedeutet die drittbeste Abwehr der Liga.

    Torhüter Christian Mathenia hat sich stabilisiert und ruft endlich konstant gute Leistungen ab, das Gleiche gilt für die Abwehrreihe, in der Kapitän Enrico Valentini außen sowie Christopher Schindler und Asger Sörensen innen den Laden dichthalten. Im Mittelfeld spielt Mats Möller Dählie eine bärenstarke Runde, und vorne gibt es mit dem erst 19-jährigen Erik Shuranov endlich mal wieder ein Talent aus der eigenen Jugend, das für Tore gut ist (fünf Saisontreffer) und sich sogar noch steigern kann.

    Mit 30 Punkten ist man punktgleich mit deutlich höher gehandelten Teams wie dem FC Schalke 04 oder dem Hamburger SV, die lediglich eine bessere Tordifferenz aufweisen. Platz drei, der Aufstiegs-Relegationsplatz, ist für den FCN in Reichweite.

    Hecking, der vor der Saison Platz fünf bis acht als Ziel ausgegeben hatte, sieht sich bestätigt: "Ich weiß, dass Olaf und Robert nicht ganz so glücklich mit der Entscheidung waren, weil uns diese Ankündigung ein Stück weit verfolgen kann. Ich will aber, dass die Mannschaft weiß, wo es hingehen soll, sie soll kein Alibi haben." Außerdem brauche die Mannschaft "auch eine Orientierung". Der Club müsse "jetzt weiterkommen und dafür gehört für mich auch ein Saisonziel", so Hecking weiter.

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    Sportvorstand Dieter Hecking (vorne) und Trainer Robert Klauß

    Wer kommt, wer geht

    Kurz nach dem Saisonstart ließ der 1. FC Nürnberg Robin Hack zu Arminia Bielefeld ziehen. Einen echten Ersatz gab es für den offensiven Mittelfeldakteur nicht. Auch in der Winterpause bahnt sich kein Zugang mehr an, stattdessen arbeiten die Franken daran, Verträge mit Leistungsträgern und Identifikationsfiguren zu verlängern.

    Den Anfang machte Johannes Geis (28), laut Hecking "einer der Köpfe der Mannschaft". Sein Kontrakt lief zum Saisonende aus und wurde nun "längerfristig" verlängert. Ihm folgte Kapitän Enrico Valentini, bei dem sich der Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr verlängerte. Der 32-Jährige will seine Profikarriere beim Club auch beenden und soll anschließend einen Job im Verein übernehmen.

    "Enrico ist als Kapitän der Kopf dieser Mannschaft. Seine Einstellung ist vorbildlich, seine Verbindung zum 'Club' stark ausgeprägt", sagte Hecking zu der Personalie. "Sportlich wie menschlich passt es hervorragend."

    Das gilt auch für Asger Sörensen und Tim Handwerker. Mit beiden Spielern würde der FCN ebenfalls gerne längerfristig zusammenarbeiten. Gespräche laufen. Anders sieht es bei Mittelfeldspieler Linus Rosenlöcher aus. Der 21-Jährige, der noch zu keinem Saisoneinsatz kam, soll an den dänischen Zweitligisten Esbjerg fB verliehen werden, um Spielpraxis zu bekommen. Die Vollzugsmeldung steht hier aber noch aus.

    Der Trainer

    Robert Klauß kam vor eineinhalb Jahren als junger Coach ohne Cheftrainererfahrung aus Leipzig nach Nürnberg. Nach einem durchwachsenen ersten Jahr, in dem der 37-Jährige durchaus kritisch beäugt wurde, scheint er nun seine Idee vom Fußball besser vermitteln und durchsetzen zu können.

    "Robert ist sehr bodenständig, er hat diesen Trainerjob von der Pike auf gelernt, er versteht den Fußball. Bei seiner Entwicklung merke ich jetzt, dass er mehr Emotionalität zeigt, er wird wärmer. Das sind so kleine Entwicklungsschritte, die ich an ihm ausmache", lobte ihn Hecking kürzlich.

    Kurzfristige Ziele sind Klauß nicht zu entlocken. Zwei Wünsche will er aber mittelfristig mit dem 1. FC Nürnberg verwirklichen: "Mein Ziel ist es, einen Heimsieg in einem ausverkauften Max-Morlock-Stadion zu erleben", sagte er im vereinseigenen Podcast. Sein zweites Ziel: "Ich will mit diesem Club in die erste Liga!" Wann das klappen soll, ließ er freilich lieber offen.

    Erwartungen an die Rest-Saison

    Der Club steht so gut da wie lange nicht. Warum also nicht gleich die großen Ziele anpeilen? Große Töne spucken wie einst unter Präsident Michael A. Roth ist aber nicht der Stil von Klauß oder Hecking. Stattdessen gilt die Devise: ein Schritt nach dem anderen.

    Seit Dienstag sind die Nürnberger Spieler wieder im Training. Die Langzeitverletzten Felix Lohkemper und Florian Hübner werden in separaten Einheiten langsam wieder herangeführt. Stürmer Erik Shuranov (leichte muskuläre Probleme) und Torwart Christian Mathenia (Magen-Darm-Infekt) müssen noch langsam tun.

    Nach einem Test gegen Drittligist Hallescher FC am Samstag geht der zweite Saisonabschnitt mit dem Heimspiel gegen den SC Paderborn (15.01.) weiter. Die Partie könnte richtungsweisend sein für den weiteren Saisonverlauf: Paderborn stellt die stärkste Auswärtsmannschaft der Liga, hat in der Fremde noch kein Spiel verloren. Ein echter Gradmesser also.

    Sollte der Club die Partie gewinnen, wäre der Weg frei für den Kampf um Platz drei. Ob das in dieser Spielzeit aber wirklich schon realistisch ist, hängt wohl nicht zuletzt davon ab, wie es bei den Aufstiegsmitfavoriten aus Schalke, Hamburg und Bremen weitergeht. Wahrscheinlicher ist, dass das von Dieter Hecking ausgegebene Saisonziel (Platz fünf bis acht) erreicht wird. Schon das wäre der erhoffte Schritt nach vorne. Mit einer eingespielten Mannschaft könnte der Wiederaufstieg dann im kommenden Jahr in Angriff genommen werden.

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